Navient ist ein US-amerikanisches Finanzdienstleistungsunternehmen, das ursprünglich als Teil der Student Loan Marketing Association (Sallie Mae) entstand und sich am 30. April 2014 als eigenständiges börsennotiertes Unternehmen unter dem Namen Navient Corporation abspaltete [1]. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Herndon, Virginia war jahrzehntelang einer der größten Studienkredit-Servicer in den Vereinigten Staaten und verantwortete die Abwicklung sowohl von bundesstaatlichen als auch privaten Studienkrediten für Millionen von Schülern und Studierenden [2]. Zu den Kernleistungen gehörten die Verwaltung von Rückzahlungsplänen, die Erbringung von Kundenservice, die Abwicklung von Stundung und Forbearance, sowie die Unterstützung bei Programmen wie der Einkommensabhängigen Rückzahlung (IDR) und der Public Service Loan Forgiveness (PSLF). Allerdings hat sich die Rolle von Navient erheblich verändert: Im September 2024 verhängte das Consumer Financial Protection Bureau (CFPB) ein dauerhaftes Verbot gegen die Abwicklung von bundesstaatlichen Studienkrediten aufgrund systemischer Versäumnisse und verlangte die Zahlung von 120 Millionen US-Dollar an Bußgeldern und Entschädigungen [3]. Daraufhin übertrug Navient seinen verbleibenden bundesstaatlichen Kreditbestand an die Missouri Higher Education Loan Authority (MOHELA) am 21. Oktober 2024 [4]. Seitdem konzentriert sich das Unternehmen auf die Abwicklung privater Kredite, Asset Management, Inkasso und Business Process Outsourcing in den Bereichen Bildung, Gesundheitswesen und öffentlicher Sektor [5]. Die umfassenden rechtlichen Auseinandersetzungen, darunter eine 1,85-Milliarden-Dollar-Schadensersatzvereinbarung mit mehreren Bundesstaaten im Jahr 2022 [6], sowie die strukturellen Schwächen im US-Studienfinanzierungssystem haben Navient zu einem Symbol für die Herausforderungen und Missstände im Bereich der Studienkreditvergabe und -abwicklung gemacht.

Gründung und Abspaltung von Sallie Mae

Navient entstand aus der strategischen Umstrukturierung von Sallie Mae, einem der führenden Akteure im US-amerikanischen Studienfinanzierungssystem. Ursprünglich als Teil der Student Loan Marketing Association bekannt, wurde Sallie Mae 1972 als staatlich unterstütztes Unternehmen (Government-Sponsored Enterprise, GSE) gegründet, um die Vergabe von Studienkrediten durch private Institute zu erleichtern, die vom Bundesstaat garantiert wurden [7]. Über Jahrzehnte hinweg spielte Sallie Mae eine zentrale Rolle im Federal Family Education Loan Program (FFELP), das es privaten Kreditgebern ermöglichte, staatlich subventionierte Studienkredite zu vergeben [8].

Die entscheidende Wende kam mit dem Health Care and Education Reconciliation Act von 2010, der das FFELP beendete und stattdessen das Direktkreditprogramm (Direct Loan Program) des US-Bildungsministeriums zur einzigen Quelle für neue bundesgeförderte Studienkredite machte [8]. Diese politische Entscheidung entzog privaten Kreditgebern wie Sallie Mae die Möglichkeit, neue staatlich garantierte Kredite zu vergeben, und zwang das Unternehmen, sein Geschäftsmodell grundlegend neu auszurichten.

Als Reaktion auf diese tiefgreifende Veränderung beschloss Sallie Mae, sich im Jahr 2014 in zwei unabhängige, börsennotierte Unternehmen aufzuteilen, um die jeweiligen Geschäftsaktivitäten besser fokussieren zu können [10]. Am 30. April 2014 wurde Navient Corporation offiziell als eigenständige Gesellschaft abgespalten, wobei die formale Trennung am 1. Mai 2014 wirksam wurde [11]. Navient übernahm die Verantwortung für das Kreditmanagement, die Abwicklung (Servicing) und das Inkasso sowohl von bestehenden FFELP-Krediten als auch von neuen Bundeskrediten, die im Rahmen des Direktkreditprogramms verwaltet wurden [12]. Das Unternehmen startete mit einem Kreditvolumen von fast 300 Milliarden US-Dollar und betreute rund 12 Millionen Kunden [12]. Es begann, an der NASDAQ unter dem Börsensymbol „NAVI“ zu handeln [14].

Strategische Neuausrichtung und Namensgebung

Die Abspaltung ermöglichte eine klare Trennung der Geschäftsbereiche: Während Navient sich vollständig auf die Abwicklung von Bundes- und Privatkrediten sowie auf Asset Recovery spezialisierte, konzentrierte sich das neu strukturierte Sallie Mae auf die Vergabe und Abwicklung von privaten Bildungskrediten und expandierte in den Bereich des Konsumentenbankwesens, darunter Sparprodukte und Kreditkarten [15]. Der Name „Navient“ selbst leitet sich aus den Wörtern „Navigation“ und „Einkommen“ ab und unterstreicht die ursprüngliche Mission des Unternehmens, Schülern und Studierenden bei der Navigation durch komplexe Rückzahlungsprozesse zu helfen, insbesondere durch Programme wie die Einkommensabhängige Rückzahlung (IDR) [15].

Diese Unternehmensspaltung war somit eine direkte Reaktion auf die Verlagerung der US-Regierungspolitik hin zum Direktkreditprogramm. Indem Sallie Mae seine bundesbezogenen Abwicklungsaktivitäten in die neue Gesellschaft Navient ausgliederte, konnte es sich erfolgreich auf ein profitableres Geschäftsmodell im privaten Kreditsektor konzentrieren, während Navient die komplexe Aufgabe übernahm, die bestehenden und neuen Bundeskreditportfolios zu verwalten und Millionen von Schülern und Studierenden bei der Rückzahlung zu unterstützen [17]. Diese Neuausrichtung markierte den Beginn einer neuen Ära im US-Studienkreditwesen und formte die Rolle von Navient als einen der größten und einflussreichsten Kreditinstitute im Bereich der Bildungsfinanzierung.

