Bronchiolitis ist eine Entzündung der Bronchiolen, der kleinsten Atemwege in der Lunge, die vor allem Säuglinge und Kleinkinder unter zwei Jahren betrifft [1]. Die Erkrankung wird meist durch virale Infektionen verursacht, wobei das Respiratory Syncytial Virus (RSV) der häufigste Erreger ist [2]. Weitere Viren wie Parainfluenza, Influenza und Adenoviren können ebenfalls Bronchiolitis auslösen [3]. Die Infektion führt zu Schwellung, vermehrter Schleimproduktion und Verengung der Bronchiolen, was Atemnot, schnelle Atmung, pfeifende Atemgeräusche und Fütterungsschwierigkeiten verursacht [4]. Die Diagnose erfolgt klinisch anhand der Symptome und der körperlichen Untersuchung, wobei invasive Tests wie Röntgenaufnahmen oder PCR-Tests nur bei komplizierten Fällen empfohlen werden [5]. Die Therapie ist überwiegend unterstützender Natur und umfasst ausreichende Flüssigkeitszufuhr, Nasensaugen und gegebenenfalls Sauerstoffgabe [6]. Medikamente wie Bronchodilatatoren oder Kortikosteroide sind in der Regel nicht wirksam und werden nicht routinemäßig eingesetzt [5]. Hochrisikopatienten wie Frühgeborene oder Kinder mit angeborenen Herzfehlern haben ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf und möglicherweise einen Aufenthalt auf der Intensivstation [8]. Präventive Maßnahmen wie Palivizumab-Prophylaxe oder neuere Impfstoffe wie Nirsevimab und mütterliche RSV-Impfung zeigen vielversprechende Ergebnisse zur Reduktion der Krankenhausbelastung [9]. Die Überwachung von RSV-Aktivität durch Systeme wie RESP-NET ermöglicht eine frühzeitige Reaktion auf Ausbrüche [10].

Ätiologie und Erreger

Bronchiolitis wird überwiegend durch virale Infektionen verursacht, wobei das Respiratory Syncytial Virus (RSV) der häufigste Erreger ist und etwa 60–80 % der Fälle ausmacht, insbesondere in den Wintermonaten [11]. RSV infiziert die Flimmerepithelzellen der Bronchiolen und führt durch direkte zytotoxische Effekte, Zelllyse und Abblätterung des Epithels zu einer Schädigung der Atemwegsschleimhaut [12]. Diese Schädigung beeinträchtigt die mukoziliäre Clearance, fördert die Schleimproduktion und verursacht eine Schwellung der Atemwege, was zur Verengung der ohnehin engen Bronchiolen bei Säuglingen führt [13].

Neben RSV spielen auch andere Viren eine bedeutende Rolle bei der Entstehung von Bronchiolitis. Dazu gehören das humanes Rhinovirus (RV), das zunehmend als Hauptursache bei älteren Säuglingen und Kindern mit atopischer Veranlagung erkannt wird [14]. Rhinoviren nutzen Rezeptoren wie ICAM-1 oder LDLR, um in Atemwegszellen einzudringen, und lösen eine starke angeborene antivirale Antwort über RIG-I- und MDA5-Sensoren aus, die zur Produktion von Typ-I- und Typ-III-Interferonen (IFN-α/β und IFN-λ) führt [15]. Allerdings können Rhinoviren auch immununterdrückende Mechanismen aktivieren, wie die Hochregulierung von TGF-β und PD-L1, wodurch die T-Zell-Aktivierung gehemmt wird [16].

Ein weiterer wichtiger Erreger ist das humanes Metapneumovirus (HMPV), das zur Familie der Pneumoviridae gehört und strukturell RSV ähnelt [17]. HMPV infiziert Atemepithelzellen über Oberflächenglykoproteine (G und F) und verursacht Epithelnekrose, Verlust der Flimmerhärchen und Schleimansammlung [18]. Im Gegensatz zu anderen Viren unterdrückt HMPV die Typ-I-Interferon-Signalübertragung, indem es die Aktivierung von IRF3 und NF-κB blockiert, was die frühe antivirale Abwehr beeinträchtigt [19]. HMPV induziert eine Th2-verzerrte Immunantwort mit erhöhten Werten von IL-4, IL-5 und IL-13, was zu eosinophiler Entzündung und vermehrter Schleimproduktion führt [20].

Die humanen Parainfluenzaviren (HPIVs), insbesondere HPIV-3, sind ebenfalls bedeutende Ursachen von Bronchiolitis und Krupp bei Säuglingen [21]. Diese Viren infizieren Epithelzellen über Hämagglutinin-Neuraminidase-(HN)- und Fusions-(F)-Proteine, was zur Bildung von Syncytien, Nekrose und Entzündung führt [22]. Die Entzündung ist gekennzeichnet durch submuköses Ödem, mononukleäre Infiltration und Schleimverstopfung, was besonders bei den engen Atemwegen von Säuglingen problematisch ist [23]. HPIV löst eine starke angeborene Immunantwort aus, einschließlich der Produktion von IFN-γ und RANTES (CCL5), was zur Rekrutierung von T-Zellen, Makrophagen und NK-Zellen führt [24].

Die Immunantwort auf diese Viren unterscheidet sich erheblich und beeinflusst den Krankheitsverlauf. Während RSV und HMPV eine Th2- und Th17-verzerrte Antwort mit schwacher Interferonproduktion hervorrufen, was zu starker Immunpathologie führt, induzieren Rhinoviren eine robuste Interferonantwort, und HPIVs lösen eine effektive Th1-Antwort aus, die die Viruseliminierung fördert [25]. Diese Unterschiede in der Immunmodulation erklären teilweise die variierende Schwere der Erkrankung und das Risiko für rezidivierendes Keuchen nach der Infektion [26].

Die Übertragung dieser Viren erfolgt hauptsächlich über Tröpfcheninfektion durch Husten, Niesen oder Sprechen sowie über kontaminierte Oberflächen (Fomiten), auf denen das Virus mehrere Stunden infektiös bleiben kann [27]. Besonders in Haushalten, Kitas und anderen Gemeinschaftseinrichtungen breitet sich RSV schnell aus, wobei Studien zeigen, dass 32–53 % der Infektionen innerhalb von Haushalten stattfinden [27]. Die saisonalen Muster variieren: RSV zeigt in gemäßigten Zonen eine klare Winterdominanz (Oktober bis April), während Rhinoviren das ganze Jahr über zirkulieren, mit Spitzen im Herbst und Frühjahr [29]. HMPV folgt einem ähnlichen saisonalen Muster wie RSV, kann aber etwas später im Winter oder Frühjahr auftreten [30]. Parainfluenzaviren zeigen typspezifische Saisonalität, wobei Typ 3 im Frühjahr und Sommer zirkuliert [31].

Die hohe Viruslast, insbesondere bei RSV, korreliert stark mit der Schwere der Erkrankung. Höhere Viruslasten sind mit schwereren klinischen Manifestationen assoziiert, darunter verlängerter Sauerstoffbedarf, längeren Krankenhausaufenthalten und erhöhtem Bedarf an ventilatorischer Unterstützung [32]. Quantitative Messungen der Viruslast mittels Echtzeit-RT-PCR zeigen, dass die Viruslast oft mit dem Höhepunkt der Symptome zusammenfällt und mit der klinischen Besserung abnimmt [33]. Die Interaktion zwischen Viruslast, Alter des Säuglings und Immunantwort bestimmt letztlich den Krankheitsverlauf und die Prognose [34].

