Rhinovirus ist eine Gruppe von Viren aus der Familie der Picornaviridae, die weltweit die häufigste Ursache der Erkältung (common cold) darstellt und für 30–50 % aller oberen Atemwegsinfektionen verantwortlich ist. Mit über 160 bekannten Serotypen, die in die Spezies RV-A, RV-B und RV-C unterteilt sind, zeichnet sich das Virus durch extreme genetische Diversität aus, was die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs erheblich erschwert [1]. Die Viren infizieren vor allem die Schleimhaut der oberen Atemwege, insbesondere die Nasenschleimhaut, wo sie an Rezeptoren wie intercellular adhesion molecule-1 (ICAM-1) oder cadherin-related family member 3 (CDHR3) andocken [2]. Ihre Replikation erfolgt optimal bei Temperaturen von 33–35 °C, was der Nasentemperatur des Menschen entspricht, und erklärt ihre Affinität zu diesem Gewebe [3]. Übertragung erfolgt hauptsächlich durch Tröpfcheninfektion, Kontakt mit kontaminierten Oberflächen (Fomiten) oder direkten Hautkontakt. Obwohl die meisten Infektionen mild verlaufen und innerhalb von 7–10 Tagen abklingen, können Rhinoviren bei Risikogruppen wie Kindern, älteren Menschen oder Personen mit chronischen Atemwegserkrankungen schwere Komplikationen wie Asthma-Exazerbationen, COPD-Schübe, Bronchiolitis oder Pneumonie auslösen. Aufgrund ihrer hohen Prävalenz und jahreszeitlichen Dynamik – mit Gipfeln im Herbst und Frühjahr – stellen Rhinoviren eine bedeutende öffentliche Gesundheitsbelastung dar, die durch fehlende spezifische Antivirale und die Herausforderungen bei der Diagnostik mittels Polymerase-Kettenreaktion (PCR) oder Antigentests weiter verstärkt wird [4].
Biologie und Genomstruktur
Rhinoviren gehören zur Familie der Picornaviridae und sind aufgrund ihrer genetischen und strukturellen Merkmale eng mit Enteroviren verwandt. Die International Committee on Taxonomy of Viruses (ICTV) hat Rhinoviren offiziell in das Genus Enterovirus reklassifiziert, da molekulare und phylogenetische Analysen zeigen, dass sie nicht als eigenständiges Genus betrachtet werden können [5]. Diese Reklassifizierung basiert auf gemeinsamen genomischen und strukturellen Eigenschaften, die traditionelle Unterscheidungsmerkmale wie klinische Symptome oder Temperaturpräferenz in den Hintergrund treten lassen.
Genomorganisation und Genexpression
Das Genom des Rhinovirus besteht aus einer einzelsträngigen, positiv-sinnigen RNA von etwa 7,2 Kilobasen Länge, die direkt als mRNA fungiert. Es kodiert ein einzelnes Polyprotein, das durch virale Proteasen posttranslational in strukturelle und nichtstrukturelle Proteine gespalten wird. Zu den strukturellen Proteinen gehören VP1, VP2, VP3 und VP4, die die virale Hülle (Capsid) bilden. Die nichtstrukturellen Proteine umfassen unter anderem die Proteasen 2A und 3C sowie die RNA-abhängige RNA-Polymerase 3D, die für die Replikation des viralen Genoms verantwortlich ist [6]. Der 5′-untranslatierte Bereich (UTR) des Genoms enthält eine interne Ribosomen-Einbaustelle (IRES), die eine cap-unabhängige Translation ermöglicht. IRES-Elemente der Spezies A und B ähneln denen von Poliovirus und Coxsackievirus (Typ I), während Rhinovirus C eine intermediäre Struktur aufweist, die Merkmale von Typ I und Typ II (wie bei Cardiovirus) kombiniert [7].
Capsidarchitektur und Rezeptorbindung
Das Rhinovirus besitzt eine ikosaedrische, nicht umhüllte Capsid mit einem Durchmesser von etwa 30 Nanometern, bestehend aus 60 Kopien jedes der vier strukturellen Proteine (VP1–VP4). Die Oberfläche der Capsid weist eine tiefe, ringförmige Vertiefung auf, die als „Canyon“ bezeichnet wird und um jede Fünf-Pol-Achse verläuft. Diese Region dient bei vielen Serotypen als Bindungsstelle für Wirtszellrezeptoren [8]. Die Struktur des Canyons schützt die Rezeptorbindungsstelle vor der Erkennung durch neutralisierende Antikörper und ermöglicht so eine Immunevasion.
Die Rezeptorbindung variiert je nach Serogruppe: Major-Gruppen-Serotypen binden an das intercellular adhesion molecule-1 (ICAM-1), während Minor-Gruppen-Serotypen Mitglieder der Low-Density-Lipoprotein-Rezeptor (LDLR)-Familie nutzen. Rhinovirus C (RV-C) verwendet dagegen cadherin-related family member 3 (CDHR3), einen Rezeptor, dessen Expression durch eine genetische Variante (C529Y) erhöht wird und die Anfälligkeit für Infektionen steigert [9]. Diese Unterschiede in der Rezeptorbindung beeinflussen die zelluläre Tropismus und tragen zur unterschiedlichen Pathogenität der Spezies bei.
Genetische Diversität und Rekombination
Mit über 160 bekannten Serotypen, die in die Spezies RV-A, RV-B und RV-C unterteilt sind, zeigt das Rhinovirus eine außergewöhnliche genetische Diversität [10]. Diese Vielfalt entsteht durch eine hohe Mutationsrate der RNA-abhängigen RNA-Polymerase (3Dpol), die über keine Korrekturlesefunktion verfügt, sowie durch häufige Rekombinationsereignisse zwischen verschiedenen Serotypen und sogar zwischen Rhinoviren und Enteroviren, insbesondere in nichtstrukturellen Genregionen wie 2C, 3A und 3D [11]. Diese Rekombination fördert die Entstehung neuer Stämme mit verändertem pathogenetischem Potenzial und erschwert die Entwicklung breit wirksamer antiviraler Strategien.
Stabilität und Umweltresistenz
Die Stabilität des Rhinovirus ist durch seine biochemischen und strukturellen Eigenschaften eng mit seiner Umweltresistenz und Infektiosität verknüpft. Das Virus ist säurelabil und verliert bei pH-Werten unter 5,0 seine Infektiosität, was die orale Übertragung über den Magen-Darm-Trakt verhindert und die Übertragung auf Atemwegs- und Kontaktwege beschränkt [12]. Diese Säurelabilität resultiert aus einer vorzeitigen Entkapselung der viralen RNA unter sauren Bedingungen, die normalerweise erst im Endosom nach Rezeptorbindung erfolgen sollte. Zudem ist das Virus thermolabil, mit optimaler Replikation bei 33–35 °C – der Temperatur der menschlichen Nasenschleimhaut – und reduzierter Stabilität bei Temperaturen über 40 °C [13]. Diese thermische Empfindlichkeit erklärt die Affinität des Virus zu den oberen Atemwegen und seine eingeschränkte Fähigkeit, in wärmeren Geweben wie der Lunge zu replizieren.