Rolle im Bundes-Studienkredit-System

Navient spielte über ein Jahrzehnt eine zentrale Rolle im US-Bundes-Studienkredit-System, indem es als einer der größten Kreditinstitute für bundesstaatliche Studienkredite fungierte. Ursprünglich als Teil der Student Loan Marketing Association (Sallie Mae) entstanden, übernahm Navient nach seiner Abspaltung im Jahr 2014 die Verantwortung für die Abwicklung sowohl von Krediten des Federal Family Education Loan Program (FFELP) als auch von neu ausgereichten Bundesdarlehen im Rahmen des Direktkreditprogramms des US-Bildungsministeriums [1]. Zu den Hauptaufgaben gehörten die Verwaltung von Rückzahlungsplänen, die Erbringung von Kundenservice, die Bearbeitung von Stundung und Forbearance, sowie die Unterstützung bei Programmen wie der Einkommensabhängigen Rückzahlung (IDR) und der Public Service Loan Forgiveness (PSLF) [12].

Historische Verantwortung und Vertragsrahmen

Navient wurde 2014 offiziell als eigenständiges Unternehmen gegründet, nachdem Sallie Mae beschlossen hatte, seine Geschäftsbereiche aufzuteilen: Während Sallie Mae sich fortan auf die Vergabe privater Kredite und Bankgeschäfte konzentrierte, übernahm Navient die Abwicklung bestehender Bundeskredite sowie neue Verträge zur Betreuung von Direktkrediten im Auftrag des US-Bildungsministeriums [20]. Zu den zentralen vertraglichen Verpflichtungen gehörten die korrekte Anwendung von Zahlungen, die proaktive Beratung über geeignete Rückzahlungsoptionen, die Vermeidung von Kreditverzug und die Unterstützung bei der Konsolidierung und Schuldenregulierung [21]. Navient verwaltete zeitweise Kreditportfolios für Millionen von Studierenden und war für die korrekte Meldung an die Kreditauskunfteien verantwortlich [22].

Systemische Versäumnisse und regulatorische Maßnahmen

Trotz dieser Verantwortung zeigten Untersuchungen des Consumer Financial Protection Bureau (CFPB) und anderer Aufsichtsbehörden wiederholt gravierende systemische Versäumnisse in der Kreditabwicklung durch Navient. Besonders kritisiert wurde, dass das Unternehmen zahlreiche finanzschwache Schuldner systematisch in langfristige Forbearance gelenkt hatte, anstatt sie über günstigere Optionen wie die Einkommensabhängige Rückzahlung zu informieren. Diese Praxis führte zu höheren Zinslasten, einer Erhöhung der Gesamtschuld und verzögerte Fortschritte hin zur Schuldenerlass [3]. Zudem wurden Fehler bei der Bearbeitung von Anträgen auf Public Service Loan Forgiveness (PSLF) dokumentiert, was vielen Beschäftigten im öffentlichen Dienst, darunter Lehrer und Pflegekräfte, die zugesicherte Entschuldung verwehrte [24].

Diese Praktiken verstießen gegen die Consumer Financial Protection Act und die Fair Credit Reporting Act, da sie als irreführend, unfair und missbräuchlich eingestuft wurden. Der CFPB warf Navient vor, falsche Informationen zu verbreiten, Zahlungen falsch zuzuordnen und die Rechte von Schülern mit Behinderungen bei der Beantragung von Behinderungsbedingte Entlassung zu missachten [25]. Diese systemischen Versäumnisse führten schließlich im September 2024 zu einer wegweisenden Entscheidung des CFPB, Navient für immer von der Abwicklung von Bundeskrediten auszuschließen und das Unternehmen zur Zahlung von 120 Millionen US-Dollar an Bußgeldern und Entschädigungen zu verpflichten [3].

Vergleich mit anderen Kreditabwicklern und Leistungsbewertung

Im Vergleich zu anderen großen Bundeskreditabwicklern wie Great Lakes, Nelnet oder Aidvantage schnitt Navient in Bezug auf Kundenzufriedenheit und Compliance schlechter ab. Während Navient in der Default Prevention teilweise bessere Ergebnisse vorweisen konnte – so war die Wahrscheinlichkeit, dass seine Kunden in Verzug gerieten, um 37 % geringer – wurden diese Erfolge durch gravierende Mängel in der Kundenkommunikation und der Einhaltung von Rückzahlungsprogrammen überlagert [27]. Navient erhielt eine der höchsten Beschwerdequoten in der Branche, wobei häufig über falsch verbuchte Zahlungen, unzureichende Kommunikation und ungenaue Kreditberichte geklagt wurde [28]. Im Gegensatz zu anderen Servicern, die trotz Kritik weiterhin tätig blieben, wurde Navient aufgrund der Schwere und Systematik seiner Verfehlungen endgültig aus dem Bundesabwicklungssystem ausgeschlossen, was seine einzigartige Stellung als problematischster Akteur unterstreicht [29].

Übergang zu MOHELA und Ende der Bundesabwicklung

Der endgültige Rückzug Navients aus dem Bundeskreditgeschäft wurde durch mehrere Schritte eingeleitet. Bereits 2021 entschied das US-Bildungsministerium, Navients Vertrag nicht zu verlängern, was den Beginn eines schrittweisen Übergangs markierte [30]. Der vollständige Transfer des verbleibenden Bundeskreditbestands erfolgte am 21. Oktober 2024 an die Missouri Higher Education Loan Authority (MOHELA), eine gemeinnützige Organisation, die seitdem für die weitere Betreuung der ehemaligen Navient-Kunden verantwortlich ist [4]. Dieser Übergang war Teil einer umfassenderen Umstrukturierung des Bundesabwicklungssystems, die auf mehr Transparenz, Verantwortlichkeit und bessere Ergebnisse für Schuldner abzielt. Mit dem Ende der Bundesabwicklung konzentriert sich Navient nun ausschließlich auf die Abwicklung privater Kredite, Forderungseinzug und Business Process Outsourcing im Bildungs- und Gesundheitssektor [5].

Abwicklung privater Studienkredite und aktuelle Geschäftsfelder

Navient konzentriert sich seit Ende 2024 ausschließlich auf die Abwicklung privater Studienkredite, nachdem das Unternehmen durch eine Anordnung des Consumer Financial Protection Bureau (CFPB) dauerhaft von der Abwicklung bundesstaatlicher Studienkredite ausgeschlossen wurde [3]. Diese regulatorische Maßnahme markiert einen tiefgreifenden Wandel in der Geschäftsstrategie des Unternehmens, das nun seine Aktivitäten auf private Kreditportfolios, Asset Management, Inkasso und Business Process Outsourcing (BPO) beschränkt. Obwohl Navient weiterhin private Studienkredite abwickelt, die es selbst besitzt oder im Auftrag anderer Gläubiger verwaltet, hat sich die öffentliche Wahrnehmung des Unternehmens durch wiederholte rechtliche Auseinandersetzungen und strukturelle Vorwürfe erheblich verschlechtert [34].