Pathophysiologie

Die Pathophysiologie der Bronchiolitis beruht auf einer virusinduzierten Entzündung der Bronchiolen, der kleinsten Atemwege der Lunge, die zu einer Schwellung der Atemwegswände, vermehrter Schleimproduktion, Nekrose von Epithelzellen und luminaler Obstruktion führt [35]. Diese Prozesse resultieren gemeinsam in dem charakteristischen obstruktiven Atemmuster, das bei dieser Erkrankung beobachtet wird. Der häufigste Erreger ist das Respiratory Syncytial Virus (RSV), das 50–75 % der Fälle verursacht, während andere Viren wie Rhinovirus, Parainfluenza, Human Metapneumovirus (HMPV) und Human Parainfluenza Virus (HPIV) ebenfalls beteiligt sein können [36].

Virusinduzierte Schädigung und Entzündungsreaktion

Das RSV infiziert primär die cilierten Epithelzellen der Bronchiolen und repliziert sich dort, was zu einer direkten zytotoxischen Schädigung führt [37]. Die Folge ist eine Zelllyse und das Absterben von Zellen, die als Zelltrümmer in das Atemwegslumen abgeschilfert werden. Dieser Prozess löst eine starke lokale Immunantwort aus, gekennzeichnet durch die Infiltration entzündlicher Zellen und die Freisetzung proinflammatorischer Zytokine wie Interleukin-6 (IL-6), IL-8 und Tumornekrosefaktor-alpha (TNF-α) [38]. Diese Entzündungsmediatoren verstärken die Schleimhautschwellung und das Ödem der Atemwegswände.

Besonders bei RSV ist eine Dysregulation der Immunantwort zu beobachten, die zur Immunpathologie beiträgt. Säuglinge zeigen eine unausgereifte und unausgeglichene Immunantwort, die durch eine T-Helfer-2- (Th2-) und Th17-Polarisierung gekennzeichnet ist [39]. Dies führt zu erhöhten Konzentrationen von IL-4, IL-13 und IL-33, die wiederum die Rekrutierung von Eosinophilen, die Schleimproduktion und eine Hyperreaktivität der Atemwege fördern [40]. Zudem zeigen Studien eine erhöhte Aktivität von Typ-2-angeborenen lymphoiden Zellen (ILC2s) bei schwerer RSV-Infektion, was die Th2-Entzündung weiter verstärkt [40]. Gleichzeitig ist die Funktion regulierender T-Zellen (Treg) beeinträchtigt, was zu einer unkontrollierten Entzündung führt [42]. RSV unterdrückt zudem die Produktion von Typ-I- und Typ-III-Interferonen (IFN), was die angeborene Immunabwehr schwächt und eine unkontrollierte Virusvermehrung ermöglicht [43].

Atemwegsobstruktion und ihre Folgen

Die Kombination aus epithelialer Schädigung, entzündlichem Ödem und vermehrter Schleimsekretion verengt das ohnehin enge Lumen der Bronchiolen. Bei Säuglingen ist diese Verengung besonders folgenschwer, da ihre Atemwege anatomisch sehr eng sind und daher anfälliger für eine vollständige oder teilweise Obstruktion sind [44]. Die Ansammlung von Schleim und Zelltrümmern bildet Pfropfen, die den Luftstrom, insbesondere während der Ausatmung, behindern, wenn der intrathorakale Druck ansteigt und die kleinen Atemwege anfälliger für einen Kollaps werden [36].

Diese Obstruktion führt zu mehreren physiologischen Konsequenzen:

  • Luftstauung und Hyperinflation: Aufgrund der erschwerten Luftexpulsion bleibt Luft distal zur Obstruktion eingeschlossen, was zu einer Überblähung der Lunge führt.
  • Ventilations-Perfusions-Mismatch (V/Q-Mismatch): Obstruierte Atemwege verringern die alveoläre Ventilation, während die Perfusion relativ erhalten bleibt, was zu einer Hypoxämie führt.
  • Erhöhter Atemarbeit: Säuglinge kompensieren durch eine erhöhte Atemfrequenz und die Nutzung von Atemhilfsmuskeln, was sich klinisch als Tachypnoe, Nasenflügeln und subkostalen Einziehungen manifestiert.
  • Pfeifende Atemgeräusche und Knistern: Turbulenter Luftstrom durch verengte Bronchiolen erzeugt Pfeifgeräusche (Wheezing), während Schleimverstopfungen und Atelektasen Knistern bei der Auskultation verursachen können [46].

Unterschiede in der Pathogenese zwischen verschiedenen Viren

Obwohl alle bronchiolitisverursachenden Viren zu Atemwegsobstruktion führen, unterscheiden sich ihre Mechanismen der Immunmodulation und Entzündungsreaktion. Während RSV und HMPV eine Th2-geprägte Immunantwort hervorrufen, die mit vermehrter Schleimproduktion und Atemwegshyperreaktivität assoziiert ist, löst Rhinovirus eine stärkere angeborene antivirale Antwort aus, insbesondere durch die Aktivierung von RIG-I- und MDA5-Sensoren, was zu einer robusten Produktion von Typ-I- und Typ-III-Interferonen führt [14]. Dennoch kann Rhinovirus durch die Induktion von TGF-β und PD-L1 immununterdrückende Mechanismen aktivieren, die die T-Zell-Aktivierung hemmen [16]. HPIV hingegen löst eine starke Th1-Antwort mit IFN-γ und Chemokinen wie RANTES aus, die zur Rekrutierung von T-Zellen und Makrophagen beiträgt, was eine effektive Viruseliminierung ermöglicht, aber auch zu Gewebeschäden führen kann [22].

Klinische Relevanz der Pathophysiologie

Das obstruktive Atemmuster ist somit eine direkte Folge der Entzündung der unteren Atemwege und der luminalen Obstruktion. Klinisch zeigt es sich durch eine erhöhte Atemfrequenz (oft >50–60 Atemzüge pro Minute), eine verlängerte Ausatmungsphase, Pfeifgeräusche, Grunzen und Anzeichen einer Atemnot [50]. In schweren Fällen kann dies zu respiratorischer Insuffizienz mit Hypoxie, Hyperkapnie, Lethargie und Apnoe fortschreiten, insbesondere bei sehr jungen Säuglingen oder bei Vorliegen von Risikofaktoren wie Prämaturität oder angeborenen Herzfehlern [51]. Die Pathophysiologie unterstreicht, dass die Erkrankung durch Entzündung und Obstruktion und nicht durch Bronchospasmus verursacht wird, was die Ablehnung von Bronchodilatatoren und Kortikosteroiden in den Leitlinien der American Academy of Pediatrics (AAP) begründet [5]. Die Therapie konzentriert sich daher auf die Unterstützung der Oxygenierung, ausreichende Flüssigkeitszufuhr und die Freihaltung der Atemwege durch Nasensaugen, anstatt auf pharmakologische Eingriffe, die nicht der zugrundeliegenden Pathophysiologie entsprechen [53].

Klinische Symptome und Krankheitsverlauf

Die Bronchiolitis verläuft in charakteristischen Phasen, beginnend mit unspezifischen, erkältungsartigen Symptomen und fortschreitend zu ausgeprägten Atembeschwerden, insbesondere bei Säuglingen. Der Krankheitsverlauf wird maßgeblich durch die Entzündung der Bronchiolen, der kleinsten Atemwege in der Lunge, verursacht, die durch Viren wie das Respiratory Syncytial Virus (RSV) oder das Rhinovirus ausgelöst wird. Die Symptome entwickeln sich typischerweise innerhalb von 4 bis 6 Tagen nach der Ansteckung und verlaufen meist selbstlimitierend, können aber bei Risikopatienten zu schweren Komplikationen führen [54].