Übertragung und klinische Symptome
Rhinoviren werden hauptsächlich durch Tröpfcheninfektion, direkten Kontakt mit infizierten Personen oder indirekt über kontaminierte Oberflächen (sogenannte Fomiten) übertragen. Wenn eine infizierte Person hustet, niest oder spricht, werden infektiöse Aerosole freigesetzt, die entweder eingeatmet werden oder auf Oberflächen landen, die später von anderen Personen berührt werden [2]. Die Viren können auf menschlichen Fingern und häufig berührten Gegenständen wie Türklinken oder Handys mehrere Stunden überleben, wodurch die Übertragung durch Berührung der Augen, Nase oder des Mundes nach Kontakt mit kontaminierten Flächen begünstigt wird [15]. Direkter Hautkontakt, insbesondere Händeschütteln, ist ebenfalls ein bedeutender Übertragungsweg [16]. Diese Übertragungsmechanismen tragen zur hohen Ansteckungsfähigkeit der Viren bei, die zu den häufigsten Ursachen der Erkältung gehören.
Inkubationszeit und Symptomentwicklung
Nach der Exposition setzt die Inkubationszeit ein, die typischerweise zwischen 12 und 72 Stunden, also 1 bis 3 Tagen, beträgt [17]. Die Symptome manifestieren sich meist schleichend und erreichen innerhalb der ersten Tage ihr Maximum. Zu den klassischen klinischen Symptomen gehören eine laufende oder verstopfte Nase (Rhinorrhoe), häufiges Niesen, Halsschmerzen, trockener Husten sowie leichte Müdigkeit und gelegentlich Kopfschmerzen [2]. Fieber ist bei gesunden Erwachsenen selten, tritt jedoch bei Kindern, insbesondere Kleinkindern, häufiger auf [2]. Diese Symptome sind in der Regel mild und heilen innerhalb von 7 bis 10 Tagen spontan aus, wobei der Husten gelegentlich bis zu zwei Wochen oder länger anhalten kann [17]. Die Gesamterholungszeit kann bei Personen mit verzögerter Immunantwort oder zugrunde liegenden Erkrankungen bis zu drei Wochen betragen [21].
Klinische Manifestationen bei gesunden und vulnerablen Gruppen
Bei gesunden Erwachsenen und Kindern verläuft die Infektion in der Regel als harmlose, selbstlimitierende Erkrankung des oberen Atemtrakts. Dennoch kann sie zu erheblichem Unwohlsein und Produktivitätsverlust führen, was jährlich zu Millionen von Fehltagen in Schule und Beruf führt [22]. Bei vulnerablen Bevölkerungsgruppen kann die Erkrankung jedoch deutlich schwerer verlaufen. Besonders betroffen sind Kinder, ältere Menschen sowie Personen mit chronischen Atemwegserkrankungen wie Asthma oder chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD)>.
Bei Kindern, insbesondere unter zwei Jahren, sind Rhinoviren eine der Hauptursachen für akute Atemwegsinfektionen und können zu schweren Komplikationen wie Bronchiolitis, Pneumonie, Croup oder Mittelohrentzündung führen [23]. Studien zeigen, dass die Krankenhausaufenthalte aufgrund von Rhinovirus-Infektionen bei Kindern in ihrer Schwere mit denen durch andere Atemwegsviren wie dem Respiratory Syncytial Virus (RSV) vergleichbar sind [24]. Bei älteren Erwachsenen, insbesondere solchen mit Begleiterkrankungen, steigt das Risiko für Komplikationen wie akute Bronchitis, Bronchiolitis oder Pneumonie erheblich an [25]. Prospektive Kohortenstudien belegen, dass auch in der allgemeinen Bevölkerung das Risiko für untere Atemwegskomplikationen erhöht ist, wenn bereits eine chronische Erkrankung vorliegt [25].
Rolle bei Exazerbationen chronischer Atemwegserkrankungen
Rhinoviren sind der häufigste virale Auslöser von Exazerbationen bei Asthma und COPD. Sie verantworten bis zu 80 % der virusbedingten Asthmaanfälle bei Kindern und Erwachsenen [27]. Die Mechanismen hierfür sind komplex und umfassen eine Infektion der Atemwegsepithelzellen, die eine massive Freisetzung proinflammatorischer Zytokine wie IL-25, IL-33 und TSLP sowie Chemokine wie CXCL10 und CCL5 auslöst [28]. Bei asthmatischen Patienten ist die angeborene Immunantwort, insbesondere die Produktion von Interferonen (IFN-λ und IFN-β), oft vermindert, was zu einer erhöhten Virusreplikation führt [29]. Gleichzeitig ist die entzündliche Antwort übermäßig ausgeprägt, mit Neutrophilen- und Eosinophileninfiltration, vermehrter Schleimproduktion und Bronchialhyperreagibilität [30]. Diese Kombination aus schlechter antiviraler Abwehr und übermäßiger Entzündung führt zur klinischen Verschlechterung.
Bei COPD-Patienten tragen Rhinoviren zu 10–30 % aller akuten Exazerbationen bei [31]. Die Virusinfektion induziert eine starke Entzündung der Atemwege mit erhöhten Neutrophilenzahlen und IL-8-Spiegeln [32]. Zudem kann Rhinovirus die Epithelbarriere schädigen und die mukoziliäre Clearance beeinträchtigen, was eine sekundäre bakterielle Besiedelung begünstigt und die Prognose weiter verschlechtert [32]. COPD-Patienten scheiden das Virus oft über einen längeren Zeitraum aus, was die Symptome verlängern und das Übertragungsrisiko erhöhen kann [34].