Abwicklung privater Studienkredite

Navient bleibt einer der führenden Dienstleister im Bereich der privaten Studienkreditabwicklung, wobei es sowohl Kredite verwaltet, die ursprünglich von der Vorgängerorganisation Sallie Mae vergeben wurden, als auch solche, die im Rahmen der eigenen Kreditprogramme vergeben wurden. Im Gegensatz zu bundesstaatlichen Krediten unterliegen private Kredite nicht denselben Schutzmechanismen wie Einkommensabhängige Rückzahlung (IDR) oder Public Service Loan Forgiveness (PSLF). Stattdessen bietet Navient standardisierte Rückzahlungspläne wie den Standard-Rückzahlungsplan, Stundung oder Forbearance-Optionen, die jedoch nicht die gleichen Schutzfunktionen bieten wie staatliche Programme [35].

Ein besonderes Merkmal der aktuellen Geschäftsstrategie ist die Einführung von Entlastungsprogrammen für bestimmte Kreditnehmer, die von irreführenden Praktiken betroffen waren. So hat Navient im Rahmen eines Vergleichs mit mehreren Bundesstaaten im Jahr 2022 zugestimmt, etwa 66.000 Kreditnehmern rund 1,7 Milliarden US-Dollar an privaten Studienkrediten zu erlassen, die als ausbeuterisch oder irreführend eingestuft wurden [36]. Darüber hinaus bietet das Unternehmen spezielle Entlassungsprogramme wie die School Misconduct Discharge für Kreditnehmer an, die Bildungseinrichtungen besucht haben, die wegen systematischer Fehlverhalten angeklagt wurden, insbesondere im Bereich der for-profit education [37].

Inkasso und Management notleidender Kredite

Ein weiterer Schwerpunkt von Navient ist das Management notleidender Kredite und das Inkasso von ausstehenden Forderungen, sowohl im privaten als auch im ehemaligen bundesstaatlichen Bereich. Obwohl das Unternehmen nicht mehr aktiv für die Bundesregierung tätig ist, verfügt es über umfangreiche Erfahrung im Umgang mit Default-Verhinderung, Kreditwiedereintreibung und der Verwaltung von Kreditrückzahlungsprogrammen. Diese Expertise wird nun verstärkt in den privaten Sektor übertragen, wo die Risiken höher sind und die Regulierung weniger strikt ist als im öffentlichen Bereich [38].

Navient setzt dabei auf datengestützte Ansätze und Risk Management-Modelle, um Zahlungsausfälle vorherzusagen und gezielte Maßnahmen zur Schuldnerbetreuung einzuleiten. Allerdings wurden in der Vergangenheit Vorwürfe erhoben, dass das Unternehmen Kreditnehmer systematisch in wiederholte Forbearance-Phasen geleitet hat, um kurzfristige Zahlungsausfälle zu vermeiden, was langfristig zu einer höheren Verschuldung durch Zinseszinsen führte [25]. Diese Praxis trug wesentlich zu den regulatorischen Sanktionen bei und bleibt ein kritisches Thema in der Diskussion um die Verantwortung von Kreditgebern.

Business Process Outsourcing und Technologieinfrastruktur

Neben der Kreditabwicklung hat Navient seine Aktivitäten auf den Bereich Business Process Outsourcing (BPO) ausgeweitet, wobei es technologiebasierte Dienstleistungen für Kunden aus dem Bildungswesen, dem Gesundheitswesen und dem öffentlichen Sektor anbietet [5]. Diese Dienstleistungen umfassen die Verwaltung von Forderungen, Kundenservice-Plattformen und datenbasierte Analyse-Tools, die auf der internen Technologieplattform des Unternehmens basieren. Diese Plattform nutzt Datenanalyse und Automatisierung, um Prozesse zu optimieren und die Effizienz zu steigern, insbesondere im Umgang mit großen Kundendatenmengen [41].

Ein Beispiel für die Anwendung dieser Technologien ist die proaktive Kommunikation mit Kreditnehmern, die auf individuellen Zahlungsverhalten und finanziellen Risikoprofilen basiert. Obwohl diese Systeme ursprünglich auch für die Abwicklung staatlicher Programme wie Einkommensabhängige Rückzahlung und Public Service Loan Forgiveness eingesetzt wurden, wurden sie nach dem Ausstieg aus dem Bundesgeschäft auf die privaten und inkassobezogenen Geschäftsfelder umgestellt [42].

Strategische Neuausrichtung und Zukunftsperspektiven

Die strategische Neuausrichtung von Navient umfasst auch die Auslagerung bestimmter Geschäftsbereiche und die Umstellung auf ein variableres Kostenmodell, um die betriebliche Flexibilität zu erhöhen. Im Rahmen dieser Maßnahmen hat das Unternehmen seine ehemaligen bundesstaatlichen Portfolios an die Missouri Higher Education Loan Authority (MOHELA) übertragen, was den endgültigen Rückzug aus dem öffentlichen Sektor markiert [4]. Diese Entscheidung war nicht freiwillig, sondern das Ergebnis jahrelanger regulatorischer Prüfungen, Klagen und Sanktionen, die auf systemische Versäumnisse in der Kundenbetreuung, der Zahlungsverarbeitung und der Kommunikation mit Kreditnehmern hinwiesen [3].

Trotz der erheblichen Beeinträchtigungen des Unternehmensrufs bleibt Navient finanziell stabil. Ratingagenturen wie Fitch Ratings haben die Bonitätsbewertungen des Unternehmens nach den Vergleichen nicht herabgestuft, da die finanziellen Auswirkungen im erwarteten Rahmen lagen [45]. Langfristig hängt die Zukunft von Navient jedoch davon ab, ob es in der Lage ist, seine Dienstleistungen im privaten und inkassobezogenen Bereich transparent, fair und im Einklang mit den Verbraucherschutzstandards anzubieten – eine Herausforderung, die durch die Vergangenheit des Unternehmens besonders groß ist.