Anfangsphase: Erkältungsartige Symptome

In den ersten 1 bis 3 Tagen der Erkrankung ähneln die Symptome einer einfachen Erkältung und sind oft unspezifisch. Zu den häufigsten Anzeichen gehören eine laufende oder verstopfte Nase, ein leichter Husten, Niesen, Fieber niedriger Grad und Appetitlosigkeit. Diese initialen Symptome können leicht mit einer oberen Atemwegsinfektion verwechselt werden, da sie noch keine typischen Zeichen einer unteren Atemwegsinfektion aufweisen [54]. Die Phase ist oft die Phase, in der die Infektion am ansteckendsten ist, da das Virus über Tröpfcheninfektion durch Niesen, Husten oder Kontakt mit kontaminierten Oberflächen übertragen wird [56].

Fortschreitende Symptome und Höhepunkt der Erkrankung

Ab dem 3. bis 5. Krankheitstag erreichen die Symptome ihren Höhepunkt, da sich die Infektion von den oberen in die unteren Atemwege ausbreitet. Die Entzündung der Bronchiolen führt zu Schwellung der Bronchialschleimhaut, vermehrter Schleimproduktion und Abschilferung von Epithelzellen, was die Atemwege verengt oder sogar vollständig verschließt [36]. Dies resultiert in einem charakteristischen obstruktiven Atemmuster mit folgenden klinischen Zeichen:

  • Pfeifende Atemgeräusche beim Ausatmen, verursacht durch turbulente Luftströmung in den verengten Atemwegen
  • Schnelle Atmung, oft über 60 Atemzüge pro Minute bei Säuglingen
  • Erhöhte Atemarbeit, erkennbar an Nasenflügeln (nasal flaring), Grunzlauten und sichtbarem Einziehen der Haut zwischen den Rippen (subkostale Einziehung) oder über dem Brustbein (supraklavikuläre Einziehung)
  • Verstärkter Einsatz der Atemhilfsmuskulatur, was auf eine zunehmende Atemnot hinweist
  • Fütterungsschwierigkeiten, da das Atmen das Trinken erschwert
  • Reizbarkeit oder Apathie (Lethargie), was auf eine beginnende Sauerstoffunterversorgung hindeuten kann [46]

Bei besonders gefährdeten Säuglingen, insbesondere Frühgeborenen oder Kindern unter 2 Monaten, kann es zu Atempausen (Apnoe) kommen, die als lebensbedrohlich gelten und sofortige medizinische Intervention erfordern [46]. Die Schwere der Symptome hängt auch mit der Viruslast zusammen: Studien zeigen, dass eine höhere RSV-Viruslast mit schwereren klinischen Verläufen, längeren Sauerstofftherapien und längeren Krankenhausaufenthalten korreliert [32].

Genesungsphase und mögliche Langzeitfolgen

Nach dem Höhepunkt der Erkrankung beginnen die meisten Kinder innerhalb einer Woche zu genesen. Die akuten Atembeschwerden bessern sich schrittweise, doch der Husten und gegebenenfalls das Wheezing können noch 1 bis 3 Wochen anhalten, in Einzelfällen bis zu 6 Wochen. Die vollständige Genesung erfolgt bei den meisten Kindern durch ambulante, unterstützende Maßnahmen wie ausreichende Flüssigkeitszufuhr, regelmäßiges Nasensaugen und gegebenenfalls Sauerstoffgabe [61]. Die Dauer der Genesung kann durch Faktoren wie das Alter des Kindes, die Grunderkrankung und die Immunantwort beeinflusst werden. Säuglinge unter 12 Monaten, insbesondere unter 6 Monaten, sind aufgrund ihrer anatomisch engeren Atemwege und der noch unreifen Immunabwehr besonders anfällig für einen schweren Verlauf [36].

Obwohl die Bronchiolitis meist akut und selbstlimitierend verläuft, besteht bei einigen Kindern ein erhöhtes Risiko für wiederkehrendes Keuchen und die Entwicklung von Asthma im späteren Kindesalter. Dies gilt insbesondere nach einer schweren RSV-Infektion oder bei Kindern mit einer atopischen Veranlagung. Auch das Rhinovirus, das zunehmend als häufiger Erreger der Bronchiolitis erkannt wird, ist mit einem höheren Risiko für wiederkehrendes Keuchen und Asthma assoziiert, möglicherweise aufgrund einer bestehenden Hyperreaktivität der Atemwege [26]. In seltenen Fällen kann eine schwere Bronchiolitis zu einer chronischen Lungenerkrankung führen, der sogenannten postinfektiösen Bronchiolitis obliterans, die durch eine fibrotische Verödung der kleinen Atemwege gekennzeichnet ist [64].

Klinischer Verlauf im Überblick

Der typische Verlauf der Bronchiolitis lässt sich wie folgt zusammenfassen:

  • Tage 1–3: Beginn mit erkältungsartigen Symptomen (laufende Nase, leichter Husten, Fieber)
  • Tage 3–5: Verschlechterung mit Atemnot, Wheezing, Tachypnoe und erhöhter Atemarbeit
  • Tage 6–14: Allmähliche Besserung, anhaltender Husten möglich
  • Nach 2 Wochen: Die meisten Kinder sind weitgehend genesen, bei einigen kann das Keuchen noch länger bestehen

Ein schwerer Verlauf erfordert eine enge klinische Überwachung, insbesondere bei Risikopatienten wie Frühgeborenen, Kindern mit angeborenen Herzfehlern oder chronischer Lungenerkrankung, da diese Gruppen eine niedrigere Schwelle für eine Hospitalisierung haben [8]. Die frühzeitige Erkennung von Warnzeichen wie Zyanose (bläuliche Verfärbung von Haut, Lippen oder Fingernägeln), Atemstillstand oder Dehydrierung ist entscheidend, um eine lebensbedrohliche Verschlechterung zu verhindern [4].

Diagnostik

Die Diagnostik der Bronchiolitis erfolgt überwiegend klinisch und basiert auf der Anamnese sowie der körperlichen Untersuchung, wobei invasive oder apparative Tests nur in ausgewählten Fällen indiziert sind [67]. Die Erkrankung manifestiert sich typischerweise bei Säuglingen und Kleinkindern unter zwei Jahren mit Symptomen wie Husten, pfeifende Atemgeräusche, schnelle Atmung, Nasenflügeln und Atemnot, die sich meist nach einem initialen, erkältungsartigen Prodrom beginnen [68]. Die Diagnose wird gestellt, wenn diese klinischen Zeichen in Kombination mit erhöhtem Atemarbeit und typischen Auskultationsbefunden wie diffusen Giemen und Knisterrasseln vorliegen [69].

Klinische Diagnostik

Der klinische Befund steht im Zentrum der Diagnostik. Eine gründliche körperliche Untersuchung umfasst die Beurteilung der Atemfrequenz, des Atemarbeitgrades (z. B. subkostale oder interkostale Einziehungen, Nasenflügeln, Kopfnicken), der Sättigung mittels Puls-Oximetrie und des Allgemeinzustands des Kindes [70]. Bei sehr jungen Säuglingen, insbesondere Frühgeborenen, kann eine Atempause das erste Anzeichen einer schweren Bronchiolitis sein und erfordert eine sofortige intensivmedizinische Abklärung [71]. Die American Academy of Pediatrics (AAP) betont, dass die Diagnose allein aufgrund der klinischen Symptomatik gestellt werden kann und routinemäßige Labortests oder bildgebende Verfahren nicht erforderlich sind [72].