Asymptomatische Infektionen und epidemiologische Bedeutung
Ein weiterer wichtiger Aspekt der Übertragung ist das Vorkommen asymptomatischer Infektionen, die eine bedeutende epidemiologische Rolle spielen. Studien zeigen, dass asymptomatische Personen, insbesondere Kinder und junge Erwachsene, das Virus in vergleichbaren Mengen wie symptomatische Personen ausscheiden können [35]. In Studien an Universitätsstudenten wurden virale Lasten mittels Polymerase-Kettenreaktion (PCR) nachgewiesen, die auf eine potenzielle Übertragbarkeit auch ohne Symptome hindeuten [36]. In der Allgemeinbevölkerung liegen die Nachweisraten von Rhinoviren bei asymptomatischen Kindern zwischen 14 % und 50 %, was auf ein großes Reservoir an unentdeckten Infektionen hinweist [37]. Diese asymptomatischen Träger tragen durch die Kontamination von Oberflächen und die Bildung infektiöser Aerosole maßgeblich zur Aufrechterhaltung der Übertragung in Gemeinschaften wie Schulen und Haushalten bei [38]. Die Ausscheidung kann über mehrere Wochen andauern, was das Übertragungspotenzial weiter erhöht [39]. Dieses verborgene Reservoir erschwert die Kontrolle von Ausbrüchen und unterstreicht die Bedeutung nicht-pharmazeutischer Maßnahmen wie regelmäßige Händehygiene und Desinfektion von Oberflächen, auch bei Personen ohne Symptome [40].
Immunreaktion und Immunevasion
Die Immunreaktion auf eine rhinovirus-Infektion ist ein komplexes Zusammenspiel zwischen angeborener und adaptiver Immunität, das jedoch durch effektive Immunevasionsstrategien des Virus erheblich beeinträchtigt wird. Während gesunde Erwachsene in der Regel eine effektive, schnell einsetzende Immunantwort aufbauen, die die Virusreplikation begrenzt und Symptome mild hält, zeigen Risikogruppen wie Kinder, Ältere oder Personen mit chronischen Atemwegserkrankungen häufig eine verzögerte oder dysregulierte Immunantwort, die zu schwereren Verläufen führen kann. Gleichzeitig hat das Virus eine Vielzahl von Mechanismen entwickelt, um die Immunerkennung zu umgehen und die antivirale Abwehr zu unterdrücken.
Angeborene Immunantwort und Interferon-Signalweg
Die erste Verteidigungslinie gegen Rhinoviren erfolgt durch die angeborene Immunität der Atemwegsepithelzellen, die als primärer Replikationsort dienen. Diese Zellen erkennen virale RNA über pattern recognition receptors (PRRs), darunter Toll-like receptor 3 (TLR3) im Endosom, der doppelsträngige RNA (dsRNA) – ein Replikationsintermediat – detektiert. Zudem spielen cytosolische Sensoren wie Retinoic acid-inducible gene I (RIG-I) und Melanoma differentiation-associated protein 5 (MDA-5) eine zentrale Rolle, indem sie unterschiedliche RNA-Strukturen binden: RIG-I erkennt kurze dsRNA mit 5'-Triphosphat, während MDA-5 lange dsRNA-Strukturen identifiziert [41].
Die Aktivierung dieser Rezeptoren löst Signalwege aus, die über Adapterproteine wie TRIF (für TLR3) oder IPS-1/MAVS (für RIG-I und MDA-5) verlaufen und letztlich zu einer Aktivierung der Transkriptionsfaktoren interferon regulatory factor 3 (IRF3), IRF7 und nuclear factor kappa B (NF-κB) führen [41]. Diese Faktoren induzieren die Produktion von Typ I-Interferonen (IFN-α/β) und Typ III-Interferonen (IFN-λ), die für die antivirale Abwehr entscheidend sind. IFN-α/β wirken systemisch und aktivieren hunderte interferon-stimulated genes (ISGs), die verschiedene Stadien des viralen Lebenszyklus hemmen. IFN-λ hingegen wirkt vor allem lokal an Schleimhäuten, da der IFN-λ-Rezeptor (IFNLR1) hauptsächlich auf Epithelzellen exprimiert wird, was es besonders effektiv bei der Kontrolle von Atemwegsinfektionen macht [43].
Immunevasion durch Unterdrückung der Interferonantwort
Trotz dieser robusten Verteidigung besitzt Rhinovirus mehrere Mechanismen, um die Interferonantwort zu unterdrücken. Ein zentraler Weg ist die Hemmung der IRF3-Aktivierung, was die Transkription des IFN-β-Gens verhindert [44]. Darüber hinaus spaltet das virale 3C-Protease das mitochondriale Signalprotein IPS-1 (MAVS), das für die Signalübertragung von RIG-I essentiell ist. Durch diese Spaltung wird der gesamte RIG-I-Signalweg unterbrochen und die IFN-Produktion blockiert [45].
Ein weiterer neu entdeckter Mechanismus ist die Induktion eines RIG-I-Inflammasoms in Epithelzellen. Dieser Komplex unterdrückt paradoxerweise die antivirale Immunität, während er gleichzeitig entzündungsfördernde Zytokine wie IL-1β aktiviert. Dies führt zu einer erhöhten Entzündung ohne effektive Viruskontrolle und wird besonders bei Asthmatikern beobachtet, wo es zu schwereren Exazerbationen beiträgt [46].
Adaptive Immunantwort: Rolle von T- und B-Zellen
Die adaptive Immunität trägt entscheidend zur Viruseliminierung bei. CD4+ T-Zellen erkennen virale Epitope und orchestrieren die Immunantwort. Circulating memory CD4+ T-Zellen reagieren schnell auf eine erneute Exposition und zielen auf konservierte Epitope der Kapsidproteine ab, was eine schnelle Kontrolle der Virusreplikation ermöglicht [47]. CD8+ T-Zellen hingegen eliminieren infizierte Epithelzellen direkt durch zytotoxische Mechanismen und die Produktion von Interferon-γ (IFN-γ) [48].
B-Zellen produzieren virus-spezifische Antikörper wie IgG und IgA, die freie Virionen neutralisieren, die Zellinvasion blockieren und die Phagozytose fördern [49]. Eine spezielle Untergruppe, die T-bet+ memory B-Zellen, kann rasch heterotypische IgG-Antikörper produzieren, die zur Viruseliminierung beitragen, jedoch keine IgA bilden, was den Schutz an der Schleimhaut begrenzen kann [50].
Warum ist die langfristige Immunität schwach?
Trotz der Aktivierung von T- und B-Zellen ist die langfristige Schutzimmunität gegen Rhinoviren schwach oder kurzlebig, hauptsächlich aufgrund der extremen antigenischen Diversität. Mit über 160 serologisch unterschiedlichen Serotypen, die in die Spezies RV-A, RV-B und RV-C unterteilt sind, bietet eine Infektion mit einem Serotyp kaum Schutz gegen andere [51]. Neutralisierende Antikörper sind meist serotypspezifisch und zeigen nur begrenzte Kreuzneutralisation, besonders zwischen den Spezies [52].
Zusätzlich untergräbt das Virus die Immunantwort durch die Induktion immunsuppressiver Zytokine wie transforming growth factor-beta (TGF-β) und thymic stromal lymphopoietin (TSLP), die die T-Zell-Antwort hemmen [53]. Die Hochregulation von Immune-Checkpoint-Molekülen wie programmed death-ligand 1 (PD-L1) auf infizierten Zellen führt zur Erschöpfung von T-Zellen und vermindert die Viruseliminierung [54].