Rechtliche und regulatorische Auseinandersetzungen

Navient war Ziel umfassender rechtlicher und regulatorischer Maßnahmen, die systematische Versäumnisse in der Abwicklung von Bundes- und Privatkrediten offenbarten. Diese Auseinandersetzungen, angeführt von der Consumer Financial Protection Bureau (CFPB) und einer Koalition von Bundesstaaten, resultierten in massiven finanziellen Sanktionen, einem dauerhaften Verbot der Abwicklung von Bundeskrediten und der endgültigen Übertragung seines Portfolios an andere Dienstleister. Die Vorwürfe reichten von irreführenden Beratungen bis hin zu strukturellen Konflikten von Interessen, die besonders verletzliche Schuldner betrafen.

CFPB-Verbot und 120-Millionen-Dollar-Strafe (2024)

Im September 2024 verhängte das Consumer Financial Protection Bureau (CFPB) ein dauerhaftes Verbot gegen Navient, das Unternehmen von der Abwicklung von Bundesstudienkrediten auszuschließen [3]. Diese historische Maßnahme war die Folge einer jahrelangen Untersuchung, die systematische Fehlverhalten aufdeckte. Navient wurde verpflichtet, 120 Millionen US-Dollar zu zahlen, bestehend aus 60 Millionen Dollar an Schadensersatz für betroffene Schuldner und 60 Millionen Dollar an Geldstrafen [47]. Die CFPB beschuldigte Navient, Schuldner gezielt in langfristige Stundung (Forbearance) zu lenken, anstatt sie über einkommensabhängige Rückzahlungspläne (Einkommensabhängige Rückzahlung) zu informieren, was zu höheren Zinsen und einer Erhöhung der Schuldenlast führte. Weitere Vorwürfe umfassten die Fehlverwendung von Zahlungen, irreführende Informationen über Rückzahlungsoptionen und die Behinderung des Zugangs zu Programmen wie der Public Service Loan Forgiveness (PSLF) [48]. Dieses Verbot markierte das endgültige Ende der Rolle von Navient im Bundeskredit-Abwicklungssystem.

1,85-Milliarden-Dollar-Vergleich mit Bundesstaaten (2022)

Bereits im Januar 2022 einigte sich Navient auf einen Vergleich in Höhe von 1,85 Milliarden US-Dollar mit einer Koalition aus 39 Bundesstaaten und dem District of Columbia [6]. Der Vergleich beendete Ermittlungen wegen anmaßender Kreditvergabepolitik und irreführender Abwicklungspraktiken. Als Teil der Einigung stimmte Navient zu, rund 1,7 Milliarden US-Dollar an privaten Studienkrediten für etwa 66.000 Schuldner zu erlassen, die zwischen 2009 und 2020 in langfristige Stundung gebracht worden waren [36]. Zusätzlich zahlte das Unternehmen 95 Millionen US-Dollar an Schadensersatz an Bundeskreditnehmer, die aufgrund der Praktiken von Navient in Stundung geraten waren, anstatt in einkommensabhängige Rückzahlungspläne eingeschrieben zu werden. Dieser Vergleich war einer der größten in der Geschichte des Verbraucherschutzes und unterstrich die umfassenden Schäden, die durch die Geschäftspraktiken des Unternehmens entstanden waren.

Weitere rechtliche und regulatorische Maßnahmen

Neben den Hauptmaßnahmen der CFPB und der Bundesstaaten gab es weitere bedeutende rechtliche Auseinandersetzungen. Im Jahr 2023 einigte sich Navient auf eine Zahlung von 198 Millionen US-Dollar, um Ansprüche zu regeln, die sich aus dem falschen Umgang mit Studienkrediten in Insolvenzverfahren ergaben, einschließlich des Versäumnisses, Kredite gemäß Gerichtsbeschlüssen zu erlassen [51]. Zudem blieben einige Klagen weiterhin anhängig, darunter Ansprüche wegen der falschen Zertifizierung von Krediten im Zusammenhang mit angeblich betrügerischen Schulen und der fehlerhaften Zuweisung von Zahlungen [52]. Diese fortlaufenden rechtlichen Probleme untermauerten die Ansicht, dass die Probleme von Navient struktureller Natur waren und nicht auf isolierte Vorfälle zurückzuführen waren.

Systematische Versäumnisse und Diskrepanzen bei der Abwicklung

Die rechtlichen Maßnahmen offenbarten ein Muster systematischer Versäumnisse, das über die Einzelfälle hinausging. Navient wurde vorgeworfen, seine Position als sowohl Bundes- als auch Privatkreditdienstleister ausgenutzt zu haben, was zu einem Interessenkonflikt führte [3]. Indem Schuldner in Stundung gehalten wurden, anstatt sie in einkommensabhängige Pläne einzuschreiben, erhöhte sich ihre langfristige Schuldenlast und das Risiko des Zahlungsausfalls, was Navient die Möglichkeit gab, sie später für eine teurere private Refinanzierung zu gewinnen. Studien zeigten, dass zwei Drittel der von Navient betreuten Schuldner, die in einkommensabhängige Rückzahlungspläne eingeschrieben waren, während der Pandemiezahlungspause „unter Wasser“ waren, was bedeutet, dass ihre Kreditbeträge trotz Zahlungen gestiegen waren [54]. Dies deutete auf ein systematisches Versagen bei der genauen Kontoführung und Kommunikation hin. Im Vergleich zu anderen Bundeskreditdienstleistern wie MOHELA oder Nelnet wies Navient konsistent die höchste Beschwerdequote und die schlechtesten Leistungswerte auf, was zu seiner endgültigen Aussonderung aus dem Bundesabwicklungssystem führte [29].

Auswirkungen auf die Branche und zukünftige Reformen

Die rechtlichen Auseinandersetzungen mit Navient haben weitreichende Auswirkungen auf die gesamte Branche der Studienkreditabwicklung. Sie haben als Präzedenzfall dafür gedient, dass regulatorische Behörden wie die CFPB bereit sind, strukturelle Sanktionen wie das vollständige Verbot eines Dienstleisters zu verhängen, wenn systematische Missstände nachgewiesen werden [56]. Dies hat die Erwartungen an die Verantwortlichkeit und Transparenz von Kreditdienstleistern erhöht. Die Fälle haben zudem die strukturellen Schwächen im US-Studienfinanzierungssystem beleuchtet, insbesondere die Komplexität der Rückzahlungs- und Erlassprogramme und das Fehlen einheitlicher, durchsetzbarer Leistungsstandards für Dienstleister [57]. Als Reaktion darauf wurden Vorschläge für Reformen wie die Vereinfachung der einkommensabhängigen Rückzahlungspläne, die Einführung eines automatischen Eintritts in solche Pläne und die Stärkung der Aufsichtsmechanismen durch den US Department of Education diskutiert, um sicherzustellen, dass zukünftige Dienstleister im besten Interesse der Schuldner handeln und nicht auf Kosten ihrer finanziellen Stabilität profitieren.