Labor- und Virusdiagnostik

Obwohl keine routinemäßige Labordiagnostik empfohlen wird, kann in bestimmten Situationen die Identifizierung des Erregers sinnvoll sein. Die polymerasekettenreaktionsbasierte (PCR) Diagnostik gilt als Goldstandard zur Detektion viraler Erreger wie des Respiratory Syncytial Virus (RSV) aus Nasopharyngealabstrichen oder -aspiraten [73]. PCR-Tests zeichnen sich durch eine hohe Sensitivität und Spezifität aus und ermöglichen zudem die Quantifizierung der Viruslast, die mit der Krankheitsschwere korrelieren kann [74]. Multiplex-PCR-Panels erlauben die gleichzeitige Untersuchung auf mehrere Atemwegsviren wie humanes Rhinovirus, Parainfluenza, Influenza und humanes Metapneumovirus (HMPV) [75].

Im Gegensatz dazu weisen schnelle Antigentests, wie der mariPOC Respi Test, eine geringere Sensitivität auf (ca. 68 % für RSV) und bergen somit ein höheres Risiko für falsch-negative Ergebnisse, insbesondere bei niedriger Viruslast oder später im Krankheitsverlauf [76]. Positiv getestete Patienten profitieren jedoch von einer schnellen Isolierung und kohortenbasierten Unterbringung, was die nosokomiale Übertragung reduziert [77]. Bei anhaltendem klinischem Verdacht trotz negativem Antigentest sollte daher eine Bestätigung mittels PCR erfolgen [78].

Bildgebende Verfahren

Der Röntgen-Thorax wird nicht routinemäßig zur Diagnose der Bronchiolitis empfohlen, da die Befunde oft unspezifisch sind und zu Fehldiagnosen wie bakterieller Pneumonie führen können, was wiederum zu unnötigen Antibiotikatherapien führt [79]. Typische radiologische Zeichen umfassen Hyperinflation, peribronchiale Verdickung und atelektatische Areale [80]. Eine Thoraxaufnahme ist jedoch indiziert bei schwerer Atemnot, klinischer Verschlechterung, Verdacht auf Komplikationen wie Pneumothorax oder Pleuraerguss, atypischem Verlauf oder fehlender Besserung unter Standardtherapie [51]. In solchen Fällen dient die Bildgebung vor allem der Ausschlussdiagnose alternativer Erkrankungen wie Fremdkörperaspiration oder kongenitaler Herzfehler mit Herzinsuffizienz [82].

Indikationen zur Diagnostik

Laut AAP-Leitlinien ist die Diagnose der Bronchiolitis klinisch zu stellen, und der Einsatz von umfassenden Viruspanels oder bildgebenden Verfahren sollte auf spezifische klinische Szenarien beschränkt bleiben [83]. Diagnostische Tests sind sinnvoll bei:

  • Hochrisikopatienten (z. B. Frühgeborene, Kinder mit chronischer Lungenerkrankung oder angeborenem Herzfehler), bei denen die Bestätigung einer RSV-Infektion therapeutische oder infektiologische Maßnahmen beeinflussen kann [78]
  • Hospitalisierten Patienten zur Kohortierung und Verhinderung nosokomialer Übertragung
  • Atypischem oder schwerem Krankheitsverlauf
  • Epidemiologischen Zwecken und Surveillance [85]

Zusammenfassend basiert die Diagnostik der Bronchiolitis auf einer sorgfältigen klinischen Beurteilung, wobei apparative und laborchemische Untersuchungen nur in ausgewählten Fällen zur Bestätigung des Erregers, zur Ausschlussdiagnose oder zur Infektionskontrolle eingesetzt werden sollten. Die strikte Einhaltung evidenzbasierter Leitlinien verhindert Überdiagnostik, reduziert unnötige Interventionen und verbessert die Patientensicherheit [72].

Therapie und unterstützende Maßnahmen

Die Therapie der Bronchiolitis konzentriert sich überwiegend auf unterstützende Maßnahmen, da keine spezifischen antiviralen Therapien routinemäßig empfohlen werden. Die Erkrankung ist meist selbstlimitierend, und die Behandlung zielt darauf ab, die Symptome zu lindern, die Sauerstoffversorgung sicherzustellen und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu gewährleisten [46]. Die meisten Kinder mit leichter Bronchiolitis können ambulant behandelt werden, während schwerere Fälle einen Krankenhausaufenthalt erfordern.

Unterstützende Maßnahmen

Zu den wichtigsten Säulen der unterstützenden Therapie gehören die Sicherstellung der Hydration, das Absaugen von Nasensekret und die Überwachung der Atmung. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist entscheidend, um einer Dehydration vorzubeugen, die durch erhöhte Atemfrequenz und Fütterungsschwierigkeiten entstehen kann [88]. Säuglinge sollten weiterhin gestillt oder mit Flasche ernährt werden, wobei kleinere, häufigere Mahlzeiten sinnvoll sein können, wenn die Atmung erschwert ist. Bei unzureichender oraler Aufnahme kommen nasogastrale (NG) oder intravenöse (IV) Flüssigkeitszufuhr in Betracht [61].

Das regelmäßige, sanfte Absaugen von Nasensekret mittels einer Birkenpumpe oder mechanischen Geräten verbessert die Nasenatmung und erleichtert das Füttern und Schlafen [90]. Auch die Verwendung von feuchter Luft durch Kühlluftbefeuchter wird gelegentlich empfohlen, obwohl der Nutzen hierfür begrenzt ist [91]. Fieber kann mit Paracetamol oder Ibuprofen gesenkt werden, sofern erforderlich.

Sauerstofftherapie und Atemunterstützung

Die Gabe von Sauerstoff ist indiziert, wenn die arterielle Sauerstoffsättigung (SpO₂) unter 90–92 % sinkt. Ziel ist eine Sauerstoffsättigung zwischen 90 % und 97 % [92]. Hochfluss-Sauerstoff über eine Nasenkanüle (High-Flow Nasal Cannula, HFNC) wird zunehmend bei mittelschweren bis schweren Fällen eingesetzt, da sie die Sauerstoffierung verbessert, den Atemarbeit erhöht und eine milde positive Atemwegsdruckwirkung hat [93]. HFNC wird als effektive Brücke zur Vermeidung einer Intubation angesehen.

Die invasive mechanische Beatmung ist vorbehalten für Säuglinge mit schwerer respiratorischer Insuffizienz, die auf nichtinvasive Maßnahmen nicht ansprechen. Indikationen umfassen persistierende Hypoxämie trotz HFNC, Hyperkapnie mit respiratorischer Azidose (pH < 7,25), Apnoe oder klinische Zeichen von Erschöpfung und hämodynamischer Instabilität [94]. Diese Patienten werden typischerweise auf einer Intensivstation (PICU) behandelt.

Medikamente, die nicht routinemäßig empfohlen werden

Mehrere Therapien sind aufgrund fehlender Wirksamkeit nicht empfohlen. Bronchodilatatoren wie Albuterol oder Salbutamol zeigen bei der Mehrheit der Fälle keine signifikante Verbesserung der klinischen Ergebnisse und sind mit Nebenwirkungen wie Tachykardie und Tremor assoziiert [72]. Eine systematische Übersichtsstudie der Cochrane Collaboration bestätigte, dass Bronchodilatatoren keinen relevanten Nutzen bieten [96].

Ebenso sind Kortikosteroide nicht wirksam. Metaanalysen zeigen keinen signifikanten Einfluss auf die Krankenhausaufenthaltsdauer oder die Symptomdauer [97]. Antibiotika sollten nur bei Verdacht auf eine bakterielle Superinfektion eingesetzt werden, was selten ist. Hypertonische Salzlösung (3 %) kann bei hospitalisierten Patienten einen geringen Nutzen haben, wird aber in der ambulanten Versorgung nicht routinemäßig empfohlen [98].