Unterschiede in der Immunantwort zwischen Kindern und Erwachsenen
Die Immunantwort unterscheidet sich signifikant zwischen Kindern und Erwachsenen. Kinder zeigen eine stärkere humorale Antwort mit höheren IgG-Titern, die jedoch oft mit der Schwere der Symptome korreliert und nicht unbedingt schützend wirkt [55]. Aufgrund ihres noch unreifen Immunsystems haben sie eine verminderte Fähigkeit zur Produktion von Interferonen, was zu einer erhöhten Virusreplikation führt. Erwachsene hingegen haben durch wiederholte Expositionen eine breitere Antikörperpalette und regulierte Gedächtnis-T-Zell-Antworten, die zu milder verlaufenden Infektionen führen [56].
In Asthmatikern ist die Interferonproduktion oft weiter reduziert, insbesondere gegenüber RV-C, was die Virusvermehrung begünstigt. Gleichzeitig ist die entzündliche Antwort überzogen, mit verstärkter Neutrophileninfiltration und mukosaler Schleimproduktion, was zur Verschlechterung der Atemwegsobstruktion führt [57]. Diese Immun-Dysregulation erklärt, warum Rhinoviren die häufigste Ursache für Asthma-Exazerbationen sind [27].
Risikogruppen und Komplikationen
Rhinovirusinfektionen verlaufen bei gesunden Erwachsenen und Kindern in der Regel mild und beschränken sich auf die oberen Atemwege. Dennoch können bestimmte Bevölkerungsgruppen schwere Komplikationen entwickeln, insbesondere wenn zugrunde liegende Gesundheitsstörungen vorliegen. Die Schwere der Erkrankung hängt stark von der Fähigkeit des Immunsystems ab, die Viren effektiv zu kontrollieren, sowie von genetischen und altersbedingten Faktoren, die die Anfälligkeit beeinflussen [2].
Hochrisikogruppen
Kinder
Kleinkinder, insbesondere Säuglinge und Kinder unter fünf Jahren, gehören zu den am stärksten gefährdeten Gruppen. Aufgrund ihres noch unreifen Immunsystems sind sie besonders anfällig für schwere Atemwegsinfektionen durch Rhinoviren. Diese Viren sind eine der häufigsten Ursachen für Krankenhausaufenthalte bei akuten Atemwegserkrankungen in dieser Altersgruppe und stehen in engem Zusammenhang mit Erkrankungen wie Bronchiolitis, Bronchitis und Atemstillstand [60][61]. Höhere Viruslasten korrelieren mit einer stärkeren Krankheitsintensität und erhöhen das Risiko für Infektionen der unteren Atemwege [62]. Darüber hinaus kann eine Rhinovirusinfektion im frühen Kindesalter das Risiko für die Entwicklung von Asthma erhöhen, insbesondere bei genetisch prädisponierten Kindern [63].
Ältere Menschen
Ältere Erwachsene, insbesondere Personen über 65 Jahren, weisen ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe auf. Dies ist teilweise auf altersbedingte Immunschwäche (Immunseneszenz) zurückzuführen, die zu einer verminderten Produktion von Interferon-Typ I und Typ III führt und somit die antivirale Abwehr schwächt [64]. Bei älteren Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen wie chronisch obstruktiver Lungenerkrankung ist die Wahrscheinlichkeit für Komplikationen der unteren Atemwege besonders hoch [65]. Studien haben gezeigt, dass hospitalisierte ältere Patienten mit Rhinovirusinfektion eine unerwartet hohe Morbidität und Mortalität aufweisen können – in einigen Fällen sogar höher als bei Influenza [66]. Ausbrüche in Langzeitpflegeeinrichtungen sind mit erheblichen Todesfällen verbunden [67].
Personen mit chronischen Atemwegserkrankungen
Menschen mit vorbestehenden Atemwegserkrankungen wie Asthma bronchiale oder COPD sind besonders gefährdet, da Rhinoviren die häufigste Ursache für Exazerbationen dieser Erkrankungen darstellen. Bei Asthmatikern lösen Rhinoviren über 80 % der virusbedingten Anfälle aus [27]. Die Infektion führt zu einer verstärkten Entzündungsreaktion in den Atemwegen, erhöhter Bronchialhyperreagibilität und verstärkter Schleimproduktion, was zu Atemnot und möglicherweise zum Krankenhausaufenthalt führen kann [30]. Bei COPD-Patienten sind Rhinoviren für 10–30 % der akuten Exazerbationen verantwortlich und können zu einer Verschlechterung der Lungenfunktion und systemischen Entzündung führen [31].
Immungeschwächte Personen
Zu den Hochrisikogruppen zählen auch immungeschwächte Individuen, wie Empfänger von Stammzelltransplantationen oder Organtransplantationen. Bei diesen Patienten kann eine Rhinovirusinfektion rasch auf die unteren Atemwege übergreifen, länger anhalten und zu schweren Komplikationen wie Atemstillstand oder Pneumonie führen [71]. Die Schwere der Erkrankung bei immungeschwächten Erwachsenen kann mit der von H1N1-Influenza vergleichbar sein [72]. Hohe Viruslasten sind mit einem ungünstigeren klinischen Verlauf assoziiert [73].
Mögliche Komplikationen
Obwohl die meisten Rhinovirusinfektionen selbstlimitierend sind, können bei Risikogruppen schwerwiegende Komplikationen auftreten:
- Otitis media: Eine Mittelohrentzündung ist eine häufige Komplikation bei Kindern [74].
- Sinusitis: Entzündungen der Nasennebenhöhlen können im Anschluss an eine Rhinovirusinfektion auftreten [75].
- Bronchiolitis und Bronchitis: Infektionen der unteren Atemwege sind besonders bei Säuglingen und Kleinkindern verbreitet [60].
- Asthma- und COPD-Exazerbationen: Rhinoviren sind für mehr als die Hälfte aller Asthmaanfälle verantwortlich, insbesondere bei Kindern [77].
- Pneumonie und akutes Atemnotsyndrom (ARDS): Obwohl seltener, können Rhinoviren auch bei immunokompetenten Erwachsenen zu Pneumonie und sogar rasch fortschreitendem ARDS führen [78][79].
- Atemversagen: Schwere Fälle können eine mechanische Beatmung erfordern, insbesondere bei immungeschwächten oder älteren Patienten [80].