Auswirkungen auf Schuldner und soziale Ungleichheit

Die Praktiken von Navient als einer der größten Studienkredit-Servicer in den Vereinigten Staaten haben tiefgreifende Auswirkungen auf Schuldner und haben bestehende soziale und wirtschaftliche Ungleichheiten verschärft. Systematische Versäumnisse im Kundenservice, irreführende Beratung und strukturelle Konflikte zwischen Gewinnorientierung und öffentlicher Verantwortung führten zu langfristigen finanziellen Schäden, insbesondere für einkommensschwache Schuldner und Schuldner of Color. Die vom Consumer Financial Protection Bureau (CFPB) dokumentierten Praktiken zeigen, dass Navient systematisch Schuldner in teure Forbearance-Phasen lenkte, anstatt sie für einkommensabhängige Rückzahlungspläne (Einkommensabhängige Rückzahlung, IDR) anzumelden, die ihre monatlichen Zahlungen erheblich gesenkt hätten [3]. Dieses Vorgehen führte zu einer Kapitalisierung von Zinsen, erhöhte die Gesamtschuldenlast und verlängerte die Rückzahlungszeiten – mit besonders schwerwiegenden Folgen für Schuldner, die bereits unter finanzieller Belastung litten.

Verzögerter Vermögensaufbau und Lebensplanung

Empirische Studien belegen, dass die Servicemängel von Navient direkt mit verzögerter Vermögensbildung und verpassten Lebensentscheidungen verbunden sind. Eine Untersuchung des Urban Institute zeigte, dass Studienkredite, insbesondere bei fehlerhafter Abwicklung, den Erwerb von Immobilien erheblich verzögern, wobei Schwarze und hispanische Schuldner überproportional betroffen sind [59]. Die durch falsch verbuchte Zahlungen, inkorrekte Kreditberichterstattung und unnötige Verzugszinsen verursachten Schäden beeinträchtigten die Kreditwürdigkeit der Betroffenen, was sie von Hypothekendarlehen ausschloss. Eine Umfrage des CFPB ergab, dass über 60 % der Schuldner mit Rückzahlungsschwierigkeiten aufgrund ihrer Kreditlast wichtige Lebensentscheidungen wie den Kauf einer Immobilie verschoben [60]. Dies untergräbt die Funktion der Hochschulbildung als Motor der sozialen Mobilität und verstärkt die bestehende Vermögenslücke zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen.

Diskriminierende Auswirkungen auf Schuldner of Color

Die Auswirkungen von Navients Fehlverhalten waren nicht gleichmäßig verteilt. Daten belegen, dass schwarze Absolventen dreimal so häufig in Verzug geraten wie weiße Absolventen – 30 % gegenüber 10 % – trotz ähnlicher Kredithöhen [61]. Navient versäumte es systematisch, schwarze und hispanische Schuldner über ihre Ansprüche auf IDR-Pläne oder die Public Service Loan Forgiveness (PSLF) zu informieren, obwohl diese Gruppen aufgrund niedrigerer Einkommen besonders von diesen Programmen profitieren würden. Eine Analyse des Center for Responsible Lending und des National Consumer Law Center (NCLC) ergab, dass fast zwei Drittel der Navient-Kunden, die während der pandemiebedingten Zahlungspause freiwillige Zahlungen leisteten, „unter Wasser“ waren, d. h. ihr Kreditstand stieg trotz Zahlungen an [62]. Dieser Zustand negativer Amortisation trat überproportional bei einkommensschwachen und farbigen Schuldner auf und führte zu einem Gefühl der finanziellen Verzweiflung und Hilflosigkeit.

Psychische Belastung und gesundheitliche Folgen

Die psychische Belastung durch Studienkredite ist erheblich und wurde durch die Praktiken von Navient verschärft. Eine Umfrage von Student Loan Planner ergab, dass 78,7 % der Schuldner aufgrund ihrer Kredite Angstzustände erleben, wobei jeder sechzehnte an Suizidgedanken litt [63]. Diese psychische Belastung wird durch Servicer-Missstände wie mangelnde Kommunikation, falsch verbuchte Zahlungen und die Verweigerung von Ansprüchen weiter verschärft. Die systematischen Fehler von Navient, die zu unerwarteten Zahlungserhöhungen und drohenden Verzugsstatus führten, trugen erheblich zu Stress, Depressionen und einem Gefühl der Ohnmacht bei. Die psychische Gesundheit ist ein wesentlicher Bestandteil des allgemeinen Wohlbefindens, und die Verschuldung durch Studienkredite stellt daher einen sozialen Determinanten der Gesundheit dar [64].

Strukturelle Konflikte und systemische Versäumnisse

Navients Rolle als gleichzeitiger Servicer für bundesstaatliche und privater Kredite schuf inhärente Interessenkonflikte. Das Unternehmen hatte einen finanziellen Anreiz, Schuldner von erschwinglichen, staatlich garantierten IDR-Plänen abzubringen und sie stattdessen in teure Forbearance-Phasen zu lenken, die die Gesamtzinslast erhöhten, oder sie zu privaten Refinanzierungen zu drängen, die höhere Zinssätze und weniger Verbraucherschutz boten [65]. Dieses Geschäftsmodell begünstigte kurzfristige Gewinne auf Kosten der langfristigen finanziellen Gesundheit der Schuldner. Der Ausschluss von Navient aus dem bundesstaatlichen Servicing-Markt durch das CFPB im Jahr 2024 markiert nicht nur den Fall eines einzelnen Unternehmens, sondern offenbart tiefliegende strukturelle Mängel im US-Studienfinanzierungssystem, in dem private, gewinnorientierte Unternehmen kritische öffentliche Funktionen übernehmen, ohne ausreichende Aufsicht und Haftung [66]. Die Übertragung des Bestands an die Missouri Higher Education Loan Authority (MOHELA) war ein Schritt zur Verbesserung, doch Berichte über ähnliche Probleme bei MOHELA deuten darauf hin, dass das Problem systemisch ist und eine grundlegende Reform des gesamten Servicemodells erfordert [67]. Eine Umstellung auf ein öffentliches, nicht gewinnorientiertes Servicemodell könnte diese Konflikte beseitigen und sicherstellen, dass die Interessen der Schuldner im Mittelpunkt stehen.

