Die Financial Conduct Authority (FCA) ist die unabhängige Aufsichtsbehörde für die Finanzdienstleistungsbranche im Vereinigten Königreich und wurde am 1. April 2013 als Teil einer umfassenden Reform des Finanzregulierungssystems gegründet, die durch den Financial Services Act 2012 ermöglicht wurde [1]. Sie löste die Financial Services Authority (FSA) ab und übernahm deren Zuständigkeiten im Bereich der Verhaltensaufsicht, während die Prudential Regulation Authority (PRA) unter der Bank of England für die risikobasierte, kapitalmäßige Aufsicht zuständig ist [2]. Die FCA verfolgt drei gesetzliche Hauptziele: den Schutz von Verbrauchern, die Wahrung der Integrität der Finanzmärkte und die Förderung wirksamen Wettbewerbs im Interesse der Verbraucher, wie im Financial Services and Markets Act 2000 (FSMA 2000) festgelegt [3]. Zudem verfolgt sie ein sekundäres Ziel, die internationale Wettbewerbsfähigkeit und das mittel- bis langfristige Wachstum der britischen Wirtschaft zu unterstützen [4]. Die FCA reguliert über 41.000 Finanzinstitute, darunter Banken, Versicherungsunternehmen, Investmentfonds, Kryptoassets-Firmen und Finanzberater, und setzt durch umfassende Befugnisse in den Bereichen Regulierung, Aufsicht und Durchsetzung Standards durch [5]. Zu ihren wichtigsten Instrumenten gehören die Einführung der Consumer Duty, die Durchführung von Regulatory Sandboxes zur Förderung von FinTech-Innovationen und die Anwendung von Sanktionen bei Regelverstößen, wie etwa die Geldstrafe gegen CB Payments Limited (Coinbase) [6]. Die FCA arbeitet eng mit internationalen Organisationen wie dem Financial Stability Board (FSB) und der International Organization of Securities Commissions (IOSCO) zusammen und koordiniert ihre Maßnahmen mit Behörden wie der European Securities and Markets Authority (ESMA) [7]. Ihre Arbeit erfolgt unabhängig von der Regierung, ist jedoch gegenüber dem Parlament rechenschaftspflichtig, insbesondere über den Treasury Select Committee [8].

Gründung und historische Entwicklung

Die Gründung der Financial Conduct Authority (FCA) am 1. April 2013 markierte einen entscheidenden Wendepunkt in der Geschichte der britischen Finanzaufsicht. Sie entstand als zentrale Reformmaßnahme im Zuge der Reaktion auf die globale Finanzkrise von 2007–2008, die gravierende regulatorische Versäumnisse im bestehenden System offenbarte. Die FCA trat die Nachfolge der Financial Services Authority (FSA) ein, die als einzige integrierte Aufsichtsbehörde seit 2001 sowohl für die risikobasierte, kapitalmäßige Aufsicht (Prudenz) als auch für die Verhaltensaufsicht zuständig war [2]. Die FSA wurde am selben Tag wie die FCA abgeschafft, und ihre Zuständigkeiten wurden aufgeteilt, um strukturelle Konflikte zu vermeiden und die regulatorische Effektivität zu steigern [1].

Die Reform durch den Financial Services Act 2012

Die rechtliche Grundlage für die Schaffung der FCA bildete der Financial Services Act 2012, der am 19. Dezember 2012 die königliche Zustimmung erhielt und am 1. April 2013 in Kraft trat [11]. Dieses Gesetz führte ein „Twin-Peaks“-Modell der Finanzaufsicht ein, das die regulatorischen Funktionen klar trennte:

  • Die neu geschaffene Financial Conduct Authority (FCA) übernahm die Verantwortung für die Verhaltensaufsicht, den Verbraucherschutz, die Wahrung der Marktintegrität und die Förderung des Wettbewerbs.
  • Die Prudential Regulation Authority (PRA), eine Tochtergesellschaft der Bank of England, wurde für die prudentielle Aufsicht über Banken, Versicherungen und große Investmentfirmen zuständig [12].

Diese Trennung war eine direkte Antwort auf die Kritik, dass die FSA aufgrund ihres Doppelmandats systemische Risiken nicht rechtzeitig erkannt und aufgedeckt hatte, wie beispielsweise bei den Zusammenbrüchen von HBOS und RBS. Der „leichte“ Regulierungsansatz der FSA wurde als von politischem Druck und dem Wunsch um internationale Wettbewerbsfähigkeit geprägt angesehen, was zu einer Unterbewertung von Risiken führte [13].

Integration der prudentiellen Aufsicht in die Bank of England

Ein weiterer zentraler Aspekt der Reform war die Integration der prudentiellen Aufsicht in die Bank of England. Die Schaffung der Prudential Regulation Authority (PRA) unter dem Dach der Zentralbank stärkte die makroprudentielle Überwachung erheblich. Dies ermöglichte eine bessere Abstimmung zwischen Geldpolitik, Finanzstabilität und mikroprudentieller Aufsicht. Die Financial Policy Committee (FPC) der Bank of England wurde mit der Aufgabe betraut, systemische Risiken im gesamten Finanzsystem zu identifizieren und zu mindern, was zuvor eine Lücke im Regulierungsrahmen darstellte [14].

Verbesserte Koordinationsmechanismen und Governance

Um sicherzustellen, dass die neue Struktur effektiv funktioniert und regulatorische Lücken oder Überschneidungen vermieden werden, wurden formelle Koordinationsmechanismen eingeführt. Ein zentraler Baustein ist das Memorandum of Understanding (MoU) zwischen der FCA, der PRA und der Bank of England, das die Rollenverteilung, Informationsaustauschprotokolle und gemeinsame Entscheidungsprozesse festlegt [15]. Diese Mechanismen zielen darauf ab, eine holistische Aufsicht über dual-regulierte Unternehmen (die von beiden Behörden beaufsichtigt werden) zu gewährleisten.

Die FCA wurde als unabhängige Behörde mit eigenem Verwaltungsrat, eigener Finanzierung und klaren Rechenschaftspflichten gegenüber dem Parlament, insbesondere gegenüber dem Treasury Select Committee, etabliert. Dies erhöhte die Transparenz und demokratische Kontrolle. Die Ernennung von Lord Turner als erster Vorsitzender der FCA im Juni 2012 signalisierte den Beginn dieser neuen Ära der Finanzaufsicht [16].