Genetische und immunologische Faktoren
Genetische Prädispositionen spielen eine entscheidende Rolle bei der Anfälligkeit für schwere Verläufe. Polymorphismen im 17q21-Locus, insbesondere in der Nähe der Gene ORMDL3 und GSDMB, sind stark mit kindlichem Asthma assoziiert. Träger dieser Risikoallele zeigen eine verminderte Produktion von Interferon-β nach Rhinovirusinfektion, was zu einer unkontrollierten Virusvermehrung führt [81]. Zudem wird die Expression dieser Gene durch die Virusinfektion selbst verstärkt, was einen Teufelskreis aus Virusvermehrung und Entzündung fördern kann [82].
Auch die Fähigkeit des Immunsystems, eine angemessene Interferon-Antwort zu generieren, ist entscheidend. Bei Asthmatikern und COPD-Patienten ist diese Antwort oft vermindert oder verzögert, was die Virusvermehrung begünstigt [57]. Gleichzeitig kommt es zu einer übermäßigen Entzündungsreaktion, die durch Zytokine wie Interleukin-25, Interleukin-33 und Thymic Stromal Lymphopoietin vermittelt wird [28]. Ein neu entdeckter Mechanismus ist die Aktivierung des RIG-I-Inflammasoms in Epithelzellen, das zwar die Entzündung verstärkt, aber gleichzeitig die antivirale Abwehr unterdrückt – ein besonders relevantes Phänomen bei Asthma [46].
Zusammenfassend stellen Rhinoviren zwar bei gesunden Personen eine meist harmlose Erkrankung dar, können aber bei Risikogruppen zu schweren Komplikationen führen. Eine enge Überwachung und symptomatische Behandlung sind bei betroffenen Patienten unerlässlich, um schwerwiegende Verläufe zu verhindern [2]. Die Identifizierung genetischer und immunologischer Risikofaktoren ermöglicht eine bessere Risikostratifizierung und die Entwicklung gezielterer Therapieansätze.
Diagnostik und Surveillance
Die Diagnostik von Rhinovirus-Infektionen stellt aufgrund der hohen Serotypenvielfalt und der Überlappung klinischer Symptome mit anderen Atemwegserkrankungen eine Herausforderung dar. Dennoch sind präzise Nachweismethoden entscheidend für die klinische Entscheidungsfindung, die Behandlung von Risikopatienten und die öffentliche Gesundheitsüberwachung. Die derzeit effektivsten diagnostischen Verfahren basieren auf molekularen Techniken, insbesondere der Polymerase-Kettenreaktion (PCR), die aufgrund ihrer hohen Sensitivität und Spezifität als Goldstandard gilt [87]. Multiplex-PCR-Panels ermöglichen die gleichzeitige Detektion mehrerer Atemwegserreger, darunter Rhinovirus/Enterovirus, Influenza, Respiratory Syncytial Virus (RSV) und SARS-CoV-2, was die diagnostische Effizienz in klinischen Laboren erheblich verbessert [88].
Molekulare Diagnostik: PCR-basierte Verfahren
Die Echtzeit-RT-PCR ist die sensitivste Methode zur Detektion von Rhinovirus-RNA in klinischen Proben wie nasalen Abstrichen oder Bronchiallavage. Kommerzielle Assays, wie der BioFire FilmArray Respiratory Panel, weisen Sensitivitäten zwischen 89,2 % und 100 % sowie Spezifitäten zwischen 91,3 % und 96,1 % auf [89]. Diese Tests können eine breite Palette von Rhinovirus-Serotypen über die Spezies RV-A, RV-B und RV-C hinweg identifizieren, einschließlich neu identifizierter Varianten [90]. Ein wesentlicher Vorteil der PCR ist die Möglichkeit zur quantitativen Bestimmung der Viruslast, was für das Verständnis der Krankheitsschwere und der Immunantwort von Bedeutung ist [91].
Trotz ihrer Vorteile erfordert die PCR spezialisierte Laborinfrastruktur, geschultes Personal und kostspielige Ausrüstung, was ihre Anwendung in punktuellen Tests oder ressourcenarmen Umgebungen einschränkt [89]. Die Ergebnisse liegen typischerweise nach mehreren Stunden bis Tagen vor, was die klinische Entscheidungsfindung verzögern kann. Zudem detektiert die PCR virale RNA, nicht infektiöses Virus, und kann daher auch nach dem akuten Stadium der Erkrankung positiv bleiben, was zu einer Überschätzung der aktiven Übertragung führen kann [93]. Ein weiteres Limitation ist, dass die meisten kommerziellen Multiplex-Assays Rhinoviren nicht von humanen Enteroviren unterscheiden können und das Ergebnis als „HRV/HEV“ melden, was die klinische Interpretation und die epidemiologische Verfolgung erschwert [89].
Antigenbasierte Schnelltests
Schnellantigentests (RADTs) bieten eine Alternative zur PCR, da sie innerhalb von 15–30 Minuten Ergebnisse liefern und sofortige klinische Entscheidungen am Point-of-Care ermöglichen [95]. Sie sind einfach durchzuführen, benötigen minimale Ausrüstung und sind in ambulanten Kliniken, Notaufnahmen und Gemeinschaftseinrichtungen besser zugänglich. Einige Plattformen erreichen moderate Sensitivitäten (bis zu 95,6 %) und Spezifitäten (bis zu 92,5 %), wobei die Leistung je nach Assay und Probentyp variiert [96].
Der Hauptnachteil dieser Tests ist jedoch die geringere Sensitivität im Vergleich zur PCR, insbesondere bei niedrigen Viruslasten, wie sie in frühen oder späten Infektionsphasen oder bei asymptomatischen Personen auftreten [97]. Falsch-negative Ergebnisse sind häufig, was ihre Zuverlässigkeit für eine definitive Diagnose einschränkt [95]. Darüber hinaus existieren derzeit keine weit verbreiteten, kommerziell verfügbaren Schnelltests, die speziell für den alleinigen Nachweis von Rhinovirus validiert und zugelassen sind. Die meisten RADTs konzentrieren sich auf Influenza, RSV oder SARS-CoV-2, und eine Off-Label-Nutzung für Rhinovirus fehlt an ausreichender Validierung [99].
Surveillance und epidemiologische Überwachung
Die Überwachung von Rhinovirus ist entscheidend für das Verständnis seiner saisonalen Dynamik, der Verbreitung von Serotypen und der Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit. Nationale Surveillance-Systeme wie das der UK Health Security Agency (UKHSA), Public Health Scotland, FluWatch in Kanada und das National Respiratory and Enteric Virus Surveillance System (NREVSS) der US Centers for Disease Control and Prevention (CDC) nutzen PCR als primäre Methode zur Verfolgung der Viruszirkulation [4]; [101]; [102]. Zusätzlich gewinnt die Abwasserbasierte Surveillance (wastewater-based surveillance) an Bedeutung, da sie über die Detektion von fäkaler Ausscheidung die Viruszirkulation auf Gemeinschaftsebene verfolgen kann [103].