Technologische Infrastruktur und Servicequalität

Die technologische Infrastruktur von Navient spielte eine zentrale Rolle bei der Verwaltung von Bundes- und Privatkrediten, bis das Unternehmen 2024 aus dem Bundeskreditgeschäft ausgeschlossen wurde. Ursprünglich setzte Navient auf proprietäre Servicing-Plattformen, interne Verwaltungssysteme und datengetriebene Analysetools, um die Kontoabwicklung, die Anmeldung zu Rückzahlungsplänen und die Compliance-Berichterstattung zu automatisieren [68]. Diese Systeme ermöglichten eine weitgehend automatisierte Kommunikation mit Millionen von Schülern und Studierenden, darunter über 200 jährliche Mitteilungen pro Kreditnehmer, um Zahlungserinnerungen, Statusaktualisierungen und Warnungen vor bevorstehenden Zahlungen zu versenden Kommunikationstechnologie.

Zu den Kernkomponenten der Infrastruktur gehörten automatisierte Prozesse zur Einkommensre-Zertifizierung, proaktive Ansprache von Kreditnehmern, die von Zahlungsschwierigkeiten bedroht waren, sowie analytische Modelle zur Identifizierung von Zahlungsausfällen oder Zahlungsverzug. Navient betonte, dass diese datenbasierten Ansätze zur Senkung der Zahlungsausfallraten beigetragen hätten – im Jahr 2019 wurde berichtet, dass von Navient betreute Kreditnehmer um 37 % weniger zahlungsunfähig waren als bei anderen Servicern Risikomanagement [27]. Darüber hinaus nahm das Unternehmen an Initiativen zur Verbesserung der Transparenz bei der Public Service Loan Forgiveness (PSLF) teil, darunter eine Vereinbarung mit der American Federation of Teachers, um die Aufklärung der Kreditnehmer über die Voraussetzungen für die Schuldenerlassung zu verbessern [70].

Trotz dieser technologischen Investitionen wurden systemische Mängel in der Umsetzung deutlich. Der Consumer Financial Protection Bureau (CFPB) stellte 2024 fest, dass Navient zwar über fortschrittliche Systeme verfügte, diese jedoch versagten, wenn es darum ging, qualifizierende Zahlungen für die PSLF korrekt zu verfolgen oder genaue Informationen über Rückzahlungsoptionen bereitzustellen [71]. Die Technologie wurde nicht genutzt, um Kreditnehmer proaktiv in einkommensabhängige Rückzahlungspläne (Einkommensabhängige Rückzahlung) zu integrieren, sondern stattdessen wurden Kreditnehmer häufig in teure Stundungen gelenkt, was zu höheren Zinsen und langfristigem Schuldenwachstum führte. Dies verdeutlicht eine Diskrepanz zwischen technologischer Kapazität und tatsächlicher Servicequalität.

Servicequalität und Kundenbetreuung im Vergleich

Die Servicequalität von Navient fiel im Vergleich zu anderen Bundeskreditservicern wie Great Lakes, Nelnet oder MOHELA deutlich ab. Während Great Lakes vor seiner Fusion mit Nelnet als einer der leistungsstärksten Servicer hinsichtlich Kundenservice und Zufriedenheit galt, wurde Navient wiederholt als einer der meistbeschwerdebehafteten Anbieter eingestuft [29]. Auf ConsumerAffairs erhielt Navient eine Bewertung von 1,0 von 5 Sternen, basierend auf 756 Bewertungen, wobei 100 % der Nutzer die niedrigste mögliche Punktzahl vergaben [28]. Typische Beschwerden betrafen falsch zugeordnete Zahlungen, unzureichende Kommunikation, unerreichbaren Kundenservice und falsche Meldungen an die Kreditwirtschaftsauskunfteien Kreditwirtschaftsauskunftei.

Der CFPB berichtete, dass Navient-Kunden im Durchschnitt 35 Minuten in der Warteschleife verbrachten, und stellte fest, dass die Mitarbeiter unterqualifiziert und unter Zeitdruck standen, was zu systematischen Fehlinformationen führte [74]. Im Gegensatz dazu bemühten sich andere Servicer wie Nelnet um eine höhere Genauigkeit bei der Bearbeitung von Anträgen auf PSLF-Zertifizierung und Rückzahlungsanpassungen. Auch MOHELA, das den Großteil der ehemaligen Navient-Konten übernahm, stand unter Kritik, insbesondere nach einer raschen Erweiterung seines Portfolios, was zu Abrechnungsfehlern und Verzögerungen bei der Schuldenerlassabwicklung führte [75]. Dennoch wurde Navient als einziger Servicer mit einem dauerhaften Verbot belegt, was seine systemischen Versäumnisse unterstreicht.

Technologische Anpassung und strategischer Wandel

Nach dem Verbot durch den CFPB im September 2024 wurde die technologische Infrastruktur von Navient nicht mehr für die Abwicklung von Bundeskrediten genutzt. Stattdessen erfolgte eine Migration der Systeme und Konten an Nachfolge-Servicer, vor allem an MOHELA und Aidvantage [4]. Dieser Übergang war Teil einer umfassenden strategischen Neuausrichtung, bei der Navient sich von der Bundesabwicklung zurückzog und sich auf die Abwicklung privater Kredite, das Inkasso und das Asset Management konzentrierte [77].

Die Technologie wurde nun nicht mehr für die direkte Bundesabwicklung eingesetzt, sondern für die Optimierung der verbleibenden Geschäftsbereiche, einschließlich Risikomodellierung, Inkassoeffizienz und digitale Kundenansprache. Navient implementierte einen variable-kostenbasierten Geschäftsmodellansatz, der auf Outsourcing und schlankeren Abläufen beruhte [78]. Diese Neuausrichtung markierte einen Paradigmenwechsel: weg von der öffentlichen Verantwortung als Bundeskreditservicer, hin zu einem marktorientierten Ansatz in den Bereichen privates Kreditwesen und Forderungsmanagement.