Behebung der Mängel des Vorgängermodells

Die Reform durch den Financial Services Act 2012 adressierte direkt die identifizierten Schwächen des FSA-Modells:

  • Beseitigung von Interessenkonflikten: Die Trennung von prudentieller und verhaltensbezogener Aufsicht löste den zentralen Konflikt, der die FSA behindert hatte.
  • Stärkung der Systemfokussierung: Die Einbindung der PRA in die Bank of England und die Schaffung der Financial Policy Committee ermöglichten eine effektive Überwachung systemischer Risiken.
  • Verbesserter Verbraucherschutz: Hochkarätige Skandale wie der PPI-Verkaufsskandal und die LIBOR-Manipulation hatten den Versagen der FSA bei der Durchsetzung von Verhaltensstandards offenbart. Das neue Mandat der FCA mit einem klaren Fokus auf Verbraucherschutz und Marktintegrität sowie stärkeren Durchsetzungsbefugnissen war darauf ausgelegt, das öffentliche Vertrauen wiederherzustellen [17].

Insgesamt repräsentiert die Gründung der Financial Conduct Authority eine tiefgreifende Transformation des britischen Finanzregulierungssystems. Durch die Einführung des „Twin-Peaks“-Modells, die Klarstellung der regulatorischen Mandate und die Stärkung der makroprudentiellen Überwachung wurde ein widerstandsfähigeres, transparenteres und verantwortungsvolleres System geschaffen, das darauf abzielt, Verbraucher zu schützen, die Marktintegrität zu wahren und die Finanzstabilität zu sichern.

Rechtliche Rahmenbedingungen und Aufsichtsziele

Die rechtlichen Rahmenbedingungen und Aufsichtsziele der Financial Conduct Authority (FCA) sind im Financial Services and Markets Act 2000 (FSMA 2000) verankert, der als zentrales Gesetzeswerk der britischen Finanzregulierung dient [3]. Dieses Gesetz wurde durch den Financial Services Act 2012 erheblich überarbeitet und erweitert, was die Schaffung der FCA als eigenständige Aufsichtsbehörde ermöglichte und die bis dahin integrierte Financial Services Authority (FSA) ersetzte [11]. Der 2012 eingeführte „Zwei-Spitzen“-Ansatz trennte die Verhaltensaufsicht von der kapitalmäßigen, risikobasierten Aufsicht, wodurch die FCA für die Marktintegrität, den Verbraucherschutz und die Förderung des Wettbewerbs zuständig wurde, während die Prudential Regulation Authority (PRA) unter der Bank of England die prudenzpolitische Überwachung übernahm [12].

Gesetzliche Aufsichtsziele

Die FCA verfolgt drei gesetzlich festgelegte Hauptziele, die in Teil 1A, Kapitel 1 des FSMA 2000 codifiziert sind und ihre gesamte regulatorische Tätigkeit leiten. Das übergeordnete strategische Ziel der FCA ist es, sicherzustellen, dass die finanziellen Märkte im Vereinigten Königreich gut funktionieren [3]. Um dieses Ziel zu erreichen, verfolgt die FCA drei operationelle Ziele:

  1. Verbraucherschutz: Die FCA hat die Aufgabe, ein angemessenes Maß an Schutz für Verbraucher finanzieller Dienstleistungen sicherzustellen. Dies umfasst die Gewährleistung fairer Behandlung, transparenter Produktinformationen und den Schutz vor irreführenden Beratungen oder unfairen Vertragsklauseln [3]. Die Einführung der Consumer Duty im Jahr 2023 markiert eine Verschärfung dieses Ziels, indem sie von den Unternehmen verlangt, aktiv gute Ergebnisse für Privatkunden zu erzielen [23].

  2. Marktintegrität: Ein weiteres zentrales Ziel ist der Schutz und die Stärkung der Integrität des britischen Finanzsystems. Die FCA arbeitet aktiv daran, Marktmissbrauch wie Insidergeschäfte oder Marktpositionierung, finanzielle Kriminalität und systemische Risiken zu verhindern, um das Vertrauen in die Märkte aufrechtzuerhalten [3]. Dazu gehören auch Maßnahmen zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung, insbesondere im Bereich der Kryptoassets [25].

  3. Förderung wirksamen Wettbewerbs: Die FCA fördert den Wettbewerb auf den Märkten für regulierte Finanzdienstleistungen im Interesse der Verbraucher. Dies bedeutet, dass die Behörde sicherstellt, dass Wettbewerb Innovation, bessere Preise und mehr Auswahl für die Verbraucher fördert [3]. Sie verfügt über gleichzeitige Befugnisse mit der Competition and Markets Authority (CMA) zur Durchsetzung des britischen Wettbewerbsrechts im Finanzsektor [27].

Sekundäres Ziel und internationale Wettbewerbsfähigkeit

Neben diesen primären Zielen hat die FCA ein gesetzlich verankertes sekundäres Ziel, das durch den Financial Services Act 2012 eingeführt wurde: die Unterstützung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit und des mittel- bis langfristigen Wachstums der britischen Wirtschaft, insbesondere des Finanzdienstleistungssektors [4]. Dieses Ziel verpflichtet die FCA, die wirtschaftlichen Auswirkungen ihrer Maßnahmen zu berücksichtigen, ohne dabei die Priorität der primären Ziele zu gefährden. Es spiegelt die Absicht wider, ein regulatorisches Umfeld zu schaffen, das sowohl Verbraucherschutz und Marktintegrität gewährleistet als auch Innovation und Wachstum im Finanzsektor fördert. Der Financial Services and Markets Act 2023 hat dieses sekundäre Ziel bekräftigt und es in den Kontext der post-Brexit-Regulierung gestellt [29].

Statutarische Befugnisse und Rechtsgrundlagen

Die FCA bezieht ihre umfassenden Befugnisse direkt aus dem FSMA 2000, das ihr die notwendigen Instrumente zur Durchsetzung ihrer Ziele verleiht. Zu diesen Befugnissen gehören:

  • Regelsetzung: Die FCA hat die Autorität, verbindliche Regeln und Leitlinien für autorisierte Unternehmen zu erlassen, die in der FCA-Handbuch codifiziert sind [30].
  • Aufsicht und Durchsetzung: Die Behörde verfügt über weitreichende Befugnisse zur Untersuchung von Unternehmen oder Personen, die gegen Vorschriften verstoßen haben. Dazu gehören die Befugnis, Geldstrafen zu verhängen, öffentliche Rügen auszusprechen, Autorisierungen zu entziehen und Personen von der Ausübung regulierter Tätigkeiten auszuschließen [31].
  • Informationsbeschaffung: Die FCA kann Unternehmen auffordern, Informationen, interne Unterlagen und Finanzdaten offenzulegen, um ihre Aufsichtsaufgaben erfüllen zu können [32].
  • Produktverbote: Die Behörde kann finanzielle Produkte oder Dienstleistungen verbieten, die als schädlich für Verbraucher eingestuft werden [33].

Diese Befugnisse ermöglichen der FCA eine proaktive und präventive Regulierung, die darauf abzielt, Schäden für Verbraucher und die Stabilität der Märkte zu verhindern, anstatt nur auf bereits eingetretene Missstände zu reagieren. Die rechtliche Grundlage für diese Machtbefugnisse ist somit ein komplexes, aber klar strukturiertes System aus Primär- und Sekundärrecht, das die FCA in die Lage versetzt, die Integrität und Fairness des britischen Finanzsystems zu gewährleisten.

Regulierte Finanzdienstleistungen und Institutionen

Die Financial Conduct Authority (FCA) reguliert ein breites Spektrum an Finanzdienstleistungen und Institutionen im Vereinigten Königreich, um die Integrität der Finanzmärkte zu wahren, Verbraucher zu schützen und wirksamen Wettbewerb zu fördern. Mit über 41.000 regulierten Unternehmen umfasst ihr Aufsichtsbereich nahezu alle wesentlichen Akteure im britischen Finanzsystem [5]. Die FCA legt dabei den Schwerpunkt auf das Verhalten dieser Institutionen gegenüber Verbrauchern und Märkten, während die Prudential Regulation Authority (PRA) für die kapitalmäßige und risikobasierte Aufsicht zuständig ist [35].

Banken und Sparkassen

Obwohl die Prudential Regulation Authority die primäre Aufsicht über die finanzielle Stabilität von Banken und Sparkassen innehat, ist die FCA für die Regulierung ihres Verhaltens gegenüber Kunden verantwortlich. Dazu gehören Aspekte wie transparente Produktinformationen, faire Kreditvergabepraktiken und die angemessene Behandlung von Kunden in finanziellen Schwierigkeiten. Die FCA stellt sicher, dass diese Institute ihre Verpflichtungen aus dem Consumer Duty erfüllen und keine unfairen Vertragsbedingungen verwenden [36]. Insbesondere bei der Vergabe von Hypotheken und im Bereich Konsumentenkredite überwacht die FCA streng, ob ausreichende Eignungsprüfungen durchgeführt werden.

Investment- und Vermögensverwaltungsgesellschaften

Die FCA reguliert eine Vielzahl von Investmentfonds und Vermögensverwaltungsgesellschaften, die im Auftrag von Privatanlegern und institutionellen Anlegern tätig sind. Dazu gehören Asset-Management-Unternehmen, die Portfolios verwalten, sowie Firmen, die Investitionsberatung oder Portfolio-Management anbieten. Die FCA setzt Standards für die Transparenz von Gebühren, die Offenlegung von Interessenkonflikten und die Eignung von Anlageprodukten für die Zielgruppe. Die Einhaltung der Produktgestaltung-Richtlinien und der MiFID II-Vorgaben ist zentraler Bestandteil der Aufsicht [37].

Versicherungsunternehmen

Versicherungsunternehmen, die Versicherungsprodukte konzipieren, vermarkten oder vertreiben, unterliegen der Regulierung durch die FCA. Dies umfasst sowohl Lebens- als auch Sachversicherungen, einschließlich Kfz-Versicherungen und Reiseversicherungen. Die FCA achtet darauf, dass Versicherungsbedingungen klar und verständlich sind, dass Risiken angemessen kommuniziert werden und dass Vertriebspraktiken fair sind. Besonders bei der Vermarktung von Versicherungen im Zusammenhang mit Krediten, wie etwa Kfz-Finanzierungen, hat die FCA in der Vergangenheit aufgrund von unfairen Praktiken umfassende Rückzahlungsschemata eingeleitet [5].

Zahlungsdienstleister und E-Geld-Institute

Unternehmen, die Zahlungsdienstleistungen anbieten – wie etwa Zahlungsabwickler, Zahlungsportale oder E-Geld-Institute – werden von der FCA gemäß den Payment Services Regulations 2017 reguliert. Die FCA stellt sicher, dass diese Institute über angemessene Systeme zur Betrugsprävention, zur Einhaltung von Geldwäschebekämpfung und zur Wahrung der Kundengelder verfügen. Die Regulierung zielt darauf ab, Vertrauen in digitale Zahlungssysteme zu schaffen und Verbraucher vor Missbrauch und Verlusten zu schützen [39].

Kreditgeber und Konsumentenkreditfirmen

Firmen, die Konsumentenkredite vergeben – darunter Kreditgeber, Kreditmakler, Schuldeneintreiber und Anbieter von Hire-Purchase- oder Payday Loans – müssen von der FCA autorisiert sein. Die FCA setzt strenge Anforderungen an die Eignungsprüfung, um sicherzustellen, dass Kredite nur an Personen vergeben werden, die in der Lage sind, sie zurückzuzahlen. Die Einführung einer Preisobergrenze für kurzfristige Hochzinskredite im Jahr 2015 war ein zentrales Maßnahme zur Verhinderung von Überschuldung und Ausbeutung verletzlicher Verbraucher [40].

Finanzberater und Versicherungsmakler

Unabhängige Finanzberater, Hypothekenmakler und Versicherungsmakler unterliegen der Regulierung durch die FCA, um sicherzustellen, dass sie im besten Interesse ihrer Kunden handeln. Die FCA überwacht, ob Beratungen sachkundig, angemessen und auf die individuellen Bedürfnisse der Kunden zugeschnitten sind. Die Offenlegung von Provisionen und Interessenkonflikten ist verpflichtend, um Transparenz zu gewährleisten. Die Einhaltung der Beratungsgebührenregeln und des Consumer Duty ist für diese Berufsgruppen von zentraler Bedeutung [41].

Kryptoasset-Firmen

Ein zunehmend wichtiger Bereich der Regulierung sind Kryptoassets-Firmen. Die FCA überwacht Unternehmen, die Dienstleistungen wie den Austausch zwischen Kryptoassets und Fiatwährungen anbieten, Wallet-Anbieter sowie Firmen, die bestimmte Krypto-Produkte bewerben. Seit 2019 müssen Krypto-Firmen im Bereich der Geldwäschebekämpfung registriert sein, und ab 2027 wird ein umfassenderes Regulierungsregime in Kraft treten, das die Autorisierung durch die FCA vorschreibt [42]. Die FCA hat bereits Strafen gegen Unternehmen wie CB Payments Limited (Coinbase) verhängt, um Missbrauch und unzureichende Risikokontrollen zu ahnden [6].

Börsen und Handelsplätze

Die FCA reguliert auch Börsen und andere Handelsplätze, um faire und transparente Märkte zu gewährleisten. Dazu gehören traditionelle Börsen, multilaterale Handelssysteme (MTFs) und organisierte Handelsplätze (OTFs). Die FCA setzt Regeln für den Marktzugang, die Handelspraktiken und den Schutz vor Marktmissbrauch wie Insiderhandel und Marktmanipulation. Die Aufsicht erstreckt sich auch auf Marktinfrastruktur-Anbieter wie Clearingstellen, soweit deren Tätigkeiten unter die Zuständigkeit der FCA fallen [44].

Crowdfunding-Plattformen und Peer-to-Peer-Kreditvergabe

Crowdfunding-Plattformen und Anbieter von Peer-to-Peer-Krediten müssen von der FCA autorisiert sein, um rechtlich tätig sein zu dürfen. Die FCA stellt sicher, dass diese Plattformen transparent über Risiken informieren, angemessene Due-Diligence-Prüfungen durchführen und die Interessen der Investoren und Kreditnehmer schützen. Die Regulierung zielt darauf ab, Innovation im Bereich alternativer Finanzierung zu unterstützen, während gleichzeitig das Risiko von Betrug und finanziellen Verlusten minimiert wird [5].

Verbraucherschutz und die Consumer Duty

Die Financial Conduct Authority (FCA) setzt den Verbraucherschutz im britischen Finanzdienstleistungssektor an die Spitze ihrer regulatorischen Agenda. Durch einen umfassenden Ansatz, der auf Regulierung, Aufsicht und Durchsetzung basiert, stellt die FCA sicher, dass Verbraucher fair behandelt werden, transparente Informationen erhalten und vor schädlichen Praktiken geschützt sind. Ein zentraler Bestandteil dieser Strategie ist die Einführung der Consumer Duty, die seit 2023 in Kraft ist und bis 2026 weiter ausgebaut wird [23]. Diese Regelung markiert eine entscheidende Verschiebung von einem prozessorientierten zu einem ergebnisbasierten Verbraucherschutzmodell und verpflichtet Finanzunternehmen, aktiv positive Ergebnisse für ihre Kunden zu erzielen.

Die Consumer Duty: Eine neue Ära des Verbraucherschutzes

Die Consumer Duty stellt einen paradigmatischen Wandel in der Finanzaufsicht dar, weg von der bloßen Einhaltung von Vorschriften hin zur aktiven Verantwortung für das Wohlergehen der Verbraucher. Im Gegensatz zum früheren Rahmenwerk „Treating Customers Fairly“ (TCF), das oft als aspirational und schwer durchsetzbar wahrgenommen wurde, legt die Consumer Duty klare, überprüfbare und sanktionierbare Standards fest [47]. Die FCA verlangt nun nicht nur, dass Unternehmen faire Behandlung anstreben, sondern dass sie nachweisen können, dass sie tatsächlich gute Ergebnisse liefern.

Die Consumer Duty basiert auf einem zentralen Prinzip: „Ein Unternehmen muss handeln, um gute Ergebnisse für Privatkunden zu erzielen“ [48]. Dieses Prinzip wird durch drei übergreifende Regeln unterstützt, die das Verhalten der Unternehmen leiten:

  • Handeln im guten Glauben gegenüber Privatkunden: Unternehmen müssen ehrlich, fair und im besten Interesse ihrer Kunden handeln, ohne Vertrauen zu untergraben oder Verwundbarkeiten auszunutzen.
  • Vermeidung vorhersehbaren Schadens: Es muss aktiv nach Risiken gesucht und Maßnahmen ergriffen werden, um finanziellen, emotionalen oder anderen Schaden für Kunden zu verhindern.
  • Unterstützung der Kunden bei der Verfolgung ihrer finanziellen Ziele: Kunden müssen über die notwendigen Informationen, Werkzeuge und Unterstützung verfügen, um fundierte Entscheidungen zu treffen und ihre finanziellen Ziele zu erreichen [23].

Die vier Schlüsselergebnisse der Consumer Duty

Um sicherzustellen, dass die Consumer Duty in der Praxis umgesetzt wird, hat die FCA vier konkrete Ergebnisbereiche definiert, in denen Unternehmen ihre Leistung nachweisen müssen:

1. Produkte und Dienstleistungen

Finanzprodukte müssen für die beabsichtigte Zielgruppe geeignet sein und ihren Erwartungen entsprechen. Unternehmen müssen robuste Prozesse der Produktgestaltung und -überwachung implementieren, um sicherzustellen, dass Produkte den Bedürfnissen und Merkmalen ihrer Kunden entsprechen [50]. Dies schließt eine klare Identifizierung der Zielgruppe und die kontinuierliche Überwachung der Produktleistung ein.

2. Preis und Wert

Produkte müssen einen fairen Wert bieten, wobei der Nutzen für den Kunden im Verhältnis zum gezahlten Preis steht. Die Bewertung des „fairen Wertes“ berücksichtigt nicht nur den Preis, sondern auch qualitative Faktoren wie Servicequalität, Benutzerfreundlichkeit und Transparenz [23]. Unternehmen sind verpflichtet, regelmäßig zu überprüfen, ob ihre Angebote weiterhin wettbewerbsfähig und gerecht sind.

3. Verbraucherverständnis

Kommunikationen müssen klar, prägnant und zugänglich sein, um sicherzustellen, dass Kunden die wesentlichen Informationen zu Produkten und Dienstleistungen zu jedem Zeitpunkt ihrer Interaktion verstehen können [52]. Dies gilt insbesondere für komplexe Produkte wie Investmentfonds oder Kryptoassets und erfordert eine Anpassung der Kommunikation an verschiedene Zielgruppen, einschließlich verletzlicher Kunden.

4. Verbrauchersupport

Unternehmen müssen effektive Unterstützung anbieten, die auf die Bedürfnisse der Kunden eingeht, insbesondere in kritischen Momenten wie beim Kauf oder bei finanziellen Schwierigkeiten. Der Support muss zeitnah, angemessen und reaktionsschnell sein [53]. Dies umfasst auch die Bereitstellung von Hilfestellungen bei der Schuldenregulierung und die Anpassung der Dienstleistungen an verletzliche Kunden.

Durchsetzung und Überwachung der Consumer Duty

Die Consumer Duty trat am 31. Juli 2023 für laufende Produkte in Kraft, mit einer Übergangsfrist bis zum 31. Juli 2024 für bereits geschlossene Produkte [54]. Die FCA überwacht die Umsetzung durch thematische Überprüfungen, veröffentlicht Beispiele guter Praxis und bietet umfassende Leitlinien zur Unterstützung der Unternehmen [55]. Die Verantwortung für die Einhaltung der Consumer Duty liegt bei den Vorständen und der Unternehmensführung, wobei eine klare Linie der Rechenschaftspflicht für die Erzielung guter Ergebnisse gefordert wird.

Schutz verletzlicher Verbraucher und Bekämpfung unfairer Praktiken

Ein besonderer Schwerpunkt der FCA liegt auf dem Schutz verletzlicher Kunden, also Personen, die aufgrund finanzieller, gesundheitlicher oder situativer Herausforderungen besonders anfällig für Schaden sind. Die FCA hat Leitlinien veröffentlicht – „Guidance for firms on the fair treatment of vulnerable customers“ – um Unternehmen dabei zu unterstützen, ihre Dienstleistungen und Kommunikation an diese Bedürfnisse anzupassen [56]. Darüber hinaus verbietet die FCA unfaire Vertragsklauseln in Finanzdienstleistungen und setzt strenge Regeln für die Beratervergütung durch, um Interessenkonflikte zu offenbaren und das Vertrauen in die Finanzberatung zu stärken [57][58].

Kollektive Entschädigung und systemische Wiedergutmachung

In Fällen von systemischem Schaden kann die FCA branchenweite Entschädigungsprogramme initiieren. Ein prominentes Beispiel ist der vorgeschlagene Motorfinanzierung-Wiedergutmachungsplan aus dem Jahr 2025, der darauf abzielt, etwa 14 Millionen Verbraucher zu entschädigen, die aufgrund nicht offengelegter Provisionen oder anderer Praktiken bei Autokrediten unfair behandelt wurden [59]. Solche Programme ermöglichen eine effiziente, standardisierte Wiedergutmachung, ohne dass Einzelbeschwerden erforderlich sind, und unterstreichen das Engagement der FCA für faire und wirksame Verbraucherergebnisse [60].

Aufsichts- und Durchsetzungsmaßnahmen

Die Financial Conduct Authority (FCA) verfügt über ein umfassendes Instrumentarium an Aufsichts- und Durchsetzungsmaßnahmen, um die Integrität der Finanzmärkte im Vereinigten Königreich zu gewährleisten, Verbraucher zu schützen und wirksamen Wettbewerb zu fördern. Diese Maßnahmen basieren auf den gesetzlichen Befugnissen gemäß dem Financial Services and Markets Act 2000 (FSMA 2000) und dem Financial Services Act 2012, die der FCA weitreichende Autorität zur Regulierung, Überwachung und Strafverfolgung einräumen [3]. Die FCA setzt dabei einen risikobasierten, vorbeugenden Ansatz um, der sowohl auf die Verhinderung von Schäden als auch auf die Bestrafung von Regelverstößen abzielt.

Regulierung, Überwachung und Durchsetzung: Ein integrierter Zyklus

Die FCA verbindet ihre drei Kernfunktionen – Regelsetzung, Überwachung und Durchsetzung – zu einem kohärenten Regulierungszyklus, der auf die Erzielung positiver Ergebnisse für Verbraucher abzielt. Die Regelsetzung erfolgt durch die Erstellung verbindlicher Vorschriften im FCA Handbook, das die Erwartungen an das Verhalten autorisierter Unternehmen festlegt [30]. Zu den zentralen Regelwerken gehören beispielsweise die Anforderungen an die product governance und die Consumer Duty. Die Überwachung ist proaktiv und risikobasiert, wobei die FCA etwa 59.000 Unternehmen in verschiedene Portfolios einteilt, um Ressourcen gezielt auf die risikoreichsten Akteure zu konzentrieren [63]. Bei Unternehmen mit hohem Risiko erfolgt eine direkte, kontinuierliche Beobachtung durch zuständige Fallmanager. Die Durchsetzung tritt dann ein, wenn Unternehmen gegen Regeln verstoßen, und dient als abschreckendes Instrument, das die Glaubwürdigkeit der Regulierung untermauert.

Zentrale Durchsetzungsinstrumente

Die FCA verfügt über eine breite Palette von Durchsetzungsinstrumenten, um Verstöße zu ahnden und Abschreckung zu schaffen. Zu den wichtigsten Maßnahmen gehören:

  • Geldstrafen (Financial Penalties): Die FCA kann erhebliche Geldbußen gegen Unternehmen und Einzelpersonen verhängen. So wurden im Geschäftsjahr 2024/25 über 186 Millionen Pfund an Geldstrafen verhängt [64]. Die Höhe der Strafe wird anhand eines strukturierten Fünf-Schritte-Verfahrens berechnet, das den entstandenen Gewinn, die Schwere des Verstoßes und mildernde oder erschwerende Umstände berücksichtigt [65].
  • Öffentliche Rügen und Endgültige Mitteilungen (Final Notices): Die Veröffentlichung von Endgültigen Mitteilungen, in denen Missstände detailliert aufgeführt werden, dient als Disziplinarmaßnahme und Abschreckung. Im Jahr 2024 wurden 37 solcher Mitteilungen veröffentlicht [66].
  • Verbot von Personen (Prohibition Orders): Die FCA kann Einzelpersonen verbieten, regulierte Tätigkeiten auszuüben, wenn diese als ungeeignet erachtet werden. Dies schützt die Integrität des Finanzsystems [67].
  • Strafverfolgung: In schweren Fällen, etwa bei Marktmanipulation oder Betrug, kann die FCA strafrechtliche Anklage erheben. Im Jahr 2024/25 wurden fünf strafrechtliche Verurteilungen erreicht [64].
  • Entzug der Zulassung (Revocation of Authorisation): Die FCA kann die Zulassung eines Unternehmens widerrufen, wodurch es aus dem regulierten Bereich entfernt wird. Im Jahr 2024/25 wurden die Zulassungen von 1.456 Unternehmen widerrufen [64].
  • Benennung und Bloßstellung (Naming and Shaming): Die FCA hat 2025 eine eigene Seite für laufende Ermittlungen eingeführt, um Unternehmen und Personen öffentlich zu benennen, was einen erheblichen Rufschaden verursachen kann [70].

Thematische Überwachung und systemische Eingriffe

Neben der individuellen Überwachung setzt die FCA auch thematische Überprüfungen ein, um sektorweite Probleme zu identifizieren. Beispiele hierfür sind Prüfungen der Systeme und Kontrollen von Unternehmen im Zusammenhang mit Sanktionen oder der Risikobewertung [71]. In Fällen systemischer Schäden kann die FCA branchenweite Entschädigungsschemata anstoßen. Ein prominentes Beispiel ist das vorgeschlagene Entschädigungsschema für Kfz-Finanzierungen, das darauf abzielt, rund 14 Millionen Verbraucher zu entschädigen, die aufgrund nicht offengelegter Provisionen oder anderer Praktiken unfair behandelt wurden [59]. Solche Maßnahmen ermöglichen eine effiziente und standardisierte Entschädigung, ohne dass Einzelbeschwerden erforderlich sind.

Koordination mit anderen Regulierungsbehörden und Strafverfolgung

Die FCA arbeitet eng mit anderen Aufsichtsbehörden zusammen, insbesondere mit der Prudential Regulation Authority (PRA) und der Bank of England. Ein umfassendes Memorandum of Understanding (MoU) zwischen diesen Institutionen legt die Zusammenarbeit, den Informationsaustausch und gemeinsame Entscheidungsprozesse fest [15]. Bei grenzüberschreitenden Fällen koordiniert die FCA ihre Maßnahmen mit internationalen Partnern wie der European Securities and Markets Authority (ESMA) [7] und der U.S. Securities and Exchange Commission (SEC) [75]. Bei strafrechtlichen Ermittlungen arbeitet die FCA eng mit dem Serious Fraud Office (SFO) und der National Crime Agency (NCA) zusammen, um Durchsuchungen durchzuführen, Verdächtige festzunehmen und Vermögenswerte sicherzustellen [76].

Die Rolle der Consumer Duty bei der Durchsetzung

Die Consumer Duty hat die Durchsetzungsstrategie der FCA entscheidend geprägt. Sie verlangt von Unternehmen, „gute Ergebnisse für Privatkunden“ zu erzielen, und stellt damit einen höheren, klareren und durchsetzbaren Maßstab dar als das frühere Konzept der fairen Kundenbehandlung (Treating Customers Fairly) [23]. Die Durchsetzung der Consumer Duty erfolgt durch thematische Überprüfungen, bei denen die FCA gute und schlechte Praktiken dokumentiert, und durch gezielte Sanktionen gegen Unternehmen, die den Anforderungen nicht gerecht werden. Dieser umsatzorientierte Ansatz zwingt Unternehmen, das Wohl des Kunden in jede Entscheidung einzubeziehen, und ermöglicht der FCA, auch dann einzugreifen, wenn kein vorsätzliches Fehlverhalten vorliegt, aber dennoch Schaden entstanden ist.

Förderung von Innovation und Regulierungstechnologien

Die Financial Conduct Authority (FCA) spielt eine zentrale Rolle bei der Förderung von Innovation im britischen Finanzsektor, insbesondere durch die Etablierung von Regulierungsrahmen, die es FinTech-Unternehmen ermöglichen, neue Produkte und Dienstleistungen unter Aufsicht zu testen und zu entwickeln. Ein zentrales Instrument hierfür ist die Regulatory Sandbox, die 2016 eingeführt wurde und FinTech-Firmen erlaubt, innovative Finanzprodukte, -dienstleistungen oder Geschäftsmodelle in einer kontrollierten Umgebung mit echten Verbrauchern zu erproben, während sie unter der Aufsicht der FCA stehen [78]. Die Sandbox bietet teilnehmenden Unternehmen maßgeschneiderte regulatorische Anleitung sowie gegebenenfalls vorübergehende Genehmigungen oder Befreiungen, um regulatorische Hürden zu senken und die Markteinführungszeit zu verkürzen. Seit ihrer Einführung hat die FCA mehrere Kohorten von Unternehmen in die Sandbox aufgenommen, darunter die vierte Kohorte im April 2024 mit 29 ausgewählten Firmen, die an Innovationen im Bereich der verteilten Ledger-Technologie (DLT) und der KI-gestützten Finanzberatung arbeiten [79].

Digital Sandbox und Supercharged Sandbox

Zur Unterstützung datengetriebener Innovationen hat die FCA 2023 die permanente Digital Sandbox eingeführt, eine sichere, cloudbasierte Plattform, die synthetische und anonymisierte Finanzdaten sowie APIs bereitstellt [80]. Diese ermöglicht es Unternehmen, Prototypen im Bereich der Open Banking, der KI-Analytik und der RegTech-Lösungen zu entwickeln, ohne reale Kundendaten zu verwenden. Die Digital Sandbox fördert insbesondere sektorübergreifende Innovationen, wie aus den Bewerbungen für die Sandbox hervorgeht, bei denen 53 % der Anträge auf integrierte Finanzlösungen abzielten [81]. Im Juni 2025 kündigte die FCA die Einführung der Supercharged Sandbox an, eine erweiterte Version, die auf Schlüsselbereiche wie künstliche Intelligenz, Klimatechnologie und finanzielle Resilienz fokussiert ist [82]. In Zusammenarbeit mit NVIDIA bietet die Supercharged Sandbox Zugang zu Hochleistungsrechnern und technischer Expertise, um sichere Experimente mit KI-Anwendungen zu ermöglichen, wie beispielsweise Napier AI mit ihrer „Insights AI“-Plattform demonstrierte [83].

Innovation Hub und internationale Kooperation

Der Innovation Hub der FCA bietet einen umfassenden Ansatz zur Unterstützung von Start-ups und innovativen Unternehmen. Er umfasst verschiedene Initiativen wie die Innovation Pathways, die Unternehmen bei der Interpretation der FCA-Vorschriften und dem Zulassungsprozess unterstützen, sowie die Organisation von TechSprints, bei denen innerhalb kurzer Zeit Lösungen für spezifische Herausforderungen entwickelt werden, beispielsweise zur Verbesserung der Marktmissbrauchsüberwachung oder zur Finanzierung von Kleinen und mittleren Unternehmen [84], [85]. Darüber hinaus koordiniert die FCA das Global Financial Innovation Network (GFIN), ein multilaterales Netzwerk von über 70 Regulierungsbehörden weltweit, das grenzüberschreitende Testumgebungen („Testbeds“) ermöglicht und regulatorische Harmonisierung fördert [86]. Zusätzlich hat die FCA „FinTech Bridges“ mit Regulierungsbehörden in Australien, Singapur, Hongkong und den Vereinigten Staaten eingerichtet, um die bilaterale Zusammenarbeit und den Marktzugang zu erleichtern [87].

Wirkung auf Marktzugang und Investitionen

Die Innovationsprogramme der FCA haben sich als hochwirksam erwiesen, um die Markteinführungszeit für konforme Finanzprodukte zu verkürzen. Unternehmen, die an den Programmen teilnehmen, profitieren von verkürzten Genehmigungsfristen, erhalten Feedback innerhalb von zwei bis drei Wochen und werden von zugewiesenen Fallbearbeitern begleitet, was den Zulassungsprozess erheblich beschleunigt [88]. Studien zeigen, dass Unternehmen, die mit den Innovationsdiensten der FCA zusammenarbeiten, 50 % wahrscheinlicher sind, Kapital zu beschaffen, und im Durchschnitt 15 % mehr pro Finanzierungsrunde einwerben [89]. Seit dem Start des Innovationsprogramms im Jahr 2014 wurden fast 1.000 Unternehmen unterstützt, was die FCA zu einem globalen Vorbild für regulatorische Innovation macht [89]. Diese Erfolge unterstreichen, wie die FCA durch die Schaffung sicherer Testumgebungen, die Bereitstellung technologischer Infrastruktur und die Förderung internationaler Zusammenarbeit eine resiliente, wettbewerbsfähige und inklusive Finanzlandschaft in Großbritannien aufbaut.

Internationale Zusammenarbeit und Koordination

Die Financial Conduct Authority (FCA) spielt eine aktive Rolle in der internationalen Finanzaufsicht und trägt maßgeblich zur Entwicklung globaler Regulierungsstandards bei. Durch ihre Beteiligung an führenden internationalen Gremien und die Nutzung formeller Kooperationsmechanismen koordiniert die FCA ihre Aufsichtstätigkeit mit ausländischen Regulierungsbehörden, um die Stabilität des globalen Finanzsystems zu stärken und grenzüberschreitende Risiken effektiv zu steuern. Zu den zentralen Organisationen, mit denen die FCA zusammenarbeitet, gehören der Financial Stability Board (FSB) und die International Organization of Securities Commissions (IOSCO) [86]. Diese Mitgliedschaften ermöglichen es der FCA, an der Formulierung internationaler Standards für Markintegrität, Anlegerschutz und Transparenz mitzuwirken und globale Reformen zur Bekämpfung systemischer Risiken zu unterstützen.

Formelle Kooperationsrahmen und bilaterale Abkommen

Die FCA verfügt über ein umfassendes Netzwerk formeller Vereinbarungen, das den Informationsaustausch und die konsultierte Zusammenarbeit mit ausländischen Regulierungsbehörden ermöglicht. Ein zentrales Instrument ist das Memorandum of Understanding (MoU) mit der European Securities and Markets Authority (ESMA), das die Koordination bei der grenzüberschreitenden Aufsicht und den Austausch aufsichtsrelevanter Informationen regelt [7]. Zusätzlich unterhält die FCA ein multilaterales MoU mit den zuständigen Behörden des European Economic Area (EEA), das die gegenseitige Unterstützung bei aufsichtlichen Maßnahmen fördert [93].

Darüber hinaus hat die FCA Kooperationsabkommen mit Regulierungsbehörden außerhalb der EU geschlossen, darunter mit der Japanese Financial Services Agency (JFSA) [94] und der India International Financial Services Centre Authority (IFSCA), mit der 2026 Schreiben zum gegenseitigen Austausch von Kooperationsvereinbarungen ausgetauscht wurden [95]. Ein weiteres bedeutendes MoU wurde im Januar 2026 zwischen britischen und EU-Regulierungsbehörden unterzeichnet, um die Aufsicht über kritische Drittanbieter zu stärken und die Resilienz gegenüber grenzüberschreitenden Risiken zu erhöhen [96].

Mitwirkung an globalen Regulierungsstandards

Die Beteiligung der FCA an globalen Standardsetzungsorganisationen ist entscheidend für die Gestaltung konsistenter und qualitativ hochwertiger Regulierungsrahmen. Im Rahmen des Financial Stability Board (FSB) arbeitet die FCA an Initiativen zur Identifizierung systemischer Anfälligkeiten und zur Koordination regulatorischer Maßnahmen. Besonders hervorzuheben ist ihre Mitwirkung an gemeinsamen Projekten mit der IOSCO zur Regulierung von Liquiditätsrisiken in offenen Fonds, die im Dezember 2023 veröffentlicht wurden [97]. Die FCA nimmt auch an Szenarienübungen des FSB teil, wie der systemweiten Erkundungsszenerie zu Risiken aus nicht-banklichen Finanzintermediären, die auf die Verbesserung der Resilienz abzielen [98].

Als Mitglied der International Organization of Securities Commissions (IOSCO) leistet die FCA einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung internationaler Standards für Marktintegrität und Anlegerschutz [99]. IOSCO hat maßgebliche Berichte zur Regelung von Margin-Anforderungen in geclearten und nicht geclearten Märkten veröffentlicht, deren finale Fassungen im März 2025 erschienen und darauf abzielen, Konsistenz und Risikomanagement weltweit zu verbessern [100]. Die FCA unterstützt diese Initiativen aktiv und integriert relevante Standards in ihr nationales Regulierungssystem.

Förderung internationaler Innovation und Koordination

Über die traditionelle Aufsicht hinaus fördert die FCA die internationale regulatorische Harmonisierung durch innovationsgetriebene Initiativen. Sie ist Mitinitiatorin des Global Financial Innovation Network (GFIN), einer multilateralen Gruppe von Regulierungsbehörden, die den grenzüberschreitenden Test von FinTech-Lösungen erleichtert und gemeinsame Ansätze für aufkommende Technologien entwickelt [86]. Diese Plattform ermöglicht es der FCA, die globale regulatorische Diskussion über digitale Vermögenswerte, künstliche Intelligenz und finanzielle Inklusion mitzugestalten.

Die FCA betont zudem die Notwendigkeit, globale Standards an lokale Gegebenheiten anzupassen, ohne dabei die internationale Ausrichtung aufzugeben. In Reden und Publikationen hat sie die Notwendigkeit von „globaler Regulierung, lokalen Lösungen“ hervorgehoben und plädiert für proportionierte, wirksame Rahmenbedingungen, die sowohl die finanzielle Stabilität als auch die Wettbewerbsfähigkeit unterstützen [102].

Strategische Verankerung internationaler Zusammenarbeit

Der strategische Ansatz der FCA zur internationalen Zusammenarbeit ist fest in ihre übergeordneten regulatorischen Ziele eingebettet. Sie bewertet die weiterreichenden Auswirkungen internationaler Entwicklungen mithilfe ihres Wider Implications Framework und pflegt ein öffentlich zugängliches Regulatory Initiatives Grid, um Transparenz in ihrer nationalen und grenzüberschreitenden Regelsetzung zu gewährleisten [103]. Diese Instrumente helfen dabei, die britische Regulierung mit globalen Trends in Einklang zu bringen und gleichzeitig Risiken aus der internationalen Finanzintegration zu managen.

Governance und individuelle Verantwortlichkeit

Die Governance-Struktur der Financial Conduct Authority (FCA) basiert auf klaren Verantwortlichkeiten und einem umfassenden Rahmen zur Sicherstellung individueller Rechenschaftspflicht innerhalb der Finanzbranche. Ein zentraler Bestandteil dieses Systems ist der Senior Managers and Certification Regime (SM&CR), der nach der Finanzkrise 2008 eingeführt wurde, um strukturelle Defizite im Verantwortungsbewusstsein und in der Unternehmensführung zu beheben [104]. Der SM&CR ersetzt den früheren Approved Persons Regime (APER) und zielt darauf ab, eine Kultur der Verantwortung, Transparenz und Integrität in regulierten Finanzinstituten zu fördern.

Senior Managers and Certification Regime (SM&CR)

Der SM&CR gliedert sich in drei Kernkomponenten: den Senior Managers Regime (SMR), das Certification Regime und die Conduct Rules. Das SMR verlangt, dass Personen, die bestimmte leitende Funktionen (Senior Management Functions, SMFs) ausüben, vor ihrer Ernennung von der FCA oder der Prudential Regulation Authority (PRA) genehmigt werden müssen [105]. Diese Genehmigung stellt sicher, dass nur Personen mit ausreichender Eignung, Integrität und fachlicher Kompetenz in verantwortungsvolle Positionen gelangen.

Ein zentrales Instrument des SM&CR ist die Statement of Responsibilities (SoR), ein offizielles Dokument, das den genauen Verantwortungsbereich jedes leitenden Mitarbeiters festlegt und von der FCA genehmigt wird [106]. Bei größeren oder komplexeren Instituten („enhanced firms“) ist zudem eine Responsibilities Map erforderlich, die visuell darstellt, wie Verantwortlichkeiten innerhalb des Unternehmens verteilt sind, um Lücken oder Überschneidungen zu vermeiden [106].

Pflicht zur Verantwortung und Durchsetzung

Ein entscheidendes Element des SM&CR ist die sogenannte Duty of Responsibility. Diese verpflichtet leitende Manager, für Regelverstöße in ihrem Zuständigkeitsbereich persönlich zur Rechenschaft gezogen zu werden, sofern sie nicht nachweisen können, dass sie angemessene Maßnahmen ergriffen haben, um den Verstoß zu verhindern [108]. Diese Regelung verstärkt die persönliche Haftung und schafft Anreize für proaktives Risikomanagement und Compliance.

Die FCA verfolgt Verstöße gegen den SM&CR aktiv. Bis November 2024 führte die Behörde 26 laufende Ermittlungen gegen Einzelpersonen, darunter 23 gegen leitende Manager, wegen möglicher Verstöße gegen den SM&CR [109]. Sanktionen können Geldstrafen, öffentliche Rügen in Form von Final Notices oder die lebenslange Sperrung von der Ausübung regulierter Tätigkeiten („Ban“) umfassen [110]. Ein prominentes Beispiel ist die Entscheidung gegen Martin Paul Cooke, dem eine Final Notice wegen Versäumnissen in der Governance erteilt wurde [110].

Fitness- und Eignungsbeurteilungen

Um die Integrität des Finanzsystems zu wahren, müssen leitende Manager als fit and proper gelten. Die FCA bewertet die Eignung anhand von fünf Kriterien: Ehrlichkeit, Integrität und Ruf, Kompetenz und Befähigung, finanzielle Stabilität, vergangenes Geschäftsverhalten und Einhaltung der Conduct Rules [112]. Unternehmen sind verpflichtet, jährliche Beurteilungen durchzuführen und dokumentierte Nachweise zu führen, um „Rubber-Stamp“-Verfahren zu verhindern [113]. Diese kontinuierliche Überprüfung stellt sicher, dass persönliche oder berufliche Veränderungen, die die Eignung beeinträchtigen könnten, rechtzeitig erkannt und adressiert werden.

Governance und technologische Innovation

Die FCA erweitert ihre Governance-Ansätze auch auf neue Technologien. Im Bereich künstliche Intelligenz (KI) betont die Behörde die Notwendigkeit klarer Verantwortlichkeiten für algorithmische Entscheidungsprozesse [114]. Bestehende Regelwerke wie der SM&CR und Anforderungen zur betrieblichen Resilienz werden genutzt, um sicherzustellen, dass leitende Manager für die Nutzung von KI verantwortlich sind. Initiativen wie die AI Supercharged Sandbox in Zusammenarbeit mit NVIDIA ermöglichen es Unternehmen, KI-Anwendungen unter Aufsicht zu testen, während gleichzeitig Governance- und Compliance-Frameworks entwickelt werden [115].

Weiterentwicklung und Bewertung des SM&CR

Der SM&CR unterliegt einer kontinuierlichen Bewertung, um seine Wirksamkeit zu gewährleisten. Die FCA und die Bank of England haben 2025 eine Konsultation (CP18/25) gestartet, um den Regime zu überprüfen, mögliche Reformen vorzuschlagen und Herausforderungen bei der Umsetzung zu adressieren [116]. Diese laufenden Überprüfungen unterstreichen das Engagement der Aufsichtsbehörden, den SM&CR an die sich wandelnde Landschaft der Finanzdienstleistungen anzupassen und so die Markintegrität und den Verbraucherschutz auf einem hohen Niveau zu halten.

Referenzen