Trotz dieser Fortschritte bleibt Rhinovirus aufgrund seiner hohen genetischen Diversität mit über 160 bekannten Serotypen und der Tatsache, dass viele Infektionen mild verlaufen und nicht medizinisch behandelt werden, untererfasst [104]. Viele Patienten suchen keine medizinische Versorgung, und selbst bei ärztlichem Kontakt wird Rhinovirus nicht routinemäßig getestet, was zu einer Unterdiagnose und Fehlklassifizierung führt [105]. Zudem basieren viele Surveillance-Programme auf Sentinel-Netzwerken, die keine vollständigen bevölkerungsbezogenen Daten erfassen [89]. Die kontinuierliche genetische Vielfalt und das schnelle evolutionäre Potenzial des Virus erschweren zudem die Vorhersage von Ausbrüchen und die Entwicklung wirksamer Interventionen [107]. Globale Initiativen wie das World Health Organization (WHO) Mosaic Respiratory Surveillance Framework zielen darauf ab, die Laborkapazitäten und den Datenaustausch für Atemwegsviren zu stärken, um eine robustere und integrierte Überwachung sicherzustellen [108].
Behandlung und Prävention
Die Behandlung von Rhinovirusinfektionen beschränkt sich auf symptomatische Maßnahmen, da bislang keine spezifischen antiviralen Therapien zugelassen sind. Da die Infektionen in der Regel mild verlaufen und sich innerhalb von 7 bis 14 Tagen spontan zurückbilden, steht die Linderung der Symptome und die Unterstützung des Immunsystems im Vordergrund [109]. Eine vollständige Genesung kann jedoch bei Personen mit vorbestehenden Erkrankungen oder geschwächtem Immunsystem bis zu drei Wochen dauern [21]. Die Prävention erfolgt hauptsächlich über hygienische Maßnahmen, da ein Impfstoff aufgrund der hohen genetischen Diversität der über 160 bekannten Serotypen bisher nicht verfügbar ist [111].
Symptomatische Behandlung
Die Therapie von Rhinovirusinfektionen erfolgt ausschließlich symptomatisch und umfasst verschiedene unterstützende Maßnahmen. Die Grundlage bildet die ausreichende Flüssigkeitszufuhr und Ruhe, um das Immunsystem zu entlasten und die körpereigenen Abwehrmechanismen zu unterstützen [112]. Über die Counter (OTC) erhältliche Medikamente wie Analgetika (z. B. Paracetamol oder nichtsteroidale Antirheumatika) helfen bei der Linderung von Fieber, Halsschmerzen und leichten Gliederschmerzen [113]. Nasale Abschwellmittel und Soleinläufe können die verstopfte Nase lindern und die Atmung verbessern [114]. Die Verwendung von Luftbefeuchtern, insbesondere in trockenen Räumen, kann gereizte Atemwege beruhigen und Hustenreiz reduzieren [115]. Zudem gibt es Hinweise, dass die Einnahme von Zink-Präparaten, insbesondere wenn sie innerhalb der ersten 24 bis 48 Stunden nach Symptombeginn begonnen wird, die Dauer und Schwere der Symptome bei einigen Erwachsenen verkürzen kann [113].
Keine Rolle von Antibiotika
Antibiotika sind bei Rhinovirusinfektionen wirkungslos, da sie lediglich gegen bakterielle Erreger gerichtet sind und keine Wirkung auf Viren haben [117]. Ihre Anwendung wird daher nicht empfohlen, es sei denn, eine sekundäre bakterielle Infektion wie eine Sinusitis oder eine Mittelohrentzündung wird diagnostiziert, was jedoch selten der Fall ist [74]. Der unnötige Einsatz von Antibiotika trägt zur Entwicklung von Antibiotikaresistenz bei und sollte daher strikt vermieden werden.
Prävention durch Hygiene und Umweltmaßnahmen
Da kein Impfstoff gegen Rhinoviren existiert, liegt der Schwerpunkt der Prävention auf hygienischen und umweltbezogenen Maßnahmen. Die häufigste Übertragungsroute erfolgt über kontaminierte Oberflächen (Fomiten) oder durch Tröpfcheninfektion, wenn infizierte Personen husten, niesen oder sprechen [2]. Daher ist die regelmäßige Händewaschung mit Seife und Wasser eine der effektivsten Methoden, um die Übertragung zu reduzieren [120]. Ergänzend sollten Husten- und Niesetikette beachtet werden, z. B. durch das Benutzen eines Taschentuchs oder des Ellenbogens, um die Verbreitung von Tröpfchen zu minimieren [121]. Der Kontakt mit bereits infizierten Personen sollte, soweit möglich, vermieden werden, und Betroffene sollten zu Hause bleiben, um die Weitergabe des Virus zu verhindern [122].
Die Desinfektion häufig berührter Oberflächen wie Türklinken, Telefone oder Arbeitsflächen trägt ebenfalls zur Risikoreduktion bei [123]. Zudem kann die Verbesserung der Innenraumluftqualität durch ausreichende Belüftung und den Einsatz von Luftfiltern das Risiko einer luftgetragenen Übertragung in stark frequentierten Innenräumen senken [124].
Forschung zu antiviralen Therapien und Impfstoffen
Trotz intensiver Forschung stehen derzeit keine zugelassenen antiviralen Medikamente zur Behandlung von Rhinovirusinfektionen zur Verfügung [125]. In der Entwicklung befinden sich verschiedene Wirkstoffklassen, darunter Kapsid-Binder, die die Virenstabilität beeinflussen, und Proteasehemmer wie Rupintrivir, die die Verarbeitung des viralen Polyproteins durch die 3C-Protease hemmen [126]. Obwohl diese Substanzen in präklinischen Studien vielversprechende Ergebnisse zeigten, scheiterten sie bisher in klinischen Studien aufgrund von pharmakokinetischen Herausforderungen, der schnellen Entwicklung von Resistenzen oder unzureichender Wirksamkeit im realen Einsatz [127].
Ebenso groß sind die Hürden bei der Entwicklung eines Impfstoffs. Die extreme Antigenvariation zwischen den über 160 Serotypen, die in die Spezies RV-A, RV-B und RV-C unterteilt sind, macht eine breit wirksame Immunität nahezu unmöglich [10]. Ansätze zur Überwindung dieser Herausforderung umfassen die Entwicklung polyvalenter Impfstoffe mit mehreren Serotypen oder die gezielte Immunisierung gegen konservierte virale Epitope, z. B. im inneren Kapsidprotein VP4, um eine quergängige Neutralisierung zu ermöglichen [129]. Intranasale Impfstrategien werden ebenfalls erforscht, um eine lokale Schleimhautimmunität mit Sekretions-IgA zu induzieren, die besonders effektiv am primären Infektionsort wirkt [130].