Die Geschichte von Navient unterstreicht, dass technologische Infrastruktur allein nicht ausreicht, um Servicequalität zu gewährleisten. Ohne ausreichende regulatorische Aufsicht, transparente Leistungskennzahlen und eine serviceorientierte Unternehmenskultur können selbst fortschrittliche Systeme zu systematischem Versagen führen – mit erheblichen Folgen für die finanzielle Stabilität und das Vertrauen von Millionen von Kreditnehmern Verbraucherschutz.

Übergang zu MOHELA und Ende der Bundesabwicklung

Der Übergang der bundesstaatlichen Studienkreditabwicklung von Navient an die Missouri Higher Education Loan Authority (MOHELA) im Jahr 2024 markiert das definitive Ende der Rolle von Navient als einer der größten Servicer im US-Studienfinanzierungssystem. Dieser Wandel war die direkte Folge umfassender regulatorischer Maßnahmen, die auf jahrelangen systemischen Versäumnissen im Umgang mit Studierenden basierten. Am 12. September 2024 verhängte das Consumer Financial Protection Bureau (CFPB) ein dauerhaftes Verbot gegen Navient, das Unternehmen von der Abwicklung bundesstaatlicher Studienkredite auszuschließen, und ordnete gleichzeitig die Zahlung von 120 Millionen US-Dollar an Bußgeldern und Entschädigungen an betroffene Schuldner an [3]. Diese Strafe war das Ergebnis einer langwierigen Untersuchung, die unter anderem vorwarf, dass Navient systematisch Schuldner in teure Stundung statt in einkommensabhängige Rückzahlpläne (IDR) gelenkt habe, was zu unnötigen Zinsbelastungen und erhöhten Verschuldungsrisiken führte [25].

Vollständige Übertragung des Kreditbestands an MOHELA

Am 21. Oktober 2024 wurde die Übertragung des verbleibenden bundesstaatlichen Kreditbestands von Navient an MOHELA abgeschlossen, wodurch das Unternehmen seine letzte operative Verbindung zur Abwicklung von Bundeskrediten trennte [4]. MOHELA, eine gemeinnützige Organisation, trat als neuer Servicer für rund 2,7 Millionen ehemalige Navient-Kunden auf und übernahm die Verantwortung für die Verwaltung von Rückzahlungsplänen, die Bearbeitung von Anträgen auf Einkommensabhängige Rückzahlung und die Umsetzung von Programmen wie der Public Service Loan Forgiveness (PSLF) [82]. Diese Übergangsphase wurde vom US-Bildungsministerium koordiniert, das im Jahr 2021 bereits entschieden hatte, Navients Vertrag nicht zu verlängern, aufgrund dokumentierter Leistungsschwächen und wiederholter Beschwerden von Schülern [30]. Die Entscheidung, den Bestand an MOHELA zu übertragen, war Teil einer breiteren Umstrukturierung des bundesstaatlichen Servicing-Ökosystems, die darauf abzielte, die Qualität und Rechenschaftspflicht der Servicer zu verbessern [84].

Auswirkungen auf Schuldner und die Servicing-Landschaft

Für die betroffenen Schuldner bedeutete der Übergang, dass ihre Konten nun unter der Verwaltung eines neuen Servicers standen, jedoch ohne Änderungen an den Konditionen oder Rückzahlungsplänen. Die Übertragung erfolgte nahtlos, und Schuldner wurden über die Änderung informiert, wobei MOHELA die Kommunikation und den Kundenservice übernahm [85]. Allerdings wurde MOHELA selbst nicht von Kritik verschont; nach der Übernahme häuften sich Beschwerden über Verzögerungen bei der Bearbeitung von PSLF-Anträgen, fehlerhafte Abrechnungen und verlorene Dokumente [75]. Diese Probleme unterstrichen die anhaltenden strukturellen Schwächen im US-Studienkredit-Servicing-Modell, das auf private Auftragnehmer angewiesen ist, deren Anreize nicht immer mit den Interessen der Schuldner übereinstimmen [57].

Strategische Neuausrichtung von Navient

Mit dem Ende seiner Rolle als Bundes-Servicer konzentrierte sich Navient vollständig auf seine verbleibenden Geschäftsfelder: die Abwicklung privater Studienkredite, Asset Management, Inkasso und Business Process Outsourcing im Bildungs-, Gesundheits- und öffentlichen Sektor [88]. Das Unternehmen kündigte strategische Maßnahmen an, um seine Operationen zu optimieren, darunter die Auslagerung bestimmter Funktionen und die Fokussierung auf profitablere Segmente [38]. Obwohl Navient weiterhin private Kredite abwickelt, unterliegt es nun strengerer Aufsicht und ist rechtlich verpflichtet, sich nicht erneut an der Abwicklung von Bundeskrediten zu beteiligen [25].

Langfristige Implikationen für die Regulierung

Der Fall Navient hat tiefgreifende Auswirkungen auf die zukünftige Gestaltung des Studienkredit-Systems. Die permanente Sperrung durch das CFPB setzt einen Präzedenzfall dafür, dass systematisches Fehlverhalten schwerwiegende Konsequenzen nach sich ziehen kann, einschließlich des kompletten Ausschlusses aus dem Markt [3]. Dies hat zu einer verstärkten Regulierung geführt, darunter neue Leistungsstandards des Bildungsministeriums und Vorschläge zur Vereinfachung der Rückzahlungssysteme, wie die Einführung eines neuen Repayment Assistance Plan (RAP), um die Komplexität der bestehenden IDR-Optionen zu reduzieren [92]. Der Übergang zu MOHELA symbolisiert nicht nur das Ende einer Ära für Navient, sondern auch einen Wendepunkt hin zu einem transparenteren, rechenschaftspflichtigeren und schuldnerzentrierten Ansatz im Umgang mit Studienverschuldung in den Vereinigten Staaten.

Politische Reformvorschläge und Systemverbesserungen

Die umfassenden rechtlichen Auseinandersetzungen und regulatorischen Maßnahmen gegen Navient, insbesondere das dauerhafte Verbot durch das Consumer Financial Protection Bureau (CFPB) im Jahr 2024, haben tiefgreifende strukturelle Schwächen im US-Studienfinanzierungssystem offengelegt. Diese Vorfälle haben nicht nur zu einer Neubewertung der Rolle privater Kreditdienstleister im öffentlichen Bildungssektor geführt, sondern auch weitreichende politische Reformvorschläge zur Verbesserung der Systemintegrität, Transparenz und Gerechtigkeit ausgelöst. Die daraus resultierenden Vorschläge zielen darauf ab, zukünftige Missstände zu verhindern, die Rechte von Schülern und Studierenden zu stärken und ein gerechteres und nachhaltigeres Modell der Studienfinanzierung zu schaffen.