Flüssigkeits- und Elektrolytmanagement

Ein sorgfältiges Flüssigkeitsmanagement ist entscheidend, um sowohl Dehydration als auch Flüssigkeitsüberladung zu vermeiden. Hypotone Infusionslösungen sind mit einem erhöhten Risiko für hospitalisierte Hyponatriämie assoziiert, insbesondere bei kritisch kranken Säuglingen mit Bronchiolitis, die eine nicht-osmotische Freisetzung von antidiuretischem Hormon (ADH) aufweisen können [99]. Daher wird die Verwendung isotoner Lösungen (z. B. 0,9 % NaCl mit Kaliumzusatz) empfohlen, um das Risiko einer Hyponatriämie zu minimieren [100].

Flüssigkeitsüberladung, definiert als ein positives Flüssigkeitsbilanz über 10 % des Körpergewichts, ist mit einer Verschlechterung der Atemfunktion und einer längeren Beatmungsdauer assoziiert [101]. Daher sollten Flüssigkeitsmengen sorgfältig titriert werden, insbesondere bei kritisch kranken Patienten. Tägliche Gewichtskontrollen, strenge Erfassung von Ein- und Ausfuhr sowie klinische Beurteilung sind essenziell [102]. In bestimmten Fällen kann eine Flüssigkeitsrestriktion auf 50–75 % der üblichen Erhaltungsflüssigkeitsmenge sinnvoll sein [103].

Monitoring und Apnoeprävention

Kontinuierliches Monitoring der Atmung und Sauerstoffsättigung ist bei Risikopatienten essenziell. Apnoe ist eine lebensbedrohliche Komplikation, insbesondere bei Säuglingen unter zwei Monaten und Frühgeborenen [104]. Apnoeepisoden können der erste Hinweis auf eine Verschlechterung sein und erfordern oft eine intensivmedizinische Überwachung oder Beatmung. Risikofaktoren für Apnoe umfassen Alter ≤3 Monate, Hypoxämie und klinische Zeichen der Atemnot [70].

Für stabilisierte Patienten kann intermittierendes Monitoring ausreichen, um Alarmüberlastung zu vermeiden, während kontinuierliches Monitoring bei Hochrisikopatienten beibehalten werden sollte [106]. Klinische Beurteilungen hinsichtlich Atemarbeit, Bewusstseinslage und Fütterungstoleranz sollten regelmäßig erfolgen.

Hochrisikopatienten und Komplikationen

Säuglinge und Kleinkinder mit bestimmten Risikofaktoren haben ein signifikant erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf der Bronchiolitis, der zu intensivmedizinischer Behandlung, Komplikationen oder sogar zum Tod führen kann. Die Identifikation von Hochrisikopatienten ist entscheidend für die klinische Entscheidungsfindung, die Wahl des Behandlungssettings und die Implementierung präventiver Maßnahmen. Zu den wichtigsten Risikofaktoren gehören Frühgeburtlichkeit, chronische Lungenerkrankungen und angeborene Herzfehler, die alle die Fähigkeit des Kindes beeinträchtigen, mit der Atemwegsobstruktion und systemischen Belastung durch die virale Infektion umzugehen.

Hochrisikopatienten und ihre klinische Bedeutung

Die Frühgeburtlichkeit ist einer der stärksten Prädiktoren für einen schweren Verlauf. Insbesondere Frühgeborene mit einem Gestationsalter unter 34 Wochen haben ein fast doppelt so hohes Risiko (RR = 1,9) für eine Bronchiolitis-bedingte Hospitalisierung im Vergleich zu reifgeborenen Kindern [107]. Diese erhöhte Anfälligkeit resultiert aus unzureichend entwickelten Lungen, schwächeren Atemmuskeln und einem unreifen Immunsystem. Frühgeborene sind daher anfälliger für Atemstillstände (Apnoe), eine verlängerte Sauerstofftherapie und eine intensivmedizinische Behandlung. Aufgrund dieser Vulnerabilität wird die Palivizumab-Prophylaxe während der RSV-Saison für ausgewählte Frühgeborene nach den Empfehlungen der American Academy of Pediatrics (AAP) empfohlen [92].

Ein weiterer wichtiger Risikofaktor ist die chronische Lungenerkrankung der Frühgeburtlichkeit, auch bekannt als Bronchopulmonale Dysplasie (BPD). Diese Kinder haben bereits eine eingeschränkte Lungenfunktion und ein reduziertes respiratorisches Reservoir. Eine akute Bronchiolitis kann bei ihnen zu einer schnellen Verschlechterung führen, die eine längere Sauerstofftherapie und häufig den Einsatz von Hochfluss-Sauerstoff über eine High-Flow Nasal Cannula (HFNC) oder sogar eine mechanische Beatmung erfordert [109]. Die Behandlung muss darauf abzielen, zusätzliche Lungenschäden zu vermeiden, während gleichzeitig eine ausreichende Atemunterstützung gewährleistet wird.

Kinder mit einem angeborenen Herzfehler, insbesondere mit hämodynamisch signifikanten oder zyanotischen Defekten, sind ebenfalls einer erhöhten Gefahr ausgesetzt. Bronchiolitis kann die bestehende Herzinsuffizienz verschlechtern und zu einer Verschlechterung der Sauerstoffsättigung führen. Die Mortalitätsrate bei Kindern mit Herzfehlern liegt bei etwa 3,5 %, was deutlich über der Rate in der allgemeinen pädiatrischen Bevölkerung (<1 %) liegt [110]. Die Behandlung erfordert eine sorgfältige Abwägung der Sauerstoffgabe, um sowohl Hypoxie als auch Hyperoxie zu vermeiden, da letztere den pulmonalen Gefäßwiderstand beeinflussen und die Herzfunktion beeinträchtigen kann [109]. Weitere Risikofaktoren umfassen Immunodefizienz, neuromuskuläre Erkrankungen und eine hohe Viruslast, die alle die Fähigkeit des Körpers beeinträchtigen, die Infektion zu kontrollieren [8].

Häufige Komplikationen im intensivmedizinischen Setting

Im Rahmen eines schweren Verlaufs, insbesondere auf der Intensivstation (PICU), können eine Reihe lebensbedrohlicher Komplikationen auftreten. Die häufigste und gravierendste Komplikation ist die Atemstillstand (Apnoe), die besonders bei Säuglingen unter zwei Monaten und bei Frühgeborenen auftritt [104]. Apnoe kann das erste Anzeichen einer klinischen Verschlechterung sein und erfordert eine kontinuierliche kardiopulmonale Überwachung. Die respiratorische Insuffizienz ist der häufigste Grund für eine Intensivtherapie. Sie resultiert aus fortschreitender Atemwegsobstruktion, erhöhter Atemarbeit und Ermüdung der Atemmuskulatur. Die Therapie umfasst zunächst eine nicht-invasive Atemunterstützung wie HFNC oder CPAP, aber ein Teil der Patienten benötigt eine invasive mechanische Beatmung [94].

Eine weitere bedeutende Komplikation ist die Flüssigkeitsüberladung, die durch eine übermäßige intravenöse Flüssigkeitsgabe entstehen kann. Eine positive Flüssigkeitsbilanz von mehr als 10 % des Körpergewichts ist mit einer schlechten respiratorischen Prognose assoziiert und kann die Notwendigkeit einer Intubation erhöhen [101]. Dies wird oft durch das Syndrom der inadäquaten Sekretion von ADH (SIADH) verschärft, bei dem eine nicht-osmotische Stimulation des antidiuretischen Hormons (ADH) zu einer Wasserrückhaltung und einer Verdünnungshyponatriämie führt. Daher wird die Verwendung isotoner Lösungen (z. B. 0,9 % NaCl) zur Vermeidung von Hyponatriämie empfohlen [100]. Die Hyponatriämie selbst ist nicht nur eine vermeidbare Komplikation, sondern auch ein Marker für die Schwere der Erkrankung und ist mit längeren Krankenhausaufenthalten und einer höheren Intubationsrate assoziiert [117].