Impfstoffentwicklung und antivirale Strategien
Die Entwicklung wirksamer Impfstoffe und antiviraler Therapien gegen Rhinoviren steht vor erheblichen Herausforderungen, die hauptsächlich auf die extreme genetische und antigenische Diversität der über 160 bekannten Serotypen zurückzuführen ist. Diese Vielfalt, die sich in drei Spezies – RV-A, RV-B und RV-C – unterteilt, erschwert die Induktion einer breit schützenden Immunität erheblich [10]. Da eine Immunantwort gegen einen Serotyp kaum Schutz vor anderen bietet, müsste ein Impfstoff gegen eine große Anzahl unterschiedlicher Varianten wirksam sein, um klinisch relevant zu sein [132].
Impfstoffstrategien und Herausforderungen
Ein zentraler Ansatz in der Impfstoffentwicklung ist die Verwendung mehrwertiger, inaktivierter Vakzine, die eine Vielzahl von Serotypen abdecken. Vorläufige Studien mit einem 50-valenten inaktivierten Rhinovirus-Impfstoff zeigten bei Rhesusmakaken die Induktion breiter neutralisierender Antikörperantworten, was die prinzipielle Machbarkeit hochwertiger Formulierungen belegt [133]. Dennoch stellen die Herstellung, Stabilität und mögliche Immuninterferenz zwischen den Komponenten erhebliche logistische und immunologische Hürden dar. Zudem zeigen traditionelle systemische Impfungen oft nur begrenzte Stimulation der lokalen , die für den Schutz der Atemwege entscheidend ist.
Um diese Einschränkung zu überwinden, wird die intranasale Verabreichung von Impfstoffen intensiv erforscht. Intranasale Subunit-Impfstoffe konnten in präklinischen Modellen sowohl systemische als auch mukosale Immunantworten hervorrufen, einschließlich der Produktion von immunglobulin A (IgA), was für die Abwehr am primären Eintrittsort des Virus von entscheidender Bedeutung ist [130]. Diese Strategie zielt darauf ab, eine lokale Immunüberwachung durch tissue-resident memory T cells und sekretorische Antikörper zu etablieren, um eine rasche Reaktion bei erneuter Exposition zu ermöglichen [135].
Ein weiterer innovativer Ansatz konzentriert sich auf konservierte virale Epitope, die über Serotypen hinweg bestehen bleiben. Beispielsweise wurde gezeigt, dass die Immunisierung mit einem konservierten Fragment des VP1-Proteins cross-serotypische T-Zell- und Antikörperantworten induzieren kann [136]. Da T-Zellen häufig auf konservierte, interne virale Proteine wie 3D (RNA-Polymerase) oder 2C (ATPase) reagieren, könnten Impfstoffe, die solche Epitope präsentieren, eine breitere zelluläre Immunität fördern, die zwar die Infektion nicht vollständig verhindert, aber die Schwere der Erkrankung reduziert [137].
Antivirale Wirkstoffe: Wirkmechanismen und klinische Hürden
Zwei Hauptklassen von antiviralen Wirkstoffen wurden für die Behandlung von Rhinovirusinfektionen untersucht: Kapsidbinder und Proteaseinhibitoren. Kapsidbinder wie pleconaril oder pirodavir stabilisieren die virale Hülle, indem sie in eine hydrophobe Tasche im VP1-Protein eindringen. Diese Stabilisierung verhindert die für die Entkapselung notwendigen konformationellen Veränderungen, wodurch die Freisetzung der viralen RNA blockiert wird [138]. Strukturuntersuchungen mittels cryo-electron microscopy haben die genaue Bindungsstelle und den Wirkmechanismus dieser Verbindungen aufgeklärt [139].
Proteaseinhibitoren zielen auf die hochkonservierte 3C protease (3Cpro), ein essentielles Enzym, das die virale Polyprotein-Vorstufe in funktionelle Proteine spaltet. Der Prototyp rupintrivir (AG7088) bindet irreversibel an das katalytische Cystein-147-Rest in der aktiven Stelle von 3Cpro und hemmt so die virale Replikation [140]. Die hohe Konservierung von 3Cpro über Serotypen hinweg macht es zu einem attraktiven Ziel für breitspektrumwirksame Antivirale.
Trotz vielversprechender präklinischer Ergebnisse blieben klinische Studien weitgehend erfolglos. Kapsidbinder wie WIN 54954 zeigten in menschlichen Challenge-Studien keine protektive Wirkung, möglicherweise aufgrund unzureichender Konzentrationen am Infektionsort [141]. Auch Rupintrivir, das als Nasenspray verabreicht wurde, konnte in einer Phase-II-Studie die Viruslast und Symptome reduzieren, wurde jedoch aufgrund von Formulierungsproblemen und nur geringem klinischem Nutzen nicht weiterentwickelt [142]. Hauptgründe für diesen Translationsbruch sind die schnelle Virusreplikation (Spitze innerhalb von 24–48 Stunden), die enge therapeutische Zeitfenster, die hohe genetische Diversität, die zur Resistenzentwicklung führt, sowie die Tatsache, dass ein Großteil der Symptome auf die Wirtsentzündungsreaktion zurückzuführen ist, nicht auf direkte Virusvermehrung [143].
Host-Directed Therapies: Ein vielversprechender neuer Ansatz
Host-directed therapies (HDTs) stellen eine vielversprechende Alternative zu direkten antiviralen Wirkstoffen dar, da sie auf zelluläre Wirtsfaktoren abzielen, die für die Virusreplikation unerlässlich sind. Ein Beispiel ist die Hemmung der Wirtslipidkinase phosphatidylinositol 4-kinase IIIβ (PI4KIIIβ), die für die Bildung viraler Replikationsorganellen benötigt wird. Inhibitoren dieser Kinase zeigen breitspektrumwirksame Aktivität gegen mehrere Rhinovirusserotypen [144]. Ein entscheidender Vorteil von HDTs ist die geringere Neigung zur Resistenzentwicklung, da Wirtsfaktoren genetisch stabil sind und sich nicht unter Selektionsdruck verändern [145].
Weitere HDT-Strategien aktivieren die angeborene Immunität des Wirts. So induziert die intranasale Gabe von neomycin die Expression interferonstimulierter Gene (ISGs) in der Nasenschleimhaut und bietet so breiten Schutz gegen obere Atemwegsinfektionen [146]. Ähnlich wirken STING agonists, die über nasale Nanopartikel appliziert werden und in Tiermodellen Schutz gegen mehrere Atemwegsviren vermitteln [147]. Diese Ansätze zielen darauf ab, die Schleimhaut in einen antiviralen Zustand zu versetzen, was besonders für die Prophylaxe geeignet sein könnte.