Stärkung der Aufsicht und Rechenschaftspflicht von Kreditdienstleistern

Ein zentraler Reformvorschlag ist die Verschärfung der Aufsicht über Kreditdienstleistungen und die Einführung strengerer Rechenschaftsmechanismen. Die Praxis von Navient, Kreditnehmer systematisch in kostspielige Stundung statt in einkommensabhängige Rückzahlungspläne zu leiten, hat gezeigt, dass die bestehenden Kontrollen unzureichend waren [3]. Als Reaktion darauf fordern Experten und politische Entscheidungsträger verbindliche Leistungskennzahlen für alle Kreditdienstleister, die auf Genauigkeit, Kundenservicequalität und die erfolgreiche Verarbeitung von Anträgen für Programme wie die Einkommensabhängige Rückzahlung (IDR) und die Public Service Loan Forgiveness (PSLF) basieren. Verstöße sollten mit finanziellen Sanktionen geahndet werden, und Unternehmen mit einer dokumentierten Vorgeschichte systemischer Missstände sollten von zukünftigen Bundesverträgen ausgeschlossen werden [94]. Das CFPB hat bereits Maßnahmen ergriffen, indem es Navient ein lebenslanges Verbot der Abwicklung von Bundeskrediten auferlegte, was als Präzedenzfall für die Konsequenzen von Missachtung der Verbraucherschutzgesetze dient [25].

Übergang zu einem öffentlichen, einheitlichen Abwicklungssystem

Ein weiterer zentraler Vorschlag ist die Abschaffung des derzeitigen Modells, das die Abwicklung öffentlicher Studienkredite an private Unternehmen wie Navient auslagert, und der Übergang zu einem öffentlichen, einheitlichen Abwicklungssystem. Kritiker argumentieren, dass der Gewinnanreiz privater Dienstleister strukturelle Interessenkonflikte schafft, die gegen die Interessen der Kreditnehmer gerichtet sind [96]. Ein öffentliches System, das entweder vom U.S. Department of Education oder einer gemeinnützigen Organisation betrieben wird, würde die Anreize neu ausrichten und die Dienstleistung auf die Unterstützung der Kreditnehmer anstatt auf die Maximierung des Unternehmensgewinns ausrichten. Ein solches System könnte eine nahtlose Integration mit Bundesprogrammen ermöglichen, die Datenübertragung zwischen Behörden verbessern und die automatische Registrierung für Erleichterungen fördern. Dies würde die Art und Weise, wie Navient Kreditnehmer in teure Stundungen leitete, anstatt ihnen den Zugang zu erschwinglichen Rückzahlungsoptionen zu erleichtern, verhindern [97].

Automatische Registrierung und Vereinfachung von Rückzahlungsprogrammen

Die Komplexität des derzeitigen Systems hat es für Kreditnehmer extrem schwierig gemacht, ihre Rechte zu verstehen und zu beanspruchen, was von Dienstleistern wie Navient ausgenutzt wurde. Um dies zu beheben, wird die Einführung einer automatischen Registrierung in einkommensabhängige Rückzahlungspläne für Kreditnehmer, die in Zahlungsschwierigkeiten geraten, stark befürwortet. Anstatt dass Kreditnehmer einen komplizierten Antrag ausfüllen müssen, könnte ein solches System automatisch IRS- und Bildungsdaten nutzen, um Kreditnehmer in den vorteilhaftesten Plan einzutragen. Zusätzlich wird die Vereinfachung der Rückzahlungslandschaft gefordert, beispielsweise durch die Konsolidierung mehrerer IDR-Pläne in einen einzigen, vorhersehbaren Plan [98]. Diese Maßnahmen würden die Abhängigkeit von der Genauigkeit und Integrität privater Dienstleister verringern und sicherstellen, dass Erleichterungen tatsächlich erreichen, für die sie gedacht sind.

Förderung von Rassengerechtigkeit und gezielte Schuldenerlassmaßnahmen

Die empirischen Daten zeigen, dass die Praktiken von Navient die bestehenden rassischen und wirtschaftlichen Ungleichheiten im Bildungssystem verschärft haben. Schwarze und latinx Studierende waren überproportional von Fehlverhalten betroffen, was zu höheren Standardraten und vermindertem Vermögensaufbau führte [61]. Als Reaktion darauf werden politische Reformen gefordert, die sich gezielt auf Gerechtigkeit konzentrieren. Dazu gehören die Schuldenerlass für Studierende, die von betrügerischen Hochschulen getäuscht wurden – eine Gruppe, die oft von Navient betreut wurde – sowie die Einführung eines ergänzenden, vermögensbasierten Pell-Grant, der die Notwendigkeit des Ausleihens für Studierende aus benachteiligten Familien verringert [100]. Diese Maßnahmen erkennen an, dass Einkommen allein die rassischen Vermögensunterschiede nicht erfasst und dass strukturelle Reformen erforderlich sind, um zukünftige Ungleichheiten zu verhindern.

Strukturelle Reformen der Hochschulbildung zur Verringerung der Verschuldung

Letztendlich zielen die tiefgreifendsten Reformvorschläge darauf ab, die Notwendigkeit von Studienkrediten insgesamt zu verringern. Die Geschichte von Navient wird als Symptom eines größeren Problems angesehen: ein Hochschulbildungssystem, das zu stark auf private Finanzierung angewiesen ist. Langfristige Lösungen umfassen die Ausweitung der schuldenfreien Bildung an öffentlichen Hochschulen, insbesondere an Community Colleges und an Institutionen, die Minderheiten betreuen, sowie die Erhöhung der Obergrenze für den Pell-Grant und dessen Anpassung an die Inflation. Darüber hinaus wird eine strengere Regulierung von Privathochschulen, insbesondere von profitorientierten Institutionen mit hohen Standardraten, gefordert, um die öffentliche Finanzierung auf Hochschulen mit nachhaltigen Ergebnissen zu beschränken [101]. . Diese strukturellen Reformen zielen darauf ab, die Grundlagen für ein gerechteres System zu schaffen, in dem die Missstände, die mit dem Aufstieg und Fall von Navient verbunden sind, nicht wiederholt werden.

Referenzen