Differenzierung zwischen viralen und bakteriellen Komplikationen

Die Unterscheidung zwischen einer fortschreitenden viralen Bronchiolitis und einer sekundären bakteriellen Infektion ist entscheidend, um eine unnötige Antibiotikatherapie zu vermeiden. Sekundäre bakterielle Infektionen wie ventilatorassoziierte Pneumonie oder Sepsis treten zwar selten bei sonst gesunden Kindern auf, sind aber bei kritisch kranken oder beatmeten Patienten häufiger [118]. Klinische und laborchemische Indikatoren helfen bei der Differenzialdiagnose. Eine persistierende oder ansteigende Fieberkurve (>39 °C), eine deutliche Leukozytose mit Linksverschiebung und ein stark erhöhter C-reaktives Protein (CRP) (>100 mg/L) oder Prokalzitonin sprechen für eine bakterielle Superinfektion [119]. Radiologisch gesehen sind eine lobäre Konsolidierung oder ein Pleuraerguss eher typisch für eine bakterielle Pneumonie, während eine Hyperinflation und peribronchiale Verdickung für die virale Bronchiolitis charakteristisch sind. Antibiotika sollten daher nur bei bestätigtem oder stark vermutetem bakteriellem Befund eingesetzt werden, um die antimikrobielle Stewardship zu unterstützen [72].

Langfristige respiratorische Spätfolgen

Emergierende Evidenz deutet darauf hin, dass eine schwere Bronchiolitis, insbesondere durch Respiratory Syncytial Virus (RSV) verursacht, langfristige respiratorische Konsequenzen haben kann. Ein Großteil der betroffenen Kinder entwickelt wiederkehrendes Asthma oder eine postinfektiöse Bronchialhyperreaktivität, die sich als wiederholende Episoden von Husten und pfeifenden Atemgeräuschen manifestieren können [36]. In seltenen Fällen kann es zur postinfektiösen Bronchiolitis obliterans kommen, einer chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung, die durch eine fibrotische Verlegung der kleinen Atemwege gekennzeichnet ist [64]. Diese Spätfolgen unterstreichen die Bedeutung präventiver Strategien wie der Nirsevimab-Prophylaxe oder der mütterlichen RSV-Impfung, um nicht nur die akute Krankheitslast, sondern auch die langfristige Morbidität zu reduzieren [9].

Prävention und Impfstrategien

Die Prävention von Bronchiolitis konzentriert sich auf die Reduktion der Übertragung des Respiratory Syncytial Virus (RSV) und anderer Atemwegsviren, insbesondere bei Säuglingen und Kleinkindern, die am stärksten gefährdet sind. Da die Erkrankung hauptsächlich durch virale Infektionen verursacht wird, zielen präventive Maßnahmen auf nicht-pharmakologische Interventionen, gezielte Immunprophylaxe und neuartige Impfstoffe ab, um die Krankenhausbelastung und schwere Verläufe zu verringern [124].

Nicht-pharmakologische Präventionsmaßnahmen

Die Verbreitung von RSV erfolgt primär über Tröpfcheninfektion durch Husten, Niesen oder Kontakt mit kontaminierten Oberflächen (Fomites), wobei das Virus mehrere Stunden lang infektiös bleiben kann [27]. Daher spielen grundlegende Hygienemaßnahmen eine entscheidende Rolle bei der Prävention. Dazu gehören regelmäßiges Händewaschen mit Seife und Wasser oder die Verwendung von alkoholbasierten Desinfektionsmitteln, Atemhygiene (z. B. Husten in die Armbeuge), das Vermeiden enger Kontakte mit Erkrankten und das Zuhausebleiben, wenn man selbst krank ist [126]. In Einrichtungen wie Kitas, in denen die Übertragungswahrscheinlichkeit erhöht ist, sind strukturierte Infektionsschutzmaßnahmen wie regelmäßige Reinigung von Oberflächen, Gruppierung (Cohorting) von Kindern und Ausschluss kranker Kinder besonders wichtig [127]. Studien zeigen, dass diese nicht-pharmakologischen Interventionen (NPIs) während der COVID-19-Pandemie zu einem drastischen Rückgang der Bronchiolitis-Fälle führten, was ihre Wirksamkeit unterstreicht [128].

Monoklonale Antikörper: Palivizumab und Nirsevimab

Für Hochrisikokinder stehen spezifische immunologische Präventionsstrategien zur Verfügung. Palivizumab, ein monoklonaler Antikörper, wird seit Jahren zur Prophylaxe bei Frühgeborenen, Kindern mit chronischer Lungenerkrankung (Bronchopulmonale Dysplasie) und solchen mit angeborenem Herzfehler empfohlen [92]. Es wird monatlich während der RSV-Saison verabreicht und hat in klinischen Studien die Rate an RSV-bedingten Krankenhausaufenthalten um bis zu 55 % gesenkt [130]. Allerdings ist die Anwendung aufgrund der hohen Kosten und des aufwendigen Verabreichungsschemas auf Risikogruppen beschränkt.

Ein bedeutender Fortschritt ist die Einführung von Nirsevimab (Beyfortus), einem langwirksamen monoklonalen Antikörper, der durch eine einzige intramuskuläre Injektion Schutz für eine gesamte RSV-Saison bietet. Studien zeigen eine Wirksamkeit von etwa 80 % bei der Verhinderung von Krankenhausaufenthalten aufgrund schwerer RSV-Infektionen [131]. Die Realwelt-Evidenz aus der Saison 2024–2025 belegt, dass die Verfügbarkeit von Nirsevimab zu einer 28–43 %igen Reduktion der RSV-Krankenhausaufenthalte bei Säuglingen beigetragen hat [132]. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt Nirsevimab nun für Säuglinge unter 8 Monaten, die ihre erste RSV-Saison durchlaufen [9].

Mütterliche RSV-Impfung

Ein weiterer innovativer Ansatz ist die mütterliche RSV-Impfung während der Schwangerschaft. Impfstoffe wie Abrysvo (Pfizer) und Arexvy (GSK), die auf dem präfusions-F-Protein des RSV basieren, induzieren bei der schwangeren Frau hohe Spiegel neutralisierender Antikörper, die über die Plazenta auf das ungeborene Kind übertragen werden [134]. Eine große Phase-3-Studie zeigte, dass diese Strategie das Risiko einer medizinisch behandelten RSV-Luftwegsinfektion beim Säugling in den ersten sechs Lebensmonaten um etwa 68 % reduziert [134]. Die WHO empfiehlt die Impfung in der 32. bis 36. Schwangerschaftswoche, um die Säuglinge in ihrer anfälligsten Lebensphase zu schützen [9]. Die WHO hat im März 2025 den mütterlichen RSV-Impfstoff von Pfizer vorqualifiziert, was den Zugang über UNICEF und Gavi, die Vaccine Alliance, erleichtert [137].

Impfstoffe für ältere Erwachsene

Obwohl nicht direkt auf Säuglinge abzielend, tragen Impfstoffe gegen RSV für Erwachsene ab 60 Jahren ebenfalls zur Prävention bei. Da ältere Erwachsene RSV auf Säuglinge übertragen können, reduziert die Impfung dieser Gruppe das Risiko einer Übertragung in Haushalten und Pflegeeinrichtungen [138]. Die Zulassung dieser Impfstoffe durch die FDA und die Europäische Kommission markiert einen wichtigen Schritt in der öffentlichen Gesundheit [139].

Herausforderungen und globale Gerechtigkeit

Trotz dieser vielversprechenden Fortschritte bestehen erhebliche Herausforderungen beim Zugang zu diesen neuen Präventionsmitteln. Die hohen Kosten von Nirsevimab und den mütterlichen Impfstoffen stellen eine große Hürde für Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen (LMICs) dar, wo der RSV-bedingte Krankheits- und Sterblichkeitslast am höchsten ist [140]. Die Integration dieser Interventionen in bestehende Programme zur pränatalen Versorgung und zur Routineimmunisierung ist entscheidend für eine breite Durchsetzung [141]. Gavi hat bereits begonnen, ein Programm zur Einführung des mütterlichen RSV-Impfstoffs in LMICs zu entwickeln, um die globale Ungleichheit zu verringern [142].

Zukunftsperspektiven: Antivirale Therapien

Zusätzlich zu präventiven Maßnahmen werden auch antivirale Therapien entwickelt, die das Krankheitsmanagement ergänzen könnten. Wirkstoffe wie Zelicapavir, ein Inhibitor des RSV-Nukleoproteins, und Obeldesivir, ein oraler Nukleosidanalog, haben in klinischen Studien antivirale Wirkung gezeigt und könnten zukünftig bei Durchbruchsinfektionen, insbesondere bei immunsupprimierten oder Hochrisikokindern, eingesetzt werden [143]. Diese Therapien könnten eine wichtige Ergänzung zu Impfungen und Immunprophylaxe darstellen, um die globale Belastung durch RSV-bedingte Bronchiolitis weiter zu reduzieren.

Epidemiologie und Surveillance

Die Epidemiologie von Bronchiolitis zeigt eine jährlich wiederkehrende saisonale Dynamik, die vor allem durch das Respiratory Syncytial Virus (RSV) geprägt ist, den häufigsten Erreger der Erkrankung [144]. In gemäßigten Klimazonen wie den Vereinigten Staaten beginnt die RSV-Aktivität typischerweise im Oktober und erreicht ihren Höhepunkt zwischen November und April, wobei die Saison bis in den Mai hinein andauern kann [145]. Diese winterliche Saisonalität wird durch klimatische Faktoren wie niedrige Temperaturen und geringe Luftfeuchtigkeit begünstigt, die die Stabilität des Virus in Aerosolen erhöhen und die Schleimhautbarriere in den Atemwegen beeinträchtigen [146]. In tropischen und subtropischen Regionen wie Singapur hingegen korreliert die RSV-Übertragung mit höherer absoluter Luftfeuchtigkeit und Temperaturschwankungen, was auf regionsspezifische meteorologische Einflüsse hinweist [147].

Neben RSV spielen auch andere Viren eine Rolle bei der Epidemiologie der Bronchiolitis, darunter humanes Rhinovirus (HRV), Human metapneumovirus (hMPV) und Parainfluenza-Viren. Rhinoviren zirkulieren das ganze Jahr über mit Spitzen im Herbst und Frühjahr und tragen somit auch außerhalb der klassischen RSV-Saison zur Krankheitslast bei [29]. hMPV zeigt eine ähnliche, aber leicht verzögerte Saisonalität wie RSV, während Parainfluenza-Typ 3 vor allem im Frühjahr und Sommer zirkuliert [31]. Diese unterschiedlichen saisonalen Muster führen zu einer ganzjährigen Belastung durch virale Bronchiolitis, wobei RSV für die Mehrheit der schweren Fälle im Winter verantwortlich ist.

Die Übertragung erfolgt hauptsächlich über Tröpfcheninfektion durch Husten, Niesen oder Sprechen sowie durch Kontakt mit kontaminierten Oberflächen (Fomiten), auf denen das Virus mehrere Stunden infektiös bleiben kann [27]. Haushaltsübertragungen spielen eine bedeutende Rolle, wobei Studien schätzen, dass 32–53 % der Infektionen innerhalb der Familie erfolgen [27]. Kinder in Tagesstätten oder anderen Gemeinschaftseinrichtungen sind besonders anfällig und tragen maßgeblich zur Ausbreitung in der Bevölkerung bei [152]. Eine Analyse in Irland zeigte zudem Übertragungsketten von Säuglingen und Kleinkindern auf ältere Erwachsene, was die Bedeutung der pädiatrischen Bevölkerung als Reservoir für RSV unterstreicht [153].

Über das letzte Jahrzehnt hinweg blieben die Grundraten der Bronchiolitis-Hospitalisierung relativ stabil, wurden aber durch die COVID-19-Pandemie erheblich beeinflusst. Während der Jahre 2020–2021 führten nicht-pharmazeutische Maßnahmen wie soziale Distanzierung, Maskenpflicht und verbesserte Hygiene zu einem dramatischen Rückgang der Bronchiolitis-Fälle. In Frankreich und Belgien sanken die Krankenhausaufenthalte um 80–90 %, in Australien wurde ein Rückgang um 94 % verzeichnet [154][155]. Nach Aufhebung der Maßnahmen kam es jedoch zu einem starken Wiederaufflammen, wobei die Saisons 2021 und 2022 früher begannen und intensiver verliefen als vor der Pandemie [156]. Diese Wiederkehr wird auf die verminderte Bevölkerungsimmunität zurückgeführt, da viele junge Kinder während der Pandemie keiner saisonalen Viruszirkulation ausgesetzt waren, wodurch eine größere anfällige Kohorte entstand [157]. Aktuelle Daten zeigen, dass sich die Aktivität inzwischen weitgehend wieder normalisiert hat, jedoch mit anhaltenden regionalen Unterschieden in Zeitpunkt und Ausbreitung [158].

Geografische Unterschiede sind ausgeprägt: In gemäßigten Zonen dominieren Winterausbrüche, während in tropischen Regionen die Aktivität ganzjährig oder mit Regenzeit-bedingten Spitzen auftritt [159]. In England beispielsweise variiert die Hospitalisierungsrate regional fünf- bis fünfzehnfach, wobei sozioökonomisch benachteiligte und nördliche Regionen häufig frühere und intensivere Ausbrüche erleben [160][161]. Luftverschmutzung, insbesondere durch PM2,5 und Ozon, ist mit höheren Hospitalisierungsraten und schwereren Krankheitsverläufen assoziiert, da Schadstoffe die Atemwegsabwehr beeinträchtigen können [162].

Surveillance-Systeme und Verbesserungspotenziale

Da Bronchiolitis in den USA keine meldepflichtige Erkrankung ist, erfolgt die Überwachung indirekt über Systeme, die RSV und andere Atemwegsviren erfassen. Das wichtigste System ist das Respiratory Virus Hospitalization Surveillance Network (RESP-NET), das laborbestätigte RSV-, Influenza- und hMPV-Hospitalisierungen erfasst [10]. Weitere Instrumente umfassen das National Respiratory and Enteric Virus Surveillance System (NREVSS) für laborgestützte Daten und das CDC Respiratory Virus Activity Levels Dashboard für bundesweite Aktivitätsniveaus [164]. In Großbritannien überwacht die UK Health Security Agency (UKHSA) tägliche Notaufnahmen aufgrund von Bronchiolitis, um saisonale Baseline-Werte zu etablieren und Ausbrüche frühzeitig zu erkennen [165]. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) fördert die globale RSV-Überwachung über ihr Globales Influenza-Programm und nutzt bestehende Infrastrukturen, um auch in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen Daten zu sammeln [166].

Trotz dieser Systeme bestehen erhebliche Limitationen: Die fehlende standardisierte Falldefinition und inkonsistente Kodierung mittels ICD-10 führen zu Untererfassung und Fehlklassifizierung [167]. Zudem sind viele Systeme passiv und verursachen Verzögerungen von Wochen zwischen Erkrankung und Dateneingang, was die zeitnahe Reaktion erschwert [168]. Klinische, labor- und krankenhausbezogene Daten sind oft getrennt gespeichert, was ein umfassendes Bild der Krankheitslast verhindert.

Zur Verbesserung der Früherkennung und Reaktion auf Ausbrüche werden folgende Maßnahmen empfohlen: die Integration von Echtzeit-Daten aus digitalen Gesundheitsquellen wie elektronischen Gesundheitsakten und Internet-Suchanfragen [168], die Standardisierung klinischer und kodierter Daten [170], die Ausweitung der syndromalen Überwachung auf ambulante Einrichtungen [171] und die Anwendung statistischer Methoden wie der Moving Epidemic Method (MEM) zur Definition von Epidemieschwellen [172]. Eine globale Harmonisierung der Überwachungsprotokolle durch die WHO ist entscheidend, um weltweit vergleichbare und rechtzeitige Daten zu gewährleisten [173].

Ökonomische und gesellschaftliche Auswirkungen

Die Bronchiolitis verursacht eine erhebliche Belastung für Gesundheitssysteme weltweit, sowohl in Form direkter medizinischer Kosten als auch indirekter sozioökonomischer Folgen. Die jährlichen Krankenhauskosten für Bronchiolitis sind hoch, wobei die Behandlung eines einzelnen Patienten im Durchschnitt etwa 4.313 US-Dollar beträgt, wovon allein 2.847 US-Dollar auf Krankenhausaufenthalte entfallen [174]. Zusätzliche Kosten entstehen durch Arztbesuche (610 US-Dollar) und Notaufnahmen (562 US-Dollar). Besonders kostenintensiv sind Fälle, die einen Aufenthalt auf der Intensivstation oder gar eine mechanische Beatmung erfordern – hier können die Behandlungskosten um das 20-Fache höher liegen als bei unkomplizierten Fällen [175].

In den Vereinigten Staaten bleibt die Rate an Bronchiolitis-bedingten Krankenhausaufenthalten über Jahre hinweg hoch, insbesondere bei Säuglingen, was einen anhaltenden Druck auf die Infrastruktur von Kinderkrankenhäusern ausübt [176]. Ähnliche Trends sind auch in Ländern wie Kanada und Frankreich zu beobachten, wo Studien wie die EPIBREATHE-Studie (2016–2023) einen anhaltend hohen wirtschaftlichen Aufwand für RSV-bedingte Hospitalisierungen dokumentieren [177]. Die Zunahme von Intensivbehandlungen über die Zeit hat die finanzielle Belastung weiter verschärft [178].

Gesundheitliche Ungleichheiten und soziale Determinanten

Die Auswirkungen der Bronchiolitis sind nicht gleichmäßig verteilt. Sozioökonomische und demografische Faktoren spielen eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Gesundheitsungleichheiten. Kinder aus einkommensschwachen Haushalten und marginalisierten Gemeinschaften weisen höhere Hospitalisierungsraten und schwerere Krankheitsverläufe auf. Studien zeigen, dass Kinder aus sozial benachteiligten Gebieten ein erhöhtes Risiko für eine Bronchiolitis-Stationierung haben [179]. In den USA sind Minderheiten wie Afroamerikaner, Hispanics und amerikanische Ureinwohner überproportional betroffen, was auf strukturelle Ungerechtigkeiten im Zugang zur Gesundheitsversorgung hinweist [180]. Zudem haben Kinder aus diesen Gruppen oft geringere Chancen, diagnostische Tests zu erhalten, obwohl ihre Symptome ähnlich schwerwiegend sind [181].

Weitere Faktoren, die das Risiko erhöhen, sind suboptimale Wohnverhältnisse, Überbelegung, Passivrauchen und der Besuch von Kindertagesstätten, insbesondere in unterversorgten Gemeinden, wo Maßnahmen zur Infektionskontrolle möglicherweise unzureichend umgesetzt werden [182][183]. Auch geografische Unterschiede sind signifikant: In England variiert die Hospitalisierungsrate je nach Region um das 15-Fache, was sozioökonomische Gradienten und Unterschiede in der Gesundheitsversorgung widerspiegelt [184].

Wirkung von Präventionsstrategien auf die Kosteneffizienz

Emergierende präventive Strategien bieten vielversprechende Ansätze zur Reduzierung der wirtschaftlichen Belastung. Die Palivizumab-Prophylaxe, ein monoklonaler Antikörper für Hochrisikokinder wie Frühgeborene, senkt die RSV-bedingten Hospitalisierungen um bis zu 55 % [130]. Obwohl die Kosten pro Dosis hoch sind, kann Palivizumab in bestimmten Hochrisikogruppen kosteneffektiv sein, insbesondere wenn die verhinderten Krankenhausaufenthalte berücksichtigt werden [186].

Noch größeres Potenzial besitzt Nirsevimab, ein langwirksamer monoklonaler Antikörper, der mit einer einzigen Dosis Schutz über die gesamte RSV-Saison bietet. Studien zeigen eine um etwa 80 % reduzierte Inanspruchnahme medizinischer Leistungen und eine 78 % geringere Hospitalisierungsrate [187]. Kosteneffizienzmodelle deuten darauf hin, dass Nirsevimab in vielen Szenarien sogar kostenwirksam oder gar kostenreduzierend sein kann. Eine Analyse in Italien prognostizierte erhebliche Einsparungen durch universelle Immunisierung [188], und eine kanadische Modellierung bestätigte die Kosteneffektivität unter Berücksichtigung von Herdimmunität [189].

Ebenso wirksam ist die mütterliche RSV-Impfung, bei der während der Schwangerschaft Antikörper über die Plazenta auf das Neugeborene übertragen werden. Eine Impfung mit dem RSVpreF-Impfstoff (z. B. Abrysvo) kann das Risiko einer RSV-bedingten Atemwegserkrankung im ersten Lebenshalbjahr um etwa 68 % senken [134]. Ökonomische Bewertungen zeigen, dass diese Strategie insbesondere bei hoher Wirksamkeit und Impfquote wirtschaftlich vorteilhaft sein kann [191].

Verbesserung der Versorgungsqualität und Ressourcennutzung

Neben präventiven Maßnahmen trägt die Einhaltung evidenzbasierter Behandlungsleitlinien zur Kosteneffizienz bei. Die Vermeidung ineffektiver Therapien wie Bronchodilatatoren oder Kortikosteroide reduziert unnötige Eingriffe, Krankenhausaufenthalte und Gesundheitsausgaben [192][193]. Multizentrische Qualitätsverbesserungsprogramme konnten die Adhärenz zu Leitlinien erhöhen und die Inanspruchnahme nicht empfohlener Maßnahmen signifikant senken [194].

In Niedrig- und Mittel­einkommensländern, wo der RSV-bedingte Krankheits­schweregrad am höchsten ist, könnten selbst preisgünstige präventive Strategien erhebliche gesundheitliche und wirtschaftliche Vorteile bringen [195]. Um dies zu erreichen, sind jedoch globale Finanzierungsmechanismen wie Gavi, the Vaccine Alliance und differenzierte Preismodelle notwendig, um den Zugang zu verbessern [137].

Zusammenfassend stellt die Bronchiolitis eine erhebliche ökonomische und gesellschaftliche Herausforderung dar, die durch hohe medizinische Kosten und soziale Ungleichheiten geprägt ist. Durch den strategischen Einsatz wirksamer präventiver Maßnahmen wie Nirsevimab und mütterliche Impfung sowie die Optimierung der Versorgungsqualität lässt sich die Belastung für Gesundheitssysteme und Familien erheblich verringern. Politische Maßnahmen, die auf Gleichheit, Risikostratifizierung und evidenzbasierte Leitlinien setzen, sind entscheidend, um die Krankheitslast langfristig zu reduzieren.

Referenzen