Formulierung und Verabreichung: Schlüssel für den Erfolg
Die intranasale Verabreichung ist für antivirale Wirkstoffe gegen Rhinoviren besonders vorteilhaft, da sie hohe lokale Konzentrationen am primären Infektionsort ermöglicht und systemische Nebenwirkungen minimiert [148]. Allerdings müssen Formulierungshürden wie die schnelle mucociliary clearance und enzymatische Degradation überwunden werden. Dazu werden fortschrittliche Systeme wie mucoadhäsive nanoparticles (z. B. auf chitosan-Basis), mukuspenetrierende Nanopartikel mit polyethylene glycol (PEG)-Beschichtung oder thermosensitive Gels eingesetzt, um die Verweildauer und Penetration in die Nasenschleimhaut zu verbessern [149]. Die Wahl des Sprühgeräts beeinflusst ebenfalls die Ablagerungseffizienz und muss sorgfältig auf das Zielgebiet (olfaktorische oder respiratorische Region) abgestimmt werden [150]. Die kontinuierliche Entwicklung solcher Formulierungen ist entscheidend, um das Potenzial von antiviralen und host-directed Ansätzen in klinische Wirksamkeit umzusetzen.
Rolle bei Atemwegserkrankungen und Exazerbationen
Rhinoviren sind zwar hauptsächlich für milde obere Atemwegsinfektionen wie die Erkältung verantwortlich, spielen aber eine entscheidende Rolle bei der Verschlechterung chronischer Atemwegserkrankungen und können schwere Exazerbationen auslösen. Besonders bei vulnerablen Bevölkerungsgruppen wie Kindern, älteren Menschen und Personen mit vorbestehenden Lungenerkrankungen können Rhinoviren zu erheblichen Komplikationen führen. Die Viren infizieren vor allem die Schleimhaut der oberen Atemwege, können jedoch bei immungeschwächten oder prädisponierten Individuen in die unteren Atemwege eindringen und dort schwere Entzündungen verursachen [2].
Rhinovirus und Asthma-Exazerbationen
Rhinoviren sind der häufigste virale Auslöser von Asthma-Exazerbationen und verantworten bis zu 80 % aller virusbedingten Asthmaanfälle bei Kindern und Erwachsenen [27]. Bei asthmatischen Patienten ist die angeborene Immunantwort auf Rhinovirusinfektionen oft vermindert, insbesondere die Produktion von Typ-I- und Typ-III-Interferonen wie IFN-β und IFN-λ. Diese verminderte antivirale Abwehr führt zu einer erhöhten Virusreplikation und verlängerten Virusausscheidung [29]. Gleichzeitig reagieren asthmatische Atemwege mit einer übermäßigen Entzündungsreaktion, gekennzeichnet durch die Rekrutierung von Neutrophilen und Eosinophilen, vermehrte Schleimproduktion und Bronchokonstriktion [30].
Ein weiterer Mechanismus ist die Aktivierung des epithelialen RIG-I-Inflammasoms, das paradoxerweise die antivirale Immunität unterdrückt, während es gleichzeitig entzündungsfördernde Zytokine wie IL-1β freisetzt. Dieser Prozess verstärkt die Atemwegsobstruktion und trägt zur Schwere der Exazerbation bei [46]. Zudem beeinträchtigen Rhinoviren die Integrität der Epithelbarriere, was die Penetration von Allergenen erleichtert und die allergische Sensibilisierung verstärkt [156]. Genetische Faktoren, wie Polymorphismen im 17q21-Locus (z. B. in den Genen ORMDL3 und GSDMB), erhöhen die Anfälligkeit für Rhinovirus-induziertes Keuchen und die Entwicklung von persistierendem Asthma im Kindesalter [63].
Rhinovirus und COPD-Exazerbationen
Rhinoviren sind auch ein bedeutender Trigger akuter Exazerbationen der chronischen obstruktiven Lungenerkrankung (COPD), wobei sie für 10–30 % aller Exazerbationen verantwortlich gemacht werden [31]. Bei COPD-Patienten führt die Rhinovirusinfektion zu einer verstärkten Entzündung der Atemwege, gekennzeichnet durch erhöhte Konzentrationen von IL-8 und anderen proinflammatorischen Mediatoren, die die Rekrutierung von Neutrophilen fördern [32]. Die Virusinfektion beeinträchtigt die mukoziliäre Clearance und begünstigt so sekundäre bakterielle Kolonisationen, was die Schwere der Exazerbation weiter erhöht [32]. Zudem zeigen COPD-Patienten oft eine verlängerte Virusausscheidung, was die Dauer der Symptome und das Übertragungsrisiko erhöht [34]. Experimentelle Studien bestätigen, dass Rhinovirusinfektionen bei COPD-Patienten zu einer signifikanten Verschlechterung der Lungenfunktion und systemischen Entzündung führen [162].
Komplikationen bei Kindern und immungeschwächten Personen
Bei Kindern, insbesondere Säuglingen und Kleinkindern unter fünf Jahren, sind Rhinoviren eine der häufigsten Ursachen für schwere Atemwegserkrankungen und Krankenhausaufenthalte [23]. Sie sind eng mit der Entwicklung von Bronchiolitis, Pneumonie, Mittelohrentzündung und Sinusitis assoziiert [74]. Bei immungeschwächten Personen, wie Empfängern von Stammzelltransplantationen oder Organtransplantationen, kann eine Rhinovirusinfektion zu einer schweren unteren Atemwegsinfektion mit hohem Risiko für Atemversagen und hoher Letalität führen [71]. In diesen Patienten sind die Viruslasten oft höher und die Infektionen länger andauernd, was die klinischen Ergebnisse verschlechtert [73].
Rolle bei älteren Erwachsenen
Ältere Erwachsene, insbesondere solche über 65 Jahren, sind ebenfalls einem erhöhten Risiko für schwere Rhinovirusinfektionen ausgesetzt. Studien zeigen, dass Rhinovirusinfektionen bei älteren Menschen im häuslichen Umfeld zu schweren unteren Atemwegskomplikationen führen können, besonders bei Vorliegen chronischer Erkrankungen wie chronischer Lungenerkrankung oder Herzinsuffizienz [25]. Krankenhausaufenthalte aufgrund von Rhinovirusinfektionen bei älteren Patienten sind mit einer unerwartet hohen Morbidität und Mortalität verbunden, die manchmal sogar die von Influenza übersteigt [66]. Ausbrüche in Alten- und Pflegeheimen können zu erheblichen Todesfällen führen